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Neues Abtreibungsgesetz in Litauen kriminalisiert die Frauen

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Aino SiebertAino SiebertVon Aino Siebert

Das litauische Parlament (Seimas) hat am 28. Mai ein von der Fraktion „Wahlaktion der Polen in Litauen“ vorgeschlagenes Gesetz für ein weitgehendes Verbot von Abtreibungen auf den Weg gebracht. Wenn der neue Erlass denn Rechtskraft erlangen sollte, werden Schwangerschaftsabbrüche nur im Falle einer Vergewaltigung erlaubt sein oder wenn ein medizinisches Risiko für die Mutter besteht oder Inzest vorliegt.

Bisher sind in Litauen Abtreibungen in den ersten zwölf Schwangerschaftswochen ohne Einschränkungen zulässig. Das Gesetz stammt noch aus der Sowjetzeit. Im Herbst soll der Seimas bindend über die neue Bestimmung entscheiden.

Laut Statistik kamen in Litauen auf 100 Geburten zuletzt 21,5 Abtreibungen. Die Parlamentarier sind der Ansicht, dass sie mit der Untersagung der Schwangerschaftsabbrüche den anhaltenden Geburtenrückgang bremsen können. Die Geburtenrate liegt in Litauen bei 1,28 Kindern pro Frau. Damit der Bevölkerungsstand gehalten werden kann, müssten 2,1 Nachkommen entbunden werden. Bei stabil geringer Geburtenrate wird sich die Bevölkerung des Landes innerhalb von 50 Jahren halbieren.

Vor allem machen die Kirchenvertreter in Litauen Stimmung gegen Schwangerschaftsunterbrechungen. Am 1. Juni fand in Vilnius der dritte Demonstration „Für das Leben“ statt. Aufmarsch wurde unterstützt von katholischen, orthodoxen und protestantischen Kirche. Etwa 80 Prozent der Litauer bekennen sich zu katholischen Glauben.

Statt solider Familienpolitik werden Frauen kriminalisiert
Zugestanden, die Zahl der Abtreibungen in Litauen ist hoch und die Zahl der Geburten deutlich zu niedrig. Außerdem, Schwangerschaftsabbrüche sollte man nicht schönfärben, denn jede Abtreibung tötet einen angehenden Menschen und ist zudem für eine Frau eine große psychische und physische Belastung.

Dennoch müssen litauische Politiker und Sozialwissenschaftler sich fragen, warum werden Frauen ungewollt schwanger und bevorzugen Abtreibungen vor Verhütungsmitteln? Sind sie nicht ausreichend über Verhütungsmöglichkeiten informiert oder haben sie keine finanzielle Mittel um sich eine Vorbeugung gegen eine ungewollte Schwangerschaft zu leisten? Oder werden sie von der (katholischen) Kirchendogmen, die jegliche Verhütungsmittel, darunter auch Kondome ablehnt, so beeinflusst, dass sie dann eine Abtreibung letztlich als die letzte Möglichkeit sehen, um die nicht gewünschte Schwangerschaft zu beenden.

Mit einem Abtreibungsverbot löst man keine Probleme. Im Gegenteil, man kriminalisiert die Frauen. Wie schon aus der Vergangenheit bekannt, werden die Frauen, die sich finanziell das leisten können, zum Abtreiben ins Ausland reisen und die Schwangere, die kein Geld haben, werden sich von illegalen Abtreibungspfuscher versorgen lassen und ihr Leben damit ins Spiel setzen.

Gegen geringe Geburtsraten kann man nur mit einem soliden Familienpolitik kämpfen. Bietet ein Staat den Familien finanzielle Unterstützung, gute Kinderpflege- und Ausbildungsstätten und professionelle Hilfe bei Erziehungsproblemen an, sind die Familien  freiwillig bereit mehr Kinder zur Welt zu bringen - trotz Verhütungsmöglichkeiten.

Wenn eine Frau ungewollt schwanger wird, sollte die Politik sie unterstützen und nicht verurteilen. Das Körper der Schwangeren gehört nicht dem Staat oder der Kirche, sondern der Frau selbst. Nur sie alleine kennt ihre psychischen Grenzen und kann entscheiden, ob sie fähig ist, ein Kind zu gebären und groß zu ziehen. Wenn staatliche und familiäre Unterstützung vorhanden ist, fällt den Schwangeren die pro Kind-Entscheidung leichter. Die Entscheidung über eine Schwangerschaft kann aber nur Frau selbst mit ihrem Partner, nicht der Staat oder die Kirche, treffen.

Das reale Leben hat uns gelehrt, dass ungewollte Kinder von Müttern oft getötet oder ausgesetzt werden. Viele Familien, in die (ungewollte) Sprösslinge geboren werden, sind zuletzt häufig nicht fähig emotional und finanziell um sie zu kümmern. Die Nachkommen sind oft psychischer und körperlicher Gewalt ausgesetzt. Die Kinder „landen“ dann in Kinderheimen und Pflegefamilien oder werden zu Adoption frei gegeben. Eine Tragödie, vor allem für die Kinder.

So sollten auch litauische Politiker genau überlegen, welche Folgen geplante Abtreibungsverbot für die Frauen und ihre aufgezwungene Kinder haben wird.

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