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Estland: Mutmaßlicher Mörder des „Paten“ gefasst

 

Estnisches Polizeifahrzeug - SymbolbildDie Polizei hat in der vergangenen Woche den mutmaßlichen Mörder der Unterweltgröße Nikolai Tarankow festgenommen. Ein Gericht im Landkreis Harju hat dem Antrag des Staatsanwaltes stattgegeben und für den Beschuldigten Untersuchungshaft angeordnet. Der Mann war dem Chef der Abteilung Organisierte Kriminalität, Rene Kanniste, zufolge noch kurz vor der Beisetzung des Paten am 22. September gefasst worden. Weitere Einzelheiten hat die Behörde nicht veröffentlicht.

Am 14. September wurde bekannt, dass der 63-Jährige im Landkreis Läänemaa im Dorf Saunja, unweit von Haapsalu, ermordet worden war. Sein Leichnam wurde mit Kopfverletzungen gegen 14 Uhr in einem Wagen gefunden, der in einem abgelegenen Waldstück geparkt war.

Medienberichten zufolge wurde Tarankow in Weißrussland geboren. Nach Estland kam er 1973 nach seinem Militärdienst in der Roten Armee. Tarankow begann eine Ausbildung in der Seeschule der Kurstadt Pärnu (deutsch Pernau) an der Westküste. Offenbar führte er seinen Beruf aber nie aus. Es ist nicht bekannt, wie aus dem sportlichen Mann ein Chef der Unterwelt wurde. Die kriminelle Karriere des Weißrussen hatte vermutlich noch während der Sowjetära begonnen. Die Geheimdienstler berichteten damals über einen Sportler namens Tarankow im kriminellen Milieu.

Der Ermordete war in Estland als „höflicher Pate“ bekannt. Er konsumierte weder Alkohol noch Rauschmittel. Statt in Nachtclubs zu bummeln, boxte er lieber. Der Gesetzesbrecher leitete die sogenannte „Gemeinschaftskasse“, eine Art Bank, der Mitglieder aller Unterweltgruppierungen angehören. Dadurch kontrollierte er fast das gesamte kriminelle Umfeld in Estland. Tarankow hatte sorgfältig ausgewählte Vertrauenspersonen, einflussreiche Gruppenchefs, um sich gesammelt, mit denen er wichtige Entscheidungen traf. Das System lief so: Wenn jemand eine illegale Operation plante, musste dies mit der „Bank“ abgesprochen werden. Auch Rauschgiftdealer, Bordellbesitzer oder illegale Verkäufer von Alkohol oder Zigaretten mussten in die „Gemeinschaftskasse“ einzahlen. Wer sich dieser Ordnung nicht fügte, wurde bestraft oder verschwand einfach.

Obwohl der Einfluss der „Bank“ in den letzten Jahren deutlich abgenommen hatte, lebte der Pate, der bei den schweren Jungs gänzliches Vertrauen genoss, in seiner Wohnung im mondänen Tallinner Stadtteil Kadriorg (deutsch Katharinental) auf der Poska-Straße unweit des Zentrums gut. Man sah ihn ab und zu Fußball spielen oder in dem populären Restaurant „Sambuka“ im russischsprachigen Stadtbezirk Lasnamäe tafeln. Er fuhr einen schwarzen Jeep von Mercedes.

Trotz seines durchaus öffentlich bekannten kriminellen Hintergrundes kam der Bandenchef nur einmal mit der Justiz in Konflikt. Er wurde verdächtigt, mit der Ermordung des Juweliers Genrih Akopjan 1993 in Verbindung zu stehen. Nach sechs Monaten Untersuchungshaft kam Tarankow jedoch wieder frei.

Zusammenfassung: Aino Siebert, Bearbeitung: Thomas Michael. Quellen: Delfi, Eesti Ekspress

Symbolfoto: Das Baltikum-Blatt / AWSiebert

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