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Mit kostbarem Wein unter Freunden auf Krim-Weingut Massandra

Silvio Berlusconi nimmt an der Gedenkzeremonie auf dem Hasford-Berg in Sewastopol teilSilvio Berlusconi nimmt an der Gedenkzeremonie auf dem Hasford-Berg in Sewastopol teilRusslands Präsident Wladimir Putin (62) ist ein amtierenden schwerreicher Diktator. Seinen langjährigen Freund, den ehemaligen italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi (78) darf man ebenso als Alleinherrscher bezeichnen, denn als Kabinettschef war er autoritär und nicht gerade gesetzestreu. Bunga-bunga Partys und zahlreiche unappetitliche Affären des Medienmilliardärs wurden mehr beachtet, als seine Regierungsarbeit. Bei den Gerichten sind mehrere Verfahren gegen ihn anhängig. Am 1. August 2013 wurde Berlusconi wegen Steuerbetrugs rechtskräftig verurteilt und als Folge dessen mit einer zweijährigen Untersagung der Besetzung öffentlicher Ämter belegt.

Der Italiener, der vor der Ankunft auf der im Frühling 2014 von Russland okkupierten Schwarzmeer-Halbinsel Krim bereits zwei Tage im russischen Olympiastadt Sotschi, ebenso am Schwarzen Meer, verbracht hatte, nahm an einer Gedenkzeremonie auf dem Hasford-Berg in Sewastopol zu Ehren der 1853 bis 1856 im Krim-Krieg gefallenen Soldaten teil. Damals kam neben Frankreich und Großbritannien auch das Königreich Sardinien dem Osmanischen Reich gegen Russland zu Hilfe.

Putin und Berlusconi hatten sich zuletzt im Juni bei einem gemeinsamen Wochenende im Altai-Gebirge (mittelasiatisches Hochgebirge im Grenzgebiet von Kasachstan, Russland, der Mongolei und China) getroffen. Als der Kremlchef, ebenso im Juni, in Rom war, versicherte der verurteilte Politiker, dass seine Oppositionspartei Forza Italia sich gegen die westlichen Russland-Sanktionen einsetzen werde.

Auf der Krim besuchten die Getreuen noch das Jagdschloss und Weingut von Massandra, den Liwadia Palast und machten einen Spaziergang auf der berühmten Promenade, wo sie sich mit Urlaubern unterhielten und sich mit Mitgliedern der italienischen Gemeinde Cerchio in einem der Cafés an der Meeresküste trafen. Dort kam nach Angaben des Kreml die Rehabilitation der unterdrückten Völker auf der Krim, genauer gesagt, der Italiener, die in dieser Region lebten und unrechtmäßig ausgewiesen wurden. Man darf davon ausgehen, dass Berlusconi, der sich auf einem privaten Besuch auf dem annektieren Territorium befand, seinen Busenfreund Putin in diesem Frage positiv beeinflussen konnte.

Bei dem Besuch des weltberühmten Weinguts von Massandra mit zahlreichen kostbaren Raritäten hatten Putin und sein italienischer Kamerad eine Flasche Wein aus dem Jahr 1775 geprüft und als Berlusconi die frisch eingestellte Direktorin Janina Pawlenko gebeten hatte, den 240 Jahren alten edlen Tropfen – Kostenpunkt rund 100.000 Euro, probieren zu dürfen, wurde diese Bitte nicht abgeschlagen.

Jetzt will die ukrainische Staatsanwaltschaft gegen die Massandra-Chefin Anklage wegen Unterschlagung erheben. Sie wird schon auch ohne den Vorfall im Weinkeller wegen Verrats gesucht. Ob tatsächlich der Wein aus der bestaubten Flasche getrunken wurde, ist nicht bekannt. Pawlenko gab dazu keine Auskunft. Die Angelegenheit hat jedoch einen Hacken – die ukrainische Behörde hat auf die okkupierte Krim keinen Zugriff mehr. Doch Kiew kann Berlusconi mit einem Einreiseverbot in die Ukraine beschenken.

Info:

Die Krim ist eine Halbinsel im nördlichen Schwarzen Meer mit bewegender Geschichte. Sie war nach 1946 acht Jahre lang zunächst eine Oblast (Bezirk) innerhalb der Russischen Sozialistischen Föderativen Sowjetrepublik. Nach dem Nikita Chruschtschow nach dem Tod von Jossif Stalin die Führung der Sowjetunion übernommen hat, wurde die Krim 1954 der Ukraine, damals Sozialistische Sowjetrepublik, angegliedert. Anlass war das 300-jährige Jubiläum des Vertrags von Perejaslaw von 1654, in dessen Rahmen sich der von Polen unterdrückte ukrainische Kosakenstaat dem Schutz des russischen Zaren unterstellt hatte. Chruschtschow stammte zwar aus einer russischen Bauernfamilie, arbeitete jedoch vor seiner Ernennung zum Partei- und Regierungschef in der sozialistischen Ukraine. Nach der Zerfall der UdSSR erklärte sich die Ukrainische Sowjetrepublik am 24. August 1991 in den bestehenden Grenzen, also einschließlich der Krim, für unabhängig. Beim folgenden Referendum über die staatliche Unabhängigkeit der Ukraine im Dezember 1991 stimmten 54 Prozent der Wähler in der Autonomen Sozialistischen Sowjetrepublik der Krim mit „Ja“. Doch Kiew konnte die Herrschaft über die Krim nur mühsam durchsetzen. Lediglich mit erheblichem politischem Druck konnte ein Referendum über die Unabhängigkeit der Krim verhindert werden. Als Kompromiss wurde 1992 das Gebiet zur Autonomen Republik Krim innerhalb des ukrainischen Staates erklärt. Sie erhielt Hoheitsrechte in Finanzen, Verwaltung und Recht. In der Verfassung der Autonomen Republik Krim von 1998 sind Ukrainisch, Russisch und Krimtatarisch als Sprachen festgelegt.

Im „Budapester Memorandum“ 1994 verpflichteten sich, als Gegenleistung für einen Nuklearwaffenverzicht, Russland, Großbritannien und die Vereinigten Staaten in drei getrennten Erklärungen jeweils gegenüber der Ukraine, Kasachstan und Weißrussland die Souveränität und die bestehenden Grenzen der Länder (Art. 1) sowie deren politische und wirtschaftliche Unabhängigkeit zu achten (Art. 2 f.) und im Falle eines nuklearen Angriffs auf die Länder unmittelbar Maßnahmen des UN-Sicherheitsrates zu veranlassen (Art. 4). Doch dies verhinderte nicht den Streit mit der Russischen Föderation über ihre Schwarzmeerflotte und ihrem Heimathafen Sewastopol. Nach der politischen Unsicherheit in der Ukraine im Zuge des Kiewer Demokratiebewegung Euromaidan kam es im Februar 2014 zum Wiederaufleben separatistischer Bestrebungen, die zuletzt dann zur Okkupation der Krim durch Russland führten.

Jalta liegt an der Südküste der Halbinsel Krim im Schwarzen Meer. Der Lage südlich des Krimgebirges verdankt Jalta sein mildes Klima. Dank der günstigen geographischen Lage hat sich der Kurort zu einem geschätzten Ziel, auch für westlichen Touristen, schon während der Zeit der Sowjetunion entwickelt. International bekannt wurde Jalta durch die Konferenz, auf der vom 4. bis 11. Februar 1945 über das Schicksal des Nazi-Deutschlandberaten und entschieden wurde. Seit 2004 findet jährlich im September das Yalta-Treffen statt.

Auf dem weltbekannten Weingut Massandra bei Jalta werden auf rund 2500 Hektar Rebfläche schwere, liebliche süßliche Weine geerntet. Die legendäre Weinkellerei wurde 1894 für den Zweck erbaut, die Sommerresidenz Liwadia des damaligen und letzten russischen Zaren Nikolaus II. (1868-1918) mit edlen Tropfen und Krimsekt zu versorgen. Nachdem der Krimsekt auf der Expo in Paris 1900 mit dem Grand Prix ausgezeichnet worden war, erlangte er internationale Popularität. Auch während der Sowjetunion waren die Massandra-Weine und -Sekte heiß begeehrt. Für die Touristen war Massandra-Besuch fast ein Muss. Massandra wird seit 1961 von der längsten Trolleybus-Linie der Welt bedient. Sie verkehrt zwischen dem Krim-Hauptstadt Simferopol, Aluschta und Jalta.

Das Grundstück des Jagdschloss von Massandra wurde 1783 von der Tochter des polnischen Adligen Lew Potocki erworben, welche dann mit der Anlage eines insgesamt 80 Hektar großen Parks und eines Palastes begann. Später erwarb der Generalgouverneur von Neurussland das Anwesen und nach seinem Tod ging es in den Besitz von russischen Zar Alexander III. über. Dieser ließ den Massandra Palast - im französischen Stil des 17. Jahrhunderts errichten. In der Sowjetzeit wurde das Prachtbau als streng bewachte Sommerresidenz für Nomenklatura des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Sowjetunion verwendet, unter anderem verbrachte der blutige Diktator Jossif Stalin hier seine Sommerferien. Nach der Zerfall des sozialistischen Riesenreichs ist das Schloss für die Touristen eröffnet.

Das Gut Massandra gehörte vor der Annexion des Krim der Ukraine. Nachdem Russland mit dem Waffengewalt auf der Halbinsel das politische Kommando übernommen hat, wurde die Kellerei verstaatlicht.

Der Liwadia-Palast liegt in der gleichnamigen Siedlung, einem Vorort von Jalta. Sie war die Sommerresidenz des letzten russischen Zaren Nikolaus II., der das Prachtbau 1910 anstelle eines früher stehende Gebäudes erbaut hatte. Nach seiner Abdankung 1917 hatte er vergebens darum gebeten, sich als Privatmann nach Liwadia zurückziehen zu dürfen. Schon 1861 war die frühere Villa das Urlaubsort der kaiserlichen Familie und des Vorgängers von Nikolaus II., Alexander II. der nach dreizehn Jahren Regentschaft 1894 hier auch starb. Von 1931 bis 1941 wurde in der Palastanlage ein Sanatorium für Bauern betrieben. 1941 bis 1944 war Liwadia im Zweiten Weltkrieg von der deutschen Wehrmacht besetzt. Während des Krieges wurde das Gebäudeensemble stark in Mitleidenschaft gezogen, aber nach Kriegsende wieder aufgebaut und weiterhin als Heilstätte benutzt. Aufgrund eines offiziellen Staatsbesuchs des damaligen USA-Präsidenten Richard Nixon 1974 in der Sowjetunion wurde im Hauptgebäude ein Museum eingerichtet. Das Erdgeschoss ist dabei der Konferenz von Jalta gewidmet. Die obere Etage konnte nach dem Zerfall der Sowjetunion mit den ursprünglichen Zarengemächern wieder eröffnet werden.

Fotoquelle: Kreml/Presseamt

 

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