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Russland will ukrainische Pilotin wegen Mordes verurteilen

Nadija SawtschenkoNadija SawtschenkoIn dem Prozess gegen die ukrainische Luftwaffenpilotin Nadija Sawtschenko in Russland hat der Staatsanwalt 23 Jahre Freiheitsentzug wegen Mordes gefordert.

Die junge Offizierin kämpfte in der ukrainischen freiwilligen Kampfeinheit Bataillon Ajdar. Die Anklage sah es als erwiesen an, dass die Ukrainerin am 17. Juni 2014 einen Mörserangriff auf eine Gruppe von Zivilisten koordiniert haben soll, bei dem zwei russische Pressevertreter getötet wurden. Während der Voruntersuchung seien angeblich 108.000 Zeugen befragt worden. Damals kamen Igor Korneljuk und Anton Woloschin ums Leben. Sie arbeiteten für den russischen Sender Rossija 24. Sawtschenko wurde zudem vorgeworfen, illegal nach Russland eingereist zu sein. Wie die Pilotin aus dem ostukrainischen Kampfgebiet nach Woronesch, per Luftlinie rund 490 Kilometer süd-südostlich der russischen Hauptstadt Moskau, gekommen sei, ist unklar. Der Anwalt der Verhafteten, Ilja Nowikow, erklärte, dass Frauen, die in Russland des Mordes angeklagt sind, kein Recht auf ein Gerichtsverfahren haben (Bundesgesetz 217 vom 23. Juli 2013).

Die Oberleutnantin der ukrainischen Streitkräfte ist eine der ersten Berufssoldatinnen und bisher die einzige Frau in ihrer Heimat, die dazu ausgebildet ist, die in der Sowjetunion entwickelten zweisitzigen taktischen Bomber des Typs Suchoi Su-24 und die Kampfhubschrauber des Typs MI-24 zu fliegen. Mitte Juni 2014 verschwand sie während eines Einsatzes in der von prorussischen Rebellen umkämpften Region der Ostukraine. Rund einen Monat später tauchte sie in Russland in einem Woronescher Hafthaus wieder auf, wo sie sich in einer Einzelzelle befand.

Ukrainische Heldin – Feind Russlands

Die „Heldin der Ukraine“ – der Titel wurde ihr vor einem Jahr verliehen – verkörpert für Russland, das seit der Annektion der Schwarzmeer-Halbinsel Krim vor zwei Jahren auch in der Ostukraine kämpft, eine Feindin. Der Gerichtsprozess fand in der russischen Stadt Donezk im Oblast Rostow an der Grenze zur Ukraine statt – nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen ukrainischen Stadt, die das Zentrum des Kohlereviers Donbass darstellt.

Die 34-jährige Angeklagte erklärte sich vor Gericht unschuldig und drohte den Richtern mit einem weiteren Hungerstreik, falls der Strafgerichtshof mit der Verkündung des Urteils zu langsam vorangehe.

„Wenn die Entscheidung nicht binnen zwei Wochen kommt, muss sie mir posthum verlesen werden“, sagte Sawtschenko der staatlichen russischen Nachrichtenagentur TASS zufolge. Bei ihrem Hungerstreik vor einem Jahr hat die junge, schmale Frau 21 Kilogramm verloren.

Die Ukraine hat gegen das Gerichtsverfahren Protest eingelegt und wirft Moskau vor, Sawtschenko entführt zu haben. Kiew zufolge war die junge Militärpilotin zunächst in der Gefangenschaft prorussischer Rebellen, später wurde sie ins Gefängnis von Woronesch verlegt. Auch europäische Organisationen haben sich für die Freilassung der Offizierin, die im Oktober 2014 in Abwesenheit für die Partei Batkiwschtschyna ins ukrainische Parlament Werhowna Rada gewählt wurde, eingesetzt.

Am 19. Juni 2014 wurde auf YouTube ein Video hochgeladen, auf dem Sawtschenko zu sehen ist, die mit Handschellen an ein Rohr gekettet ein Interview für die Zeitung Komsomolskaja Prawda (Wahrheit der kommunistischen Jugend) gab. Dabei sagte die Pilotin, prorussische Kämpfer hätten sie im Dorf Metalist verhaftet. Von ihrer Gefangennahme existiert ein weiteres Video. Die jüngere Schwester der Pilotin, Wira, gab am 21. Juni 2014 an, sie habe versucht, mit den Rebellen über die Freilassung ihrer Schwester zu verhandeln, als diese Nadija von Lugansk nach Donezk verlegt hatten.

Da in dem zwei Jahre andauernden militärischen Konflikt um die Donbass-Region auf beiden Seiten zahlreiche Kämpfer festgenommen wurden, gehen Experten davon aus, dass nach der Urteilsverkündung Sawtschenko gegen russische Soldaten ausgetauscht wird (asie/tmich).

Fotoquelle: Ukrainische Fernsehkanal „Inter“ / Wikimedia

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