Ad-Test
Google+
Diese Website selbst verwendet Cookies nur zur Funktionaltät. Die Cookies der
Werbepartner können werberelevante Informationen sammeln und weiterleiten.


Wir trauern um Elle Puusaag

Elle PuusaagElle PuusaagNach kurzer schwerer Krankheit ist Elle Puusaag, die langjährige Chefredakteurin der in Kanada erscheinenden estnischsprachigen Zeitung „Eesti Elu“ (Estonian Life), in Toronto verstorben. Auch unsere Redaktion pflegte enge und herzliche Kontakte zu ihr.

Elle Raid kam nach dem Zweiten Weltkrieg – Estland war damals schon von der Sowjetunion besetzt – als erstes Kind von Aari und Kaljo Raid am 27. Juni 1945 zur Welt. Ihr Vater war Pastor, ein Beruf, der von der atheistischen Besatzungsmacht nicht geachtet wurde. Ein Jahr später bekam die kleine Elle eine Schwester, die auf den Namen Merike getauft wurde.

Obwohl Estland damals mit vielen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte, wuchs Elle in einem herzlichen und liebevollen Elternhaus auf. Von Klein an liebte sie Musik und war eine gute und fleißige Schülerin.

Ihr Glaube an Gott und das Elternhaus haben maßgeblich ihr Weltbild geprägt und geholfen, den richtigen Lebensweg einzuschlagen. Elle Raid war sehr sprachbegabt; auf einem Englisch-Wettbewerb hat die Schülerin eine Silbermedaille gewonnen. Als praktizierende Gläubige musste sie allerdings damit rechnen, keinen Studienplatz zu bekommen. Ihre erste Stelle war bei einem Notariat. Und obwohl die Sowjetmacht immer versuchte, Regimekritikern ein Studium unmöglich zu machen, kam jetzt der Arbeitgeber zu Hilfe. Die Christin wurde in die Rechtswissenschaftsfakultät der Universität Tartu (Dorpat) aufgenommen. Das Diplom wurde ihr aber verweigert. Kurz vor dem Abschluss lernte die junge Frau den an der Tallinner Technischen Universität immatrikulierten Elektroingenieursstudenten Jüri Puusaag kennen. Das Paar heiratete am 1. Juni 1968. Ihr Sohn Koit kam 1971 zur Welt, die Tochter Kaire zwei Jahre später. Seit 1978 betreuten die Eheleute die älteste Baptistengemeinde Estlands in Tallinn. Elle Puusaag hat daneben noch als Juristin in einer Möbelfabrik und in der Agentur für Autorenrechte gearbeitet. Zuletzt war sie als Röntgentechnikerin in einem Krankenhaus tätig.

Als der Freiheitswind auch Estland erreicht hatte, kam 1989 aus der estnischen Baptistengemeinde in Toronto die Einladung, nach Kanada zu übersiedeln. Auch in der neuen Heimat blieb die emsige und lebenslustige Frau nicht untätig. Sie bekam eine Stelle bei der Zeitung Vaba Eestlane (Freier Este), die später mit anderen estnischsprachigen Blättern in Kanada fusionierte. Eesti Elu war geboren, und Elle Puusaag wurde zur neuen Chefredakteurin der Wochenzeitung ernannt.

Elle Puusaag begegnete den Menschen immer ruhig und freundlich. Sie nahm sich Zeit, ihr Gegenüber zu verstehen oder ihm zu helfen, Konflikte zu lösen, zu erklären, warum das eine oder andere Thema weiterhin ein Tabu bleiben sollte. Sie versuchte den Esten, die während des Krieges vor den Kommunisten geflüchtet waren und in Kanada Schutz bekommen hatten, die Alltagsnachrichten in einfacherer Sprache zu übermitteln. Damals gab es noch kein Internet, die Grenzen waren zu, und dementsprechend hatte sich die Muttersprache der Immigranten nicht weiter entwickelt. Viele neue Ausdrücke aus der Sowjetära waren den Exilesten und ihren Nachkommen fremd.

Obwohl Elle Puusaag vor sieben Jahren in den Ruhestand gegangen war, blieb sie im Hintergrund der Zeitung und auch uns erhalten. Sie mischte sich nie ein, war aber da, wenn man sie gebraucht hat. Wir werden Elle Puusaag vermissen!

Wir lassen uns leiten von Jean de la Fontaine: Ein guter, edler Mensch, der mit uns gelebt hat, kann uns nicht genommen werden. Er lässt eine leuchtende Spur zurück, gleich jenen erloschenen Sternen, deren Bild noch nach Jahrhunderten die Erdbewohner sehen. (Aino Siebert)

Foto: Eesti Elu

Folgen Sie uns auch auf Facebook und Twitter ,um immer auf dem Laufenden über Nachrichten aus aller Welt zu bleiben.