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WDR/ARD: Neuer Missbrauchsfall im Bistum Hildesheim

Veröffentlicht: 28. Januar 2016

Der Bischof von Trier, Stephan Ackermann wurde 2010 von der Deutschen Bischofskonferenz zum Missbrauchsbeauftragten ernanntDer Bischof von Trier, Stephan Ackermann wurde 2010 von der Deutschen Bischofskonferenz zum Missbrauchsbeauftragten ernanntIm Fall des Missbrauchstäters Pfarrer Peter R. hat sich nach Recherchen des Westdeutschen Rundfunkes (WDR) ein weiteres mutmaßliches Opfer gemeldet. Es handelt sich um die Mutter einer heute 20jährigen jungen Frau aus Hildesheim. Die Tochter hatte bereits in der WDR/ARD-Dokumentation „Richter Gottes“ vom 30. November 2015 den Missbrauch ihrer selbst durch den inzwischen pensionierten Geistlichen öffentlich gemacht.

Der Fall hatte für Schlagzeilen gesorgt, da das Bistum Hildesheim im Fall des jungen Mädchens 2010 keinen Hinweis auf ein Sexualdelikt gesehen hatte. Das Bistum hatte weder die Erziehungsberechtigten noch die staatlichen Behörden umgehend informiert, obwohl es sich bei dem beschuldigten Pfarrer um einen der beiden Haupttäter des Missbrauchsskandales am Berliner Canisius-Kolleg - mit mutmaßlich über 100 Opfern handelte. Erst auf Druck der Erziehungsberechtigten informierte die Diözese die zuständige Anklagebehörde, allerdings ohne über die bekannte Vorgeschichte des Täters zu informieren. Der Kleriker wurde wie ein Ersttäter behandelt, das Verfahren gegen Zahlung einer Geldauflage wegen mangelnden öffentlichen Interesses eingestellt. Ehemalige Canisius-Schüler sowie die Opfergruppe „Eckiger Tisch“ forderten daraufhin im Dezember 2015 den Rücktritt des Hildesheimer Bischofs Norbert Trelle. Nach anhaltender Kritik am Vorgehen des Bistums räumte Trelle in dem Fall nachträglich Fehler ein.

Am 27. Januar wird in der WDR-Reihe „die story“ der zweite Teil der Dokumentation ausgestrahlt. Die heute 39jährige Mutter des jungen Mädchens erzählt, dass auch sie seit 1993 von Pfarrer R. sexuell belästigt worden sei. „Ich musste mich auf seinen Schoß setzen, und seine Hand wanderte auch unter den Pullover und berührte die Brüste und fasste mir in den Schritt, und er versuchte auch, mit dem Gesicht näher zu kommen“, schildert sie ihre Begegnungen mit dem Pfarrer, der mittlerweile im Ruhestand lebt. Dieser wurde - trotz über 100 dokumentierter Fälle von den siebziger Jahren bis heute - strafrechtlich nie belangt. Das Bistum Hildesheim sei seit September 2015 auch über ihren Fall informiert gewesen, sagt die 39jährige, die ihren Namen nicht veröffentlichen möchte, dem WDR. Man habe aber bislang keinen Kontakt zu ihr aufgenommen.

Der Unabhängige Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung nimmt nun Stellung zu den Ereignissen: „Ich habe den Eindruck, dass da immer noch eine Tendenz ist, die Institution schützen zu wollen, indem man Informationen zurückhält und Tatsachen nicht nach außen trägt, also Transparenz verhindert“, sagt Johannes-Wilhelm Rörig zum Fall. „Ich fordere das Bistum Hildesheim auf, dass sie jetzt einen unabhängigen Ermittler einsetzen, der schaut, ob da weitere Straftaten im Raum stehen.“

Quelle: WDR

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