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Estland: Mutmaßlicher Mörder von Darja gefasst

 

Weiße Rosen SymbolbildWeiße Rosen SymbolbildAm Montag 19. September gaben Staatsanwaltschaft und Kriminalpolizei eine gemeinsame Pressekonferenz, auf der die Ermittlungsergebnisse im Mordfall Darja erläutert wurden.

Die 14-jährige Gymnasiastin aus der nordostestnischen Stadt Narva an der Grenze zu Russland war am 4. Dezember 2015 als vermisst gemeldet worden. Ihre sterblichen Überreste wurden fünf Tage später in einem abgelegenen Gebüsch im Stadtteil Pähkliküla gefunden - Das Baltikum-Blatt berichtete. Wie das Mädchen ums Leben kam, oder warum sie in diese einsame Gegend gegangen war, war lange Zeit unklar.

Staatsanwalt Margus Gross und Kriminalchef Tarvo Kruup erklärten, dass zwei Männer, beide 1997 geboren, nun festgenommen wurden. Einer der Verhafteten wird verdächtigt, Darja getötet zu haben. Sein Gefährte soll die Straftat verschleiert haben. Das Opfer und die beiden Beschuldigten kannten sich. Bei der Tat waren weder Alkohol noch Rauschgift im Spiel.

Festgenommene polizeibekannt

Beide Festgenommenen sind seit zwei Jahren polizeibekannt. Die Tageszeitung Eesti Päevaleht veröffentlichte nun auch die Namen der Tatverdächtigen: Darja wurde mutmaßlich von dem 19-jährigen russischen Staatsbürger Toomas Semykin umgebracht. Sein Mittäter soll der gleichaltrige staatenlose Russe Alexei Botschtarjow sein. Die Staatsanwaltschaft hat die Personalien nicht bestätigt. Beide junge Männer haben einen Grundschulabschluss, das heißt, sie sind neun Jahre zur Schule gegangen.

Am 14. Januar, rund ein Monat nach der Ermordung Darjas, standen beide Jugendliche vor Gericht. Das Landgericht Viru verurteilte Semykin wegen eines Gruppenraubes und Misshandlung zu zwei Jahren Gefängnis. Das Urteil wurde in eine Bewährungsstrafe umwandelt mit der Bedingung, dass der Verurteilte binnen zweieinhalb Jahren keine weitere Straftaten begeht. Als Bewährungsauflagen bestimmte das Strafgericht, dass Semykin sich regelmäßig bei seinem Bewährungshelfer meldet, er darf keinen Alkohol trinken und Estland ohne Gerichtserlaubnis nicht verlassen.

Auch Botschtarjow war vorbestraft, seine Strafe wegen Misshandlungen wurde ebenfalls 2014 auf Bewährung ausgesetzt. Zudem musste er 158 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. Seine Bewährungsauflagen waren die gleichen wie für Semykin. Er blieb auf freiem Fuß, durfte aber seinen Wohnsitz nicht verlassen.

Das Duo dachte offensichtlich nicht daran, seine Bewährungsauflagen zu erfüllen. Denn schon am 26. Februar stand Semykin erneut, diesmal mit anderen, zum Teil minderjährigen, Angeklagten vor Gericht. Wieder lautete die Anklage: Gruppenraub. Doch diesmal hat die Clique beim Überfall eine Waffe benutzt. Die neue Strafe wurde der alten angerechnet, jetzt standen zwei Jahre und neun Monate Gefängnis auf dem Strafkonto. Doch der Richter zeigte Milde, der Russe musste nicht in Haft, sondern seine Bewährungszeit wurde auf drei Jahre verlängert.

Bewährungsauflagen missachtet

Am 21. März stellte der Bewährungshelfer den Antrag, Semykin zu verhaften. Der Verurteilte hatte seine Auflagen nicht erfüllt, nur eineinhalb Wochen nach der letzten Urteilsverkündung ist er, ohne jemanden zu informieren, nach Finnland gereist. Auch die Mutter hatte zu ihrem Sohn keinen Kontakt. Der Untergetauchte wurde zur Fahndung ausgeschrieben, er wurde am 9. April in Finnland verhaftet. Semykin verteidigte sich mit der Behauptung, seine Freundin sei schwanger, er sei auf Arbeitssuche. Das Gericht glaubte ihm nicht mehr und sperrte den jungen Mann ein.

Botschtarjows Schicksal ähnelt dem seines Kumpels. Auch er erfüllte seine Bewährungsauflagen nicht und machte sich auf den Weg nach Finnland. Angeblich wollte er dort arbeiten, obwohl er in Estland keine Lust auf gemeinnützige Arbeit hatte. Er hatte keine der ihm vom Gericht verordneten Stunden abgeleistet. Zudem wurde er von eine Polizeistreife betrunken erwischt.

Keine einfachen Ermittlungen

Die Ermittlungen zu dem Mordfall waren den Behördenvertretern zufolge nicht einfach, da am Körper der Toten keine sichtbaren Spuren mehr zu finden waren. Die Kriminalisten mussten eine Reihe komplexer kriminaltechnischer Untersuchungen (KTU) durchführen, teils im Ausland. Darüber hinaus wurden Menschen aus Darjas Umfeld verhört oder überprüft sowie Daten wie Telefonverbindungen und Videoaufnahmen validiert.

Wie oben geschildert, waren die mutmaßlichen Täter schon bald nach der Tat festgenommen und auch verdächtigt worden, etwas mit Darjas Tod zu tun zu haben. Doch die Beweise reichten damals noch nicht aus, um einen Mord zu belegen. Die endgültigen Expertiseergebnisse der KTU liegen erst seit kurzem vor. Die Schwierigkeit lag darin, dass Darja im vergangenen Dezember fünf Tage lang in freier Natur lag, weshalb der Schnee viele wichtige Spuren verwischt hatte. Ihre Leiche zeigte keine Anzeichen eines gewaltsamen Todes. Nun wissen die Ermittler, dass Darja erstickt war.

Dazu, ob die Festgenommen ein Geständnis abgelegt haben, wollten die Beamten keine Auskunft geben. Nur so viel ist sicher – Darja war freiwillig mit den Männern mitgegangen. Eine Anklageschrift ist in Bearbeitung und wird binnen eines Monates dem Gericht übergeben. (Aino Siebert, Bearbeitung Thomas Michael, Quellen: Polizei, Delfi, Eesti Päevaleht)

Symbolfoto: © Das Baltikum-Blatt / AWSiebert

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