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Russland ruft seine Bürger zu Denunziation auf

Verehrung von Pawlik Morozow in der SowjetzeitVerehrung von Pawlik Morozow in der SowjetzeitDie Schreckensmeldungen aus Russland nehmen nicht ab. Obwohl anhaltend international gegen sogenannten Homogesetze protestiert wird, will Russland die Rechte der sexuellen Minderheit weiter verringern. Erst im Juni hatte Staatspräsident Wladimir Putin ein Homopropaganda-Gesetz in Kraft gesetzt, das es bei Geldstrafe verbietet, positiv vor Minderjährigen über Homosexualität zu äußern. Die Anordnung wird seit dem im Westen heftig kritisiert.

Ungeachtet allen globalen Ablehnungen wird im russischen Parlament zur Zeit ein neues Gesetzentwurf vorbereitet, der das Erziehungsrecht in der homosexuellen Familien lebenden leiblichen oder adoptierten Kinder entzieht. Das Vorhaben richte sich gegen gleichgeschlechtliche Paare sowie Familien, die wegen "nicht traditioneller" sexueller Kontakte eines Partners zerbrechen, sagte der Parlamentsabgeordnete Alexej Schurawljow von der Partei des Kreml-Chefs, Geeintes Russland der Zeitung Kommersant.

Aufruf auf Denunziation
Das neue Gesetz will angeblich die Psyche eines Kindes schützen. Die Realität sieht aber anderes aus, denn Schurawljow schlug außerdem vor, die Justiz solle Fälle untersuchen, in denen etwa eine Frau ihren Mann verdächtige, schwul zu sein. Konkret bedeutet das, dass die Familien, vor allem Kinder, vogelfrei erklärt werden, wenn das Vorhaben im Duma durchgesetzt wird. Mit diesem Gesetz nimmt der Staat sich das Recht, sich in das Privatleben seine Bürger einzumischen. Dies gehört nicht zu Wertschätzungen der Demokratie. Außerdem - jede Frau, der an ihr Mann Rache üben will, kann ihren Gatten willkürlich anzeigen.

Hier lässt das Sowjetregime grüßen und Erinnerungen an den großen Terror während der Zeit des Diktators Jossif W. Stalin kommen wieder hoch. Zu jener Zeit wurden die Menschen genau so wie jetzt aufgerufen, wachsam zu sein und ihre Mitbürgern nicht nur auszuspionieren, sondern auch gezielt anzuzeigen. Dank den Denunziationen kamen tausende unschuldige Menschen in Arbeitslager oder wurden unter falschen Beschuldigungen getötet. Das neues Gesetz ist inhaltlich nicht anderes als ein Aufruf für Familienmitglieder, Nachbarn und Arbeitskollegen ihre Mitbürger, darunter auch Kinder zu denunzieren. Es gibt zudem Jugendlichen, die aus irgendwelchen Grund, zum Beispiel im Pubertät, mit ihren Eltern auf Kriegsfuß stehen, die Möglichkeit sie loszuwerden.

Die Geschichte von Pawlik Morozow
Während des stalinistischen Terrors in der Sowjetunion in den 1930er Jahren wurden die Bürger aufgerufen, die Feinde des Staates anzuzeigen. Auch Kinder nahmen diese Pflicht sehr ernst, wie die Geschichte von Pawlik Morozow beweist. Die heldenhafte Tat des Bauernjungen, der seinen Vater als „reaktionären Kulak“ (vermögenden Bauern) anzeigte, wurde bis zum Zerfall der Sowjetunion 1991 den Kindern in der Sowjetschulen erzählt. Pawlik, geboren 1918 im Dorf Gerassimowka in Ural hatte seinen Vater wegen Versteckens von Getreide bei der Staatssicherheitsbehörden angezeigt. Darauf wurde der Vater festgenommen, bei einem Schauprozess schuldig gesprochen und danach hingerichtet.

Aus Wut auf den Denunzianten, so die sowjetische offiziellen Behauptung, haben die Verwandten 1932 Pawlik und seinen Bruder Fjodor erschlagen. Der russische Journalist Juri Druschnikow verfolgte den Fall seit Mitte der 1980er Jahre und kam zu dem Schluss, http://www.soniamelnikova.com/id9.html dass vieles dafür spreche, dass die Kinder von örtlichen OGPU-Funktionären (Staatspolizei) umgebracht worden waren und ihr Tod mehreren „fortschrittsfeindlichen Kulaken“ des Dorfes angelastet wurde, die sich lange gegen die Zwangskollektivierung gewehrt hatten. So diente Schicksal von Pawlik, der Jahrzehnte Schulkindern erzählt wurde, zur Rechtfertigung und propagandistischen Durchsetzung der gewaltsamen Kollektivierung der Landwirtschaft in der Sowjetunion.

In der Perestroika wandelte sich Pawlik vom Helden zum Judas, denn nun trat sein Verrat an der eigenen Familie in den Vordergrund. Es gibt sogar Versionen, laut denen der Bauernjunge seinen trunksüchtigen Vater angezeigt hatte, weil das Leben mit ihm nicht zu ertragen war, oder aber von seiner Mutter angestiftet worden war, weil sein Vater sie betrogen hatte, berichtet Russland Aktuell.

Putin sieht nichts Befremdendes
Erst vor einige Tagen brachte der Kreml-Chef höchstpersönlich bei einem Interview mit der Associated Press (AP) vor, Vertreter der sexuellen Minorität hätten in seinem Land gleiche Rechte wie alle andere Bürger auch. "Ich versichere Ihnen: Ich arbeite mit diesen Leuten, ich zeichne sie manchmal mit staatlichen Orden oder Preisen für ihre Verdienste in vielen verschiedenen Bereichen aus." Er sehe "nichts Befremdendes" in der Art, wie homosexuelle Menschen in seinem Land behandelt werden würden. Um seiner Aussage mehr Überzeugung zu verleihen, fügte Putin noch hinzu, dass sogar der in der Welt hoch verehrte russische Komponist Pjotr Tschaikowski schwul gewesen sein soll. "Wir lieben ihn nicht wegen seines Schwul-Seins, aber er war ein großer Tonsetzer und wir lieben seine großartige Musik", beschwor Staatspräsident. Dabei hat Putin einen Widerspruch seinen Aussage nicht gemerkt – Tschaikowsky schrieb seine wunderbare Musik weil er schwul war. (asie)

Foto: © Sonia Melnikowa

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