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Russland: Explosionen in nordkaukasischen Stawropol

 

Stadtmitte von Stawropol (erstes Frauengymnasium im Kaukasus)Stadtmitte von Stawropol (erstes Frauengymnasium im Kaukasus)

Medienberichten zufolge haben drei Selbstmordattentäter eine Polizeiwache in der Nähe der nordkaukasischen Metropole Stawropol überfallen. Einer der Angreifer habe sich selbst in die Luft gesprengt, seine Komplizen seien erschossen worden. Zivilbevölkerung und Sicherheitskräfte seien bei dem bewaffneten Angriff nicht zu Schaden gekommen. Dennoch wurden aus Sicherheitsgründen öffentliche Einrichtungen einstweilig evakuiert.

Im nordkaukasischen Gebiet, wo radikale Islamisten für ein von der Russischen Föderation unabhängiges „Kaukasisches Emirat“ kämpfen, kommt es seit Jahren immer wieder zu Unruhen. Obwohl die Zahl der Gewalttaten deutlich abgenommen hat, ist die Sicherheitslage in der Region alles Andere als stabil. Zuletzt wurde im Dezember 2014 ein Bombenanschlag auf das Pressehaus in der tschetschenischen Hauptstadt Grosny verübt.

Moskau ignoriert Terrorgruppen zu lange

Das „Kaukasische Emirat“ ist zur Zeit in Dagestan am aktivsten. Auch das organisatorische Zentrum des Untergrundkampfes wurde von Tschetschenien dorthin verlagert. Als Russland 1801 Georgien in sein Besitz genommen hatte, war es aktiv bemüht, den gesamten Nordkaukasus unter seinen Einfluss zu bringen. 1813 war es dann soweit, auch Dagestan wurde Russland eingegliedert.

Die Hauptstadt der Republik Dagestan mit rund drei Millionen Einwohnern ist Machatschkala. Es ist die flächengrößte der russischen Kaukasusrepubliken und ein Staat mit dem stärksten Bevölkerungszuwachs in Russland (1989 lebten dort rund 1,8 Millionen Menschen). Gleichzeitig gehört Dagestan zu den ärmsten Republiken der Föderation. 94 Prozent der Bevölkerung sind ethnische Muslime.

Während das „Kaukasische Emirat“, seit 2010 als Terror-Organisation verboten, sich auf den Kampf gegen die russische Staatsmacht eingeschworen hat, gibt es im Nordkaukasus noch transnational ausgerichtete islamistische Terror-Vereinigungen nach dem Vorbild von Al-Qaida oder des „Islamischen Staates“ (IS). Sie haben Staatsbedienstete, Mitarbeiter der Sicherheitsdienste, hohe Regierungsmitglieder sowie Vertreter eines gemäßigten Sufi-Islam zu ihren Feinden erklärt.

Die russischen Sicherheitsbehörden haben den IS lange unberücksichtigt gelassen und ihn stets als Folge westlicher militärischer Einmischung im Nahen Osten betrachtet. Russische Menschenrechtler werfen dem Kreml sogar vor, Moskau habe die Abwanderung von Islamisten aus dem Nordkaukasus in den Irak und nach Syrien aktiv gefördert.

Zur Zeit kämpfen bis zu rund 2000 russische Staatsbürger in den Reihen des IS, und nun fürchtet Moskau sich vor Rückkehrern, die neue blutige Auseinandersetzungen starten könnten. Bis dato hat Russland mit einer repressiven Anti-Terror-Politik mit dazugehörender brutaler Gewalt versucht, im Brandherd Nordkaukasus einen Frieden durchzusetzen, unter anderem in langjährigen Tschetschenien-Kriegen. Doch diese Methode, verkoppelt mit Arbeitslosigkeit und bitterer Armut, hat die jungen Muslime deutlich radikalisiert.

Stawropol, von 1935 bis 1943 Woroschilowsk, liegt zwischen Hügeln und Tälern an den Ausläufern des Nordkaukasus. Die Stadt wurde 1777 als eine der zehn Festungen zur Bewachung der südlichen Grenze des damaligen Russischen Zarenreiches gegründet. Von den rund 400.000 Bürgern der Stadt sind fast 90 Prozent Russen. Die größte Minderheit bilden mit etwa fünf Prozent die Armenier. (asie/tmich)

Foto: © Saagg / Wikipedia

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