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Rassen-Krawalle in Moskau

 

Emblem der russischen Polizeieinheit OmonEmblem der russischen Polizeieinheit OmonNach einem brutalen Mord in der Nacht auf den 10. Oktober an einem jungen Russen vor den Augen seiner Freundin stürmen wütende Rechtsradikale und Hooligans ein Einkaufszentrum am südlichen Rande von Russlands Hauptstadt Moskau und lieferten sich dort Straßenschlachten mit den Ordnungskräften. Der Ermordete Jegor Schtscherbakow (25) und seine Freundin sollen auf dem Nachhause-Weg von einem „nicht-slawisch aussehenden“ Mann belästigt worden sein. Es kam zum Handgemenge und der Fremder zog ein Messer und stach auf Schtscherbakow ein. Medienberichten zufolge ist auf Überwachungskamera festzustellen, dass der mutmaßlicher Täter von Aussehen her ein Ausländer ist und vermutlich aus dem Kaukasus oder Zentral-Asien stammt. Nach der Tötungsdelikt konnte er unbekannt fliehen.

Am Samstagabend (12. Oktober) versammelten sich dann etwa 40 Bewohner des Ortsteils Sapadnoje Birjuljowo und forderten die lückenlose Aufklärung des Verbrechens. Ebenfalls verlangten sie die Schließung des Großmarktes „Birjusa“, wo viele Migranten Gemüse verkaufen. Die Versammlung lief friedlich ab. Nach dem Nachfolgetreffen am nächsten Tag kam es dann zur Eskalation: Wütende Bürger und Nationalisten schlugen die Scheiben des Marktes ein und versuchten, das Gebäude zu besetzen. Einkaufzentrum war zur diese Zeitpunkt voll besucht. Die Randalierer kippten dabei parkende Autos um und bewarfen die Ordnungskräfte mit Flaschen, Steinen und Abfallkörben. Es habe Verletzte gegeben. Die Spezialeinheit der Polizei, OMON wurde eingeschaltet. Wie der Zeitung Kommersant berichtet, sahen etwa 40 OMON-Beamte dennoch dem Treiben zuerst etwa 20 Minuten lang tatenlos zu, bevor sie begannen, den Mob zurückzudrängen und einige Beteiligte festzunehmen. Wie viele Menschen festgenommen wurden, ist unklar – die Zahlen werden in Medien widersprechend beziffert. Einige Zeitungen sprechen von bis zu 1000 festgenommenen.

Laut Moskau.ru berichteten Augenzeugen, dass viele Anwohner dem Treiben gelassen folgten: Sie sahen ruhig dem zum Teil heftig alkoholisierten Mob wie auf einem Sonntagsspaziergang mit Kindern und Hunden und fotografierten dabei die Zerstörungen.

Das Polizeifahrzeug, in dem die Festgenommene untergebracht waren, wurde von aufgebrachten Nationalisten eingekesselt; sie forderten die Freilassung der Verhafteten. Teilnehmerzahl der Protestierenden wurde während der Auseinandersetzung auf etwa 350 Menschen gestiegen, einige Augezeugen und Medien sprechen sogar von bis zu 1000. Laut Sprecher der Sicherheitskräfte waren vor Ort 200 Beamten. Sie setzten laut russischen Medienberichten auch Schlagstöcke gegen Protestierenden ein. Wie der Kommersant weiter berichtet, hat Innenminister Wladimir Kolokolzew der Moskauer Polizei de facto ein Ultimatum gestellt. Wenn es nicht gelinge, in kurzer Zeit den Messerstecher und die Anstifter der Aufstand zu ermitteln, würden in der Führungsebene der Behörde rasch personelle Änderungen vorgenommen.

Die Stimme Russland berichtet: „Insgesamt bekamen 23 Menschen Verletzungen verschiedenen Schweregrades. Elf von ihnen wurden in Krankenhäuser eingeliefert, den anderen Bürgern wurde ambulante Behandlung verordnet. Unter denen, die nach den Krawallen ins Krankenhaus mussten, sind fünf Angehörige der Sicherheitstruppe OMON und fünf Migranten aus ehemaligen Sowjetrepubliken.“Der Oberbürgermeister von Moskau, Sergei Sobjanin kündigte eine sorgfältige Ermittlung des Mordes an. Der Moskauer Polizeichef Anatoli Jakunin gab bekannt, dass eine Million Rubel (über 23 000 Euro) auf den flüchtigen Mörder ausgesetzt sind.

„Der brutale Mord und der darauffolgende Bürgeraufstand sind ein Resultat der Untätigkeit der Behörden und der Polizei, die den drohenden Konflikt nicht abwenden konnte“, sagte Duma-Abgeordnete Michail Starschinow (Partei der Präsidenten Wladimir Putin, Geeintes Russland) gestern laut russischen Nachrichtenagentur RIA Nowosti zu Journalisten und verglich die Lage mit den rassistisch motivierten Gewaltausbrüchen in den russischen Städten Pugatschow oder Kondopoga, wo ein randalierender Mob Mitte der Nullerjahre faktisch alle Kaukasier aus der Stadt getrieben hatte. 

„Das alles bringt einen zum Nachdenken, ob es nicht an der Zeit wäre, wieder über eine Kommunalpolizei nachzudenken, die direkt von der Ortsbevölkerung abhängig ist“, sagte der Parlamentarier und fügte hinzu: „Man müsse auch diskutiert werden, wie „endlich Ordnung in die Migrationspolitik“ gebracht werden  könne.“ Ein Vorschlag des Abgeordneten lautete, Wehrdienstleistende für die „Ordnung“ auf den Straßen heranzuziehen – besonders in Ballungszentren, wo viele Migranten wohnen. Seine fremdenfeindliche Aussage zeigt deutlich den Weg, wie Russland seine ethnische Probleme in der Zukunft lösen will. Im Vergangenheit kam es zwischen Radikalen und Migranten wiederholt zu nationalistisch motivierten Konflikten. Der Kreml ist sich der Sprengkraft des Problems bewusst. Erst vergangene Woche hatte Premierminister Dmitri Medwedew vorgebracht, dass keine „ethnischen Enklaven“ in Russland entkeimen dürfen. Eine derartige Entwicklung könne nur zur Isolation von Einwanderern und Ausländerfeindlichkeit führen.

In Russland leben etwa 160 Ethnien. Davon gehören 67,9 Prozent dem Christentum an, 11,3 Prozent dem Islam, 0,4 Prozent dem Buddhismus, 1,2 Prozent ethnischen Religionen und 19,3 Prozent sind nicht religiös, berichtet Joshua Project.

Fast alle Festgenommenen sind inzwischen entlassen worden. Nur zwei Personen, denen ein strafrechtliche Delikte vorgeworfen werden, bleiben vorerst in Polizeigewahrsam.

Heute trat die Polizei in Moskau wieder in Aktion. Diesmal nahmen die Beamten Migranten fest. Bei ihnen handelt es sich hauptsächlich um Menschen aus dem Kaukasus und Zentralasien, berichtet RFL.

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