Das Baltikum-Blatt

Panorama

Indischer Glanz in Karlsruhe

Veröffentlicht: 20. Juli 2017

Oberbürgermeister von Karlsruhe Dr. Frank Mentrup (rechts) im Gespräch mit dem indischen Generalkonsul Sugandh RajaramOberbürgermeister von Karlsruhe Dr. Frank Mentrup (rechts) im Gespräch mit dem indischen Generalkonsul Sugandh RajaramUnter dem Motto „Baden-Württemberg trifft Maharashtra“ präsentierte sich am 15. und 16. Juli ein Stück Indien mitten in Karlsruhe. Rund 12.000 Besucher erlebten in der Günther-Klotz-Anlage die parallel zur „Vor-Fest“ erstmals stattfindenden India Summer Days. Ab 21. Juli findet dann die Kultveranstaltung „Das Fest“ statt - Das Baltikum-Blatt berichtete

„Auch wir als Veranstalter sind von dieser riesigen Resonanz überwältigt“, zeigte sich Martin Wacker, Geschäftsführer der Karlsruhe Event GmbH, von den Indien-Tagen als Zuschauermagnet zufrieden. „Wir wollten den Bürgerinnen und Bürgern Indien und seine Kultur näherbringen – die Begeisterung der Besucher hat das bestätigt“, so Wacker weiter. Der Eventchef und sein Team bekamen bei der Eröffnungszeremonie viele lobende Worte für ihr Engagement.

Neben einem indischen Basar präsentierten zahlreiche Aussteller die große Vielfalt der indischen Kultur und Tradition auf authentische Art und Weise. Im Fokus stand dabei Maharashtra aus dem Herzen Indiens, die Partnerregion des Landes Baden-Württemberg, mit der auch Karlsruhe seit Jahren verbunden ist. Maharashtra mit einer Fläche von 307.762 Quadratkilometern und über 112 Millionen Einwohnern ist ein indischer Bundesstaat mit der Hauptstadt Mumbai. Karlsruhe hält zudem freundschaftliche Beziehungen zu der Stadt Pune. „Oxford of the East“ ist ein großes Industriezentrum für Autobau, Leichtindustrie, Softwareentwicklung und Maschinenbau sowie kultureller Mittelpunkt der Region mit Universität, Theater, Kinos und Museen.

„Wir haben seit Jahren eine hervorragende Partnerschaft zwischen Karlsruhe und Pune, dies gilt es nun voranzutreiben“, zeigte sich der indische Generalkonsul Sugandh Rajaram bereits bei der offiziellen Eröffnung der India Summer Days zufrieden. „Hierzu ist ein solches Festival die ideale Gelegenheit. Gratulation an Karlsruhe zu dieser Idee!“, so Rajaram weiter.

An beiden Tagen präsentierten sich in Karlsruhe neben Tänzerinnen und Tänzern in indischer Farbenpracht auch zahlreiche Künstler, Musiker und Experten für Yoga und Ayurveda. Das Gesundheitszentrum Avedes unter der Leitung des Kalaripayattu- und Yoga-Meisters Nishanth V. Kunnu stellte auf der Veranstaltung in Deutschland die kaum bekannte Kalaripayattu (kurz Kalari) vor. Es ist dies die als Mutter aller Kampfkünste geltende traditionelle Kampf- und Heilkunst Südindiens. Mit ihren Tierposen, Kicks und fließenden Formen basiert Kalari auf denselben Wurzeln wie Yoga und ist laut Kunnu eine hervorragende Methode, Körper und Geist auszubilden, um psychische, physische und mentale Stärke zu erreichen. „Wer die Kunst der Kalari beherrscht, ist nicht nur Krieger, sondern auch Heiler und kann mit seinen heilenden Kräften auch Anderen helfen,“ versicherte der 29-jährige Inder.

Zusätzlich zum umfangreichen Bühnenprogramm durften sich die Besucherinnen und Besucher die Kunst des Yoga selber in Workshops näherbringen lassen und durch international erfahrene und renommierte Lehrer auch mehr über die Geheimnisse von Ayurveda (Wissen vom Leben) erfahren. Ayurveda ist eine traditionelle indische Heilkunst, die bis heute viele Anwender in Indien, Nepal und Sri Lanka hat.Indische Trachtengruppe

Neben dem Bollywood Masala Orchestra waren sicherlich das DJ Elektro-Sound Drum Duo Maultec X Probeat sowie Sandeep Satyanarayana die Highlights der ersten India Summer Days. Auch Dr. Frank Mentrup, Oberbürgermeister der Stadt Karlsruhe und gleichzeitig Vorsitzender des India Boards Karlsruhe, zeigte sich von diesem neuen Format angetan: „Mit der Veranstaltung schaffen wir es nun auch - nach den bislang guten wirtschaftlichen Beziehungen zu Indien - den Bürgerinnen und Bürgern das Land und seine Kultur näherzubringen. Zudem sind die India Summer Days neben „Das Fest“ und dem „Vor-Fest“ ein weiteres tolles Format im Kulturkalender Karlsruhes“.

Frauenrechte missachtet

Trotz des großartigen kulturellen Angebotes und bezaubernder Kleider der Frauen sollte man indes nicht vergessen, dass in Indien, das zu ältesten Demokratien der Welt zählt, Frauen und Mädchen immer noch benachteiligt werden. Misshandlung, Abtreibung weiblicher Föten, Entführungen und Vergewaltigungen sind keine Einzelfälle, sondern ein Massenphänomen. Die Gruppenvergewaltigung einer jungen Studentin am 16. Dezember 2012 in Delhi erschütterte die ganze Welt. Laut einer G-20-Studie von 2012 ist Indien das frauenfeindlichste Land unter den 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländern, trotz der gesetzlichen Gleichstellung von Männern und Frauen. Es wäre wünschenswert, wenn bei zukünftigen Begegnungen auch dieses Thema auf der Tagesordnung stünde. (asie/tmich/Veranstalter/Wikipedia)

Info:

Indien mit einer Flächengröße von 3.287.469 Quadratkilometer ist eine Bundesrepublik, die von 29 Bundesstaaten gebildet wird sowie sieben bundesunmittelbare Gebiete umfasst. Der multiethnische Staat ist mit über 1,3 Milliarden Einwohnern (Stand 2016) nach der Volksrepublik China (fast 1,4 Milliarden) das zweitbevölkerungsreichste Land der Erde und und somit die bevölkerungsreichste Demokratie der Welt. Hauptstadt ist Neu-Dehli.

Fotos: © Das Baltikum-Blatt / AWSiebert