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Lektüre mit „gesträubtem Gefieder“

 

Maarja Krango: Kind aus Glas, BuchcoverMaarja Krango: Kind aus GlasVon Ülo Salm, Berlin

Am 3. Juni wurde in der estnischen Botschaft wieder einmal ein Buch aus Estland vorgestellt. Dem Kommode Verlag in Zürich ist es zu danken, dass er immer wieder Bücher estnischer Schriftsteller präsentiert, die vom hervorragenden Übersetzer Cornelius Hasselblatt ins Deutsche übertragen werden.

Dieses Mal war es das autobiografische Werk der estnischen Autorin Maarja Kangro, betitelt „Kind aus Glas“. Ein Buch, das sich für sehr sensible Ästheten als Horrorlektüre erweist. Es geht darum, dass die Erzählerin nach mehreren erfolglosen Versuchen, schwanger zu werden, zuletzt durch künstliche Befruchtung, endlich das ersehnte Ziel, ein Baby zu bekommen, erreicht zu haben scheint. Jedoch stellt sich tragischer Weise heraus, dass der Fötus nicht lebensfähig sein würde. Es fehlt gänzlich der Schädelknochen.

Geschildert wird der Weg von der Feststellung der vermeintlich erfolgreichen Schwangerschaft bis zum allerletzten Schritt, nämlich der Entfernung der Plazentareste. Dieser Weg wird schonungslos in allen Details geschildert, vom Medizinischen bis zu den enormen körperlichen und psychischen Belastungen. Frust, Angst, Verzweiflung und Aggression finden in den Schilderungen ihren ungehemmten Ausdruck, wobei sich die Autorin keinerlei Zurückhaltung auferlegt und auch keine Scheu davor hat, sich einer drastischen Vulgär- und Fäkalsprache zu bedienen. Das gibt ihren Schilderungen zwar nicht mehr Authentizität, ist aber menschlich nachvollziehbar.

Zu Beginn der Lektüre irritieren den Leser ein wenig die Rückblenden, sodass man hin und wieder vor- und zurückblättern muss, um den Faden der Geschichte nicht zu verlieren. Wirklich störend ist es aber nicht.

Alles in allem haben wir hier ein Buch, dessen Schilderungen erschreckend, fast brutal und absolut nicht geeignet sind, „friendly feelings“ hervorzurufen – im Gegenteil. Wer darauf verzichten kann und keine Scheu davor hat, in eine Gefühlswelt voller Horror und Leiden einzutauchen, sollte das Werk lesen.

216 Seiten, 20 €, ISBN 978-3-052952469524626-8-3

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