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Karlsruher Gespräche: Fördert der Welthandel Wohlstand oder Hunger?

 

Professor Dr. Caroline Robertson von Trotha – Leiterin der GesprächeProfessor Dr. Caroline Robertson von Trotha – Leiterin der GesprächeFördert der Welthandel Wohlstand oder Hunger? Das war in diesem Jahr eine der zentralen Fragen bei den Karlsruher Gesprächen.  

Der globale Markt boomt wie nie zuvor. Wie beeinflussen wachsende grenzüberschreitende Marktmechanismen unsere Gesellschaft? Wo liegen die Chancen der vernetzten Märkte und wie können wir die negativen Auswirkungen des Welthandels begrenzen? Danach fragten die 18. Karlsruher Gespräche „Die Welt(markt)gesellschaft. Vom Handel mit Waren, Daten und Menschen“ vom 14. bis 16. Februar 2014, die das ZAK | Zentrum für Angewandte Kulturwissenschaft und Studium Generale am KIT konzipiert und veranstaltete.

Zum Auftakt sprach der ehemalige Richter am Bundesverfassungsgericht Professor Udo Di Fabio über das Verhältnis von Staat und Wirtschaft in Zeiten der Globalisierung.

Während der Begriff „Weltgesellschaft“ an romantische Utopien erinnert, ist die Weltmarktgesellschaft längst Realität. Täglich genießen wir die Vorzüge des Welthandels, der es uns erlaubt südamerikanische Papayas zu essen, japanische Autos zu fahren und uns mit schwedischen Möbeln einzurichten. Doch neben dem wachsenden Wohlstand verbinden wir mit dem Welthandel auch negative Aspekte eines entfesselten Kapitalismus und zunehmender Umweltbelastung.

Außerdem bietet der globale Marktplatz weitaus mehr als Waren: Grenzüberschreitende Dienstleistungen – etwa im Finanz-, aber auch im Nachrichtenwesen – wachsen rasant. Nicht zuletzt verdeutlichte der NSA-Skandal, dass auch Daten wertvolle Waren sind, die sich zudem in bedrohlichem Maß einer staatlichen Regulierung entziehen. Darüber hinaus gibt es jenen Markt, auf dem Menschen zur Ware degradiert werden. Neue Formen der Sklaverei und menschenunwürdiger Arbeitsbedingungen sind im 21. Jahrhundert nicht beseitigt, sondern nehmen sogar zu.

„Mit dem Begriff der ‚Weltmarktgesellschaft‘ wollen wir den verflochtenen Zustand unserer globalisierten Gesellschaft und seine intendierten und nicht-intendierten Folgen darstellen und diskutieren“, sagt ZAK-Direktorin und Initiatorin der Veranstaltung Professorin Caroline Y. Robertson-von Trotha: „Bei den Karlsruher Gesprächen wollen wir erörtern, ob und welche Wege es gibt, den Menschen Freiheit und soziale Gerechtigkeit auf der Grundlage von Teilhabe und Verantwortung zu ermöglichen.“

Hierzu hat das ZAK renommierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und Persönlichkeiten der internationalen Zivilgesellschaft eingeladen, die sich mit den soziologischen, kulturellen, medialen und ökonomischen Aspekten der Weltmarktgesellschaft beschäftigen. Entsprechend dem Auftrag des ZAK, „Öffentliche Wissenschaft“ anzubieten, wird im Gespräch mit interessierten Bürgerinnen und Bürgern nach neuen Standards und Perspektiven für den globalen Markt und nach Transparenz und Vertrauen in den internationalen Handel gefragt. Die dreitägige Veranstaltung wird begleitet von einem integralen Kulturprogramm mit Film, Theater und Literatur.

Die Stiftung Kunst und Kultur der Sparda-Bank Baden-Württemberg eG, die Stadt Karlsruhe und die IHK Karlsruhe unterstützen die Karlsruher Gespräche.

Aus dem Programm der 18. Karlsruher Gespräche: 
Am Eröffnungsabend, Freitag, 14. Februar spracht der ehemalige Richter am Bundesverfassungsgericht Professor Udo Di Fabio zum Thema „Politik der Weltgesellschaft: Ist die globale Dynamik politisch erreichbar?“.

Das Symposium am Samstag, 15. Februar, eröffnete der kanadische Autor und Präsident des PEN International Dr. John Ralston Saul mit einem Vortrag zu den Gefährdungen der globalen Wirtschaft, Professor Lars P. Feld, Direktor des Walter Eucken Instituts und einer der fünf Wirtschaftsweisen, sprach über neue Standards für den globalen Markt. Im Mittelpunkt standen ferner Formen moderner Sklaverei und prekärer Arbeitsbedingungen. So berichtete die Aktivistin und Fotografin Taslima Akhter über den Alltag in Bangladeschs Textilindustrie. Über die Ansätze totaler Überwachung berichtete der amerikanische Medienkünstler Professor Hasan Elahi, der auf seiner Homepage die US-Geheimdienste über sein Leben informiert.

Bei der Podiumsdiskussion am Sonntag, 16. Februar ging es um die Frage „Wie viel Transparenz und Vertrauen braucht die Welt(markt)gesellschaft?“. Darüber diskutierten unter anderem die Vorsitzende von Transparency International Deutschland, Professorin Edda Müller, mit dem Geschäftsführer der Triodos Bank, Georg Schürmann, und Professor André Habisch, Professor für Christliche Sozialethik und Gesellschaftspolitik. Die Runde wurde moderiert von Markus Brock (SWR, 3sat).

Kulturelle Veranstaltungen sind Bestandteil der Karlsruher Gespräche: Dazu gehört die lange ARTE-Filmnacht mit zahlreichen Dokumentarfilmen zu verschiedenen Aspekten der „Welt(markt)-gesellschaft“ im ZKM | Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe am Samstag, 15. Februar. Am Sonntag, 16. Februar, las der renommierte Schriftsteller Ingo Schulze im Badischen Staatstheater Karlsruhe aus seinem Essayband „Unsere schönen neuen Kleider“. Am Abend zeigte das Staatstheater im STUDIO die Szenische Lesung „Hohe Auflösung“ des ukrainischen Autors Dmytro Ternovyi mit anschließendem Autorengespräch .

Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts nach den Gesetzen des Landes Baden-Württemberg. Es nimmt sowohl die Mission einer Universität als auch die Mission eines nationalen Forschungszentrums in der Helmholtz-Gemeinschaft wahr. Thematische Schwerpunkte der Forschung sind Energie, natürliche und gebaute Umwelt sowie Gesellschaft und Technik, von fundamentalen Fragen bis zur Anwendung. Mit rund 9000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, darunter knapp 6000 in Wissenschaft und Lehre, sowie 24 000 Studierenden ist das KIT eine der größten Forschungs- und Lehreinrichtungen Europas. Das KIT verfolgt seine Aufgaben im Wissensdreieck Forschung – Lehre – Innovation.

Die Karlsruher Gespräche – Vorträge, Diskussionen und Kulturveranstaltungen richten sich an alle Interessierten.

Foto: © Das Baltikum-Blatt / AWSiebert

 

 

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