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Schwergewichts-Kampf in Moskau: Alexander Povetkin zeigt sich als fairer Verlierer

Alter und neuer Weltmeister - Wladimir KlitschkoAlter und neuer Weltmeister - Wladimir KlitschkoSchon vor etwa drei Jahren wollte Wladimir Klitschko (37) mit Alexander Povetkin (34) in den Ring steigen. Doch der Ukrainer wartete in Frankfurt am Main zusammen mit Journalisten vergeblich auf seinen Gegner. Angeblich hatte der Russe seinen Flieger verpasst. Später war zu hören, dass Povetkins Trainer seinen Schützling nicht erlaubt hatte gegen den Superchampion zu kämpfen – der Russe wäre sportlich noch nicht so weit gewesen, um mit dem jüngeren Klitschko im Ring die Kräfte zu messen.

Nach der der offiziellen Ersteigerung des Kampfes in Moskau von Promoter Wlad Hrunow mit stolzen 23 Millionen Euro kam das Ringduell zwischen Russland und der Ukraine dann zustande. Es ging um den WM-Titel nach der Version von WBA. Doch erstmals hatte das Management von Wladimir Klitschko die Fäden nicht in der Hand, die Veranstaltung wurde komplett von Russen organisiert. Klitschko kassierte von der Börse 17,5 Millionen, Povetkin nur 5,8 Millionen Euro. Es wird behauptet, eigentlich hätte Kreml-Chef Wladimir Putin den Faustkampf nach Moskau geholt.

Alexander Povetkin, RusslandAlexander Povetkin, RusslandAusgerechnet Moskau, wo der von (deutschen) Fans verwöhnte Wladimir Klitschko keinen Anhängerclub hat. Sein älterer Bruder Vitali mischt sich in Kiew kräftig in Politik ein. Die ehemalige Sowjetrepublik Ukraine steuert eine Mitgliedschaft bei der Europäischen Union (EU) an. Diese Ziele passen allerdings nicht in das politisches Konzept von Putin. Der Ex-Geheimdienstler würde die Ukraine gerne in seinen Einflusssphäre sehen.

Wladimir Klitschko gewinnt souverän
Beide Boxer boten trotz Anfangsbedenken und Schwierigkeiten im Moskauer Olympiastation einen interessanten Kampf. Zum Schluss sahen alle Punktrichtern Wladimir Klitschko vorne, das Urteil lautete 119:104. Obwohl das Ringduell nicht wie erhofft sportlich hochklassig war, boxte der Ukrainer durchaus einfallsreich und siegte dann nach 12 Runden überlegen zu Recht. Trotz einige Pfiffer aus der Publikum kann man nicht von einem Hass-Sportereignis sprechen. Beide Konkurrenten um den Schwergewicht-Weltmeistertitel tauschten nach dem Kampf nur Nettigkeiten aus.

Als Kampfrichter fungierte Luis Pabon aus Puerto Rico, er dirigierte den Superfight lässig und souverän. Am Ring sammelte sich die eingeladene Prominenz: Die Freundin des Superchampions, US-Schauspielerin Hayden Panettiere, war nach Moskau gereist um ihrem „Dr. Steal-Hammer“ die Daumen zu drücken. Box-Legenden George Foreman und Lennox Lewis nahmen ebenfalls Ehrenplätze ein. Im Publikum war noch die russische Volksheldin Jelena Issinbajewa zu beobachten. Die Stabhochsprung-Weltrekordhalterin machte zuletzt viele negative Schlagzeilen mit ihrem Statements zur Homosexualität.

Wladimir Klitschko 2010 mit Pappkameradund Alexander Povetkin nach dem der Russe nicht kam.Wladimir Klitschko 2010 mit Pappkamerad Alexander Povetkin - nach dem der Russe nicht kam.Als der bekannte amerikanische Entertainer Michael Buffer die Kämpfer in den Ring rief, waren die Povetkinsche Worte zu hören: "Jeder Russe sollte stark sein und sein Vaterland verteidigen können". Zur dieser Zeitpunkt war deutlich, um welche Kraftprobe es sich hier für Alexander Povetkin handelte. Es wurde ein Kampf zwischen Russland und der Ukraine angekündigt, obwohl Wladimir Klitschko davon nichts wissen wollte.

Für ihm kam es noch vor dem WBA-WM-Kampf zu einem lästigen Wiedersehen mit Dereck Chisora. Das Team von Povetkin schickte den streitsüchtigen Briten als obligatorischen Beobachter in die Klitschkos Kabine. Er sollte nachschauen, ob die Fäuste der Ukrainer richtig bandagiert wurden. Mit dem 29-Jährigen haben die Klitschko-Brüder nur schlechte Erfahrungen gemacht. Vor dem WM-Kampf gegen Vitali Klitschko in der Münchner Olympiahalle im Februar des vergangenen Jahres war Chisora zum Wiegen vermummt erschienen. Beim anschließenden Staredown verpasste der Brite dann Vitali noch eine schallende Ohrfeige. Später im Ring spuckte Chisora außerdem Wladimir einen Schluck Wasser ins Gesicht.

RTL erzielt Traumquoten
Der alte und neue Schwergewichts-Weltmeister Wladimir Klitschko hat dem deutschen Fernsehkanal RTL erneut eine Traumquote beschert. Bis zu 12,30 Millionen TV-Zuschauer verfolgten die Live-Übertragung des Kampfes. Dies bedeutet einen Marktanteil von 35,4 Prozent. So eindeutig der sportliche Sieg des IBF und IBO sowie WBO- und WBA-Superchampion ausfiel, so souverän setzte er sich auch in dem im Vorfeld von vielen zum  TV-Duell hochstilisierten Quoten-Clinch gegen die ZDF-Show „Wetten, Dass..?“ durch. Die von Markus Lanz moderierte Live-Sendung sahen durchschnittlich 6,85 Millionen Zuschauer bei einem Marktanteil von 22,1 Prozent.

„Ich danke allen, die für mich das Herz offen hielten. Ihr habt mir geholfen zu siegen“, rief Wladimir Klitschko noch im Ring seinen Fans in der mit 14.000 Zuschauern ausverkauften Arena SC Olimpiyski zu. Im anschließenden RTL-Interview sprach er von einem schwere Stück Arbeit und merkte selbstkritisch an: „Ich hätte mir wirklich gewünscht, vorzeitig zu gewinnen. Wahrscheinlich war ich zu angespannt, das konnte man wohl auch sehen. Ich glaube, dass ich ein paar Sachen hätte besser machen können, zum Beispiel den Aufwärtshaken.“

Promoter Wlad HrunowPromoter Wlad HrunowKnapp zwei Stunden später zollte er seinem Gegner noch einmal den allergrößten Respekt: „Ich weiß, dass es nicht einfach für ihn war. Ich habe gemerkt, dass ich ihn hart getroffen habe und dass er durch die Hölle geht. Ich habe gehofft, dass er nicht mehr aufmerksam und langsamer sein wird. Trotz allem ist er nicht nur auf den Beinen geblieben, sondern er ist weiter marschiert und hat versucht, mich mit einem Lucky Punch auszuknocken. Nach der 7. Runde hatte ich erwartet, dass dies ein Knickpunkt gewesen sei und dass ich dann saubere Treffer machen kann. Das konnte ich leider nicht. Ich könnte es besser machen, aber ich beschwere mich nicht. Ein gewonnener Kampf ist ein gewonnener Kampf.“ Wilfried Sauerland,  der nach dem Kampf kritisiert hatte, dass Klitschko sich sich zu oft auf seinen Schützling gelegt und ihn herunter gedrückt habe, wurde von letzteren als „schlechter Verlierer“ bezeichnet.

Jetzt möchte sich Wladimir Klitschko erst einmal entspannen und blickt er nach achtwöchigem Training auf die nächsten Monate voraus. „Ich freue mich einfach, dass ich jetzt erst einmal nichts mit dem Sport zu tun habe.“

Verlierer Alexander Povetkin erschien nicht zur  nächtlichen Pressekonferenz, vermutlich befand er sich zu diesem Zeitpunkt zur Untersuchung im Krankenhaus. Direkt nach dem Kampf hatte der Russe, der vier Mal auf den Ringboden geschickt und dabei angezählt wurde, den Zuschauern zugerufen: „Manchmal hat es nicht so geklappt, wie ich es wollte. Aber ich habe mich richtig ins Zeug gelegt. Ich werde noch härter trainieren, um noch besser zu werden. Ich kämpfe immer bis zum letzten, ich gebe nie auf.“ Sportlich fair erkannte er den unumstrittenen Sieg Wladimir Klitschos an: „Natürlich, er war stärker. Er ist der Beste, den es derzeit weltweit gibt.“

Weitere von RTL gesammelte Stimmen:

Vitali Klitschko: „Ich habe nie Angst um Wladimir gehabt. Er hat den Kampf dominiert.“

Dereck Chisora zum Kampf: „Langweilig, langweilig, langweilig.“

Lennox Lewis: „Ich meine, Povetkin hätte ein bisschen mehr machen können. Klitschko hat sich zu oft auf ihn draufgelegt, das sollte er als Weltmeister nicht machen. Er hat mir zu wenig gezeigt, er hat eigentlich ganz normal geboxt. Er hat kaum die Rechte eingesetzt, vielleicht hatte er ein Problem mit der Hand. Wenn man jemanden in einer Runde drei Mal am Boden hat, dann sollte man eigentlich durch K.o. gewinnen.“Luan Krasniqi, ehemaliger deutscher Boxer kosovo-albanischer HerkunftLuan Krasniqi, ehemaliger deutscher Boxer kosovo-albanischer Herkunft

Luan Krasniqi: „Der Kampf war von der ersten bis zur letzten Runde spannend. Wladimir hat es sich immer wieder selbst schwer gemacht, in dem er sich auf seinen Gegner draufgelegt hat. Er hätte eigentlich mehrmals verwarnt werden müssen.“

Hayden Pannetiere: „Ich bin sehr stolz auf Wladimir. Abe ich habe auch Respekt vor Alexander Povetkin. Auch die beiden haben sich respektiert.“

In der RTL-Schlagstatistik wurden im Verlauf der 12 Runden von Wladimir Klitschko insgesamt 173 Treffer und davon 164 zum Kopf registriert. 93 Schläge trafen die rechte, 43 die linke Kopfhälfte und 28 das Kinn.

asie/RTL

Archivfotos: © Das Baltikum-Blatt / AWSiebert

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