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Russland: Wallenbergs Familie will Zugang zu Moskauer Archivdokumenten

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Russland leugnet Ermordung Wallenbergs

Die Haftbefehl gegen Wallenberg wurde erst 1993 der Öffentlichkeit bekannt. Auf Befehl des damaligen Vize-Verteidigungsministers Nikolai Bulganin vom 17. Januar 1945 wurde der Schwede zusammen mit seinem Chauffeur in das berüchtigte Moskauer Staatssicherheitsgefängnis Lubjanka gebracht. Später wurde er laut Zeugenaussagen in das Lefortowo-Gefängnis verlegt. Dort verlieren sich die Spuren des mutigen Retters.

Lange Zeit leugneten die Sowjets, dass Wallenberg sich überhaupt in der Sowjetunion befunden hatte. 1957 behauptete der Kreml unter internationalem Druck, der Diplomat sei am 17. Juli 1947 in seiner Zelle in Lubjanka tot aufgefunden worden, vermutlich erlag er einem Herzanfall. Wenn Wallenberg tatsächlich damals starb, warum wurde dies dann nicht gleich bekanntgegeben? Russland hält weiterhin an diesem Todestag fest, ohne Beweise dazu geliefert zu haben.

Einer schwedischen Ärztin wurde 1961 von ihrem sowjetischen Kollegen Mjasnikow berichtet, Wallenberg befinde sich in einer psychiatrischen Klinik. Später zog der Russe seine Aussage zurück. Als vier Jahre später Carl Gustaf Svingel einen in Schweden inhaftierten sowjetischen Spion gegen Wallenberg auszutauschen versuchte, haben die Sowjets bestätigt, dass der Retter von Budapest lebt. Letztendlich kam der Agentenaustausch nicht zustande. Die schwedische Regierung wurde dafür heftig kritisiert.

Schicksal Wallenbergs nur mit Archivdokumenten belegbar

1989 übergaben die Russen Wallenbergs Angehörigen seine Kleidung, sein Geld, sein Tagebuch und seinen Pass. Im Januar 2001 erklärte Schweden, der Tod des Diplomaten sei keinesfalls erwiesen. 2010 waren neue Dokumente aufgetaucht, die ein Überleben Wallenbergs über das Jahr 1947 hinaus als „Gefangener Nr. 7“ möglich erscheinen lassen.

Der ehemalige General der Staatssicherheit, Pawel Sudoplatow, widmete dem Fall Wallenberg in seiner 1994 erschienenen Autobiographie ein Kapitel. Darin behauptet er, dass die Wallenbergs trotz der Neutralität Schwedens wichtige Rüstungsgeschäfte mit der Sowjetunion unterhalten haben. Seit Anfang 1944 hatte die Familie angeblich noch durch geheime Kontakte zu Vertretern der Sowjetregierung zu dem von ihr angestrebten Separatfriedensvertrag mit Finnland vom 19. September 1944 beigetragen. Durch die von Bulganin angeordnete Entführung Raoul Wallenbergs aus Budapest im Januar 1945 habe Stalin angeblich seine Familie erpressen wollen, um sich deren internationale Verbindungen bei der Beschaffung von Auslandskapital für den Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg zunutze zu machen. Da der Schwede zur einer Zusammenarbeit offensichtlich nicht bereit war, habe man ihn durch eine Giftspritze in einem Gefängnistrakt der Lubjanka und ohne Obduktion verbrannt.

Oper „Wallenberg“ von Tüür

Der estnische Tonsetzer Erkki-Sven Tüür hat eine Oper „Wallenberg“ komponiert, deren Uraufführung am 5. Mai 2001 an der Dortmunder Oper stattfand. Das Stück, dessen Libretto Lutz Hübner geschrieben hat, basiert vor allem auf Dialoge zwischen Raoul Wallenberg und seinen Gegenspieler Adolf Eichmann. Die Oper beschreibt im ersten Teil die Tätigkeit des Diplomaten in Budapest und konfrontiert ihn in einer erfundenen Treffen mit Nazi. Der zweite Teil schildert die Zeit nach Wallenbergs Verhaftung in Russland, die grausamen Verhöre und schließlich, wie sein Name zum Mythos wird: Der Held Wallenberg spaltet sich ab von dem realen Menschen. (asie/tmich/Wikipedia)

Foto: Autor unbekannt / Wikipedia

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