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Zar und Sultan streiten sich

Das 100 Milliarden Dollar Treffen in Ankara Ende November 2014: Putin zu Besuch beim Freund Erdoğan – Autokraten mit verkehrter Gesinnung von Gut und Böse. Damals meinte der Kremlchef: „Er ist ein Mann mit Rückgrat“Das 100 Milliarden Dollar Treffen in Ankara Ende November 2014: Putin zu Besuch beim Freund Erdoğan – Autokraten mit verkehrter Gesinnung von Gut und Böse. Damals meinte der Kremlchef: „Er ist ein Mann mit Rückgrat“Zur Zeit gibt es Streit zwischen zwei Autokraten – dem russischen Zar Wladimir Putin und dem türkischen Sultan Recep Tayyip Erdoğan – dessen Ausgang noch ungewiss ist. Der Grund dafür ist der Abschuss eines russischen Kampfjets durch die türkischen Luftwaffe am 24. November.

Ankara bringt vor, die Kampfmaschine Typs Suchoi SU-24 sei aus dem syrischen in den türkischen Luftraum geflogen und habe trotz mehrfacher Warnungen das fremde Territorium nicht verlassen. Moskau wiederum behauptet, der Bomber hat die syrische Grenze gar nicht überflogen und verlangt, dass die Türkei sich entschuldigt. Der Chef der russischen Luftwaffe, Viktor Bondarjow brachte vor, die Auswertung syrischer Flugdaten habe ergeben, dass zwei türkische F-16-Flugzeuge in der Absturzregion eine Stunde und 15 Minuten lang in der Luft waren und eine Militärmaschine 40 Sekunden lang etwa zwei Kilometer tief in syrischen Luftraum eingedrungen war. Der russischer Bomber habe den syrischen Luftraum hingegen nicht verlassen, betonte Bondarjow. Doch laut Daten westlicher Luftbehörden war die abgeschossene SU-24 zumindest einige Sekunden lang im türkischen Hoheitsgebiet.

Dementsprechend denkt Erdoğan gar nicht daran, sich zu entschuldigen. Bei einer Veranstaltung hat der Staatsoberhaupt nur sein Bedauern zu dem fatalen Vorfall ausgedrückt. Putin hatte jedoch eine Entschuldigung von "höchster militärpolitischer Stelle" verlangt, dazu noch Kompensation des verursachten Schadens und die Bestrafung derjenigen, die den Abschussbefehl gegeben haben. Er wirft Ankara vor einen Hinterhalt geplant zu haben.

Sterbliche Überreste des Piloten übergeben

Während ein Pilot des Kampfjets durch syrische und russische Elitesoldaten befreit werden konnte, ist sein Kollege getötet worden. Seine sterblichen Überreste wurden in die Türkei gebracht und den russischen Behörde übergeben, sagte der türkische Premierminister Ahmet Davutoglu.

Ein russischer Diplomat wird nun gemeinsam mit einem türkischen Vertreter in die Provinz Hatay im nordwestlichen Grenzgebiet zu Syrien reisen um dort den Leichnam zu übernehmen.

Die Spannungen zwischen der beiden Länder sind aber geblieben. Der Kremlchef weigerte sich Medienberichten zufolge den Telefonanruf seines Amtskollegen anzunehmen. Putin und Erdoğan werden morgen Weltklimakonferenz in Paris besuchen. Dort hätten sie rein theoretisch die Möglichkeit bei einem bilateralen Treffen zusammen zu kommen um die Wogen zu glätten.

Ob es zu einem Treffen zwischen der zwei Autokraten kommen wird, ist ungewiss. Kremlsprecher Dmitri Peskow goss in einem Interview noch Öl ins Feuer, als er behauptete, die Türkei habe die Beweise manipuliert. Der russische Bomber sei nicht, wie von Ankara behauptet, in den türkischen Luftraum eingedrungen, sondern die von der Türkei präsentierte Karte sei manipuliert. 

Weitreichende Sanktionen gegen Türkei 

Bis jetzt hat sich auch Putin unversöhnlich gezeigt, indem er die weitreichende Sanktionen gegen das Erdoğan-Reich verhängte. Zuerst hat Moskau den visafreien Reiseverkehr mit der Türkei zum 1. Januar 2016 einseitig aufgekündigt. Gestern hat der Kremlchef in Moskau einen Erlass über Wirtschaftssanktionen unterzeichnet. Der Ex-KGB-Chef verlangt einen detaillierte Importstopp für türkische Waren und Arbeitsverbote für türkische Unternehmen. Den Reisebüros wurde außerdem verboten, Touristen in die Urlaubsziele der Türkei zu fliegen. Die Türkei ist eines der beliebtesten Reiseziele der Russen, die nach der Verhängung von westlichen Sanktionen und dem schwachen Rubel kein Geld mehr für teure Urlaubsreisen haben. Man geht davon aus, dass ab kommenden Jahr russische Firmen einstweilig keine türkische Staatsbürger mehr einstellen dürfen. Der Erlass sieht zudem verschärfte Verkehrskontrollen vor. Konkret: Türkische Lastwagen sowie Schiffe werden an den Grenzen und in den Häfen stärker überprüft. In Moskau wird dies mit Sicherheitsbedenken begründet.

Russland installiert moderne Flugabwehrsysteme

Nach dem Abschuss des russischen Jagdbombers durch die türkische Luftwaffe will Russland hochmoderne Flugabwehrsysteme des Typs S-400 Triumf (bei NATO als SA-21 Growler registriert) auf der syrischen Luftwaffenbasis Latakia installieren. Es ist ein mobiles allwetterfähiges Langstrecken-Boden-Luft-Raketen-System zur Bekämpfung von Militärjets, Marschflugkörpern, Drohnen oder ballistische Raketen in allen Flughöhen.

Demzufolge wird jetzt auch die Kampfführung gegen die Dschiadisten des Islamischen Staats (IS) deutlich komplizierter und gefährlicher. Denn nicht nur Russland führt Luftschläge gegen den IS, sondern auch die USA gemeinsam mit Frankreich und den arabischen Alliierten. Die Türkei bombardiert im Grenzgebiet zu Syrien die kurdische Arbeiterpartei PKK. Einen Abstimmung zwischen allen Parteien, die Luftangriffe führen, gibt es aber nicht. Weil die Koordinierung fehlt, kann es schnell zu fatalen Entscheidungen kommen, wie der Abschuss des russischen Militärjets in aller Deutlichkeit gezeigt hat.

Russland will Abwehrsysteme des Typs S-300 auch an den Iran liefern. Diese Entscheidung kann bedeuten, dass Moskau über dem östlichen Mittelmeer eine Flugverbotszone für NATO-Staaten schaffen wird.

Die S-400-System Stationierung auf dem russischen Luftwaffenstützpunkt im syrischen Latakia wird zudem die Lufthochheit der israelischen Streitkräfte gefährden. Die Israelis kämpfen gegen die Hisbollah (Partei Gottes), eine schiitische Partei und Miliz im Libanon. Durch das russische Abwehrsystem hat Hisbollah deutlich mehr Aktionsfreiheit und die Israelis müssen womöglich einen bewaffneten Streit mit Moskau in Kauf nehmen, dessen Folgen unberechenbar sein dürften.

Foto: © Präsidialamt Türkei

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