Das Baltikum-Blatt

Wirtschaft

Schwarze Wolken am russischen Himmel

Veröffentlicht: 06. April 2015

 

Finnische Zentralbank HelsinkiFinnische Zentralbank in HelsinkiVon Aino Siebert

Moskau, das seit rund einem Jahr einen Krieg gegen die Ukraine führt, verschließt die Augen vor der Tatsache, dass  die Sowjetunion den Kostenaufwand für den von dem damaligen Parteiführer Leonid Breschnew Ende 1979 angefangenen Krieg in Afghanistan nicht verkraften konnte. Die Invasion war der folgenschwerste außenpolitische Fehler der kommunistischen Führung. Sie weitete sich zu einem zehnjährigen Krieg mit rund 15.000 Gefallenen aus und trug letztendlich zum Zerfall des sowjetischen Reichs bei.

Die finnische Nationalbank berichtet in ihrem aktuellen Wirtschaftsüberblick, dass Russland in den vergangenen Jahren der Weltöffentlichkeit zwar seine militärische Vormachtstellung präsentierte, doch seine wirtschaftliche Probleme verdeckt hielt.

Dem finnischen Report zufolge steht das Wirtschaftswachstum im Riesenreich bei Null und falls der Dollarpreis für Erdöl weiterhin beim 55 pro Barrel bleibt, wird die Wirtschaftsleistung Russlands im kommenden Jahr mehr als vier Prozent sinken. Als Folgeerscheinung werden Privatinvestitionen und Konsum, aber auch die Ausgaben der Zentralregierung stark abnehmen.

Die finnischen Ökonomen bringen in ihrem Bericht noch vor, dass die selbsternannte Supermacht zudem mit dem nun lange andauernden Fall der Landeswährung Rubel und niedrigen inneren Nachfrage weiterhin zu kämpfen haben wird. Ansonsten prophezeien die Finnen noch den Exporteinsturz.

Unfähig zur Entwicklung Russlands

Die Fakten sind bekannt, viele westliche Experten haben die wirtschaftliche Lage im Land schon vor der Verkündung der westlichen Sanktionen als Antwort auf die Annektierung der zur Ukraine gehörenden Schwarzmeer-Halbinsel Krim 2014 als schlecht eingeschätzt.

Nur dank rasch steigender Weltmarktpreise für Erdöl und Erdgas ist den Nachfolger von Boris Jelzin, Wladimir Putin gelungen der zerfallene sowjetische Imperium aus der wirtschaftliche Katastrophe zu retten. Schon 2001 schrieben westliche Zeitungen, dass der neue Präsident eine Außenpolitik nach Sowjetmuster betreibt und zu Hause versucht, eine gelenkte Demokratie zu führen. Damals schätzte der amtierende Machthaber, dass in 10 bis 20 Jahren der Umbau des Riesenreichs beendet sein wird. Nach 15 Jahren Herrschaft von Putin droht nun der Untergang seines Staates.

Die russische Führung unter dem aktuellen Präsidenten war, wie alle Staatslenker seit 1917, genau so unfähig die Volkswirtschaft politisch so zu organisieren, dass das an Erdschätzen reiche Land sein eigenes Volk ernähren oder mit Verbrauchsgütern versorgen kann. Schuld daran sind neben der falschen Wirtschaftspolitik (man investiert großzügig in die Rüstung), die blühende Korruption und die Unterdrückung von Freiheit und Kreativität. Kluge Köpfe werden verhaftet oder genötigt das Land zu verlassen, wenn sie sich gegen die Politik der Kreml-Führung stellen.

So ist ist die Aussage der finnischen Ökonomen plausibel, dass Russland bei der aktuellen wirtschaftlichen Lage nicht imstande ist einen lang andauernden konventionellen Krieg zu führen.

Foto: Wikipedia / Mahlum