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„Die Kinder des Fechters“: Oscar-Kandidat von Klaus Härö

Szene aus dem FilmSzene aus dem FilmDer Zweite Weltkrieg ist zu Ende, und die Kommunisten haben die Republik Estland zum zweiten Mal besetzt. Nun haben die Sowjets eine Jagd auf die „Verräter“ gestartet, auf die Menschen, die während der deutschen Okkupation mit Nazis kollabiert oder sympathisiert hatten.

Auf der Flucht vor der politischen Staatspolizei des roten Diktators Jossif Stalin versteckt sich der junge Fechter Endel als Sportlehrer in dem kleinen Kurstädtchen Haapsalu (deutsch Hapsal) an der estnischen Westküste. Nur langsam freundet er sich mit seinem Schicksal in der Provinz an. 

Er beginnt, sich auf die Schüler einzulassen, und verliebt sich in seine Kollegin Kadri. Zunehmend wird ihm klar, dass er für die Kinder viel mehr ist als nur ein Lehrer. In der schwierigen Nachkriegszeit wird er für Viele von ihnen zum Vaterersatz und sein tägliches Fechttraining zum wichtigen Lichtblick in einer entbehrungsreichen Kindheit.

Doch der junge Este muss ebenso lernen, dass Glück auch Verantwortung bedeutet und Kinder Träume haben, die von Erwachsenen manchmal ein hohes Risiko verlangen.

Als die Kinder an einem Fecht-Wettbewerb in der sowjetischen Metropole Leningrad (heute St. Petersburg in Russland) teilnehmen wollen, muss Endel sich entscheiden: Soll er dem Wunsch der Kinder nachkommen und dabei riskieren, verhaftet zu werden, oder ihre Hoffnungen und Träume enttäuschen?

Die Filmemacher versprechen den Zuschauern ein Kinowerk mit viel Spannung, grandiosen Bildern und voller Herzenswärme. Vorlage für den rührenden Film ist die wahre Geschichte des 1993 gestorbenen estnischen Fechters Endel Nelis.

Haapsalu – Zentrum des Fechtsportes

Der Fechtsport begleitet die Schüler in der estnischen Ostsee-Stadt Haapsalu noch heute. „Schuld“ daran ist Endel Nelis. Er kam in den 1950er Jahren an die Westküste und fing mit dem Fechttraining an. Mit seinem Engagement gründete Nelis in Haapsalu eine Fechtdynastie, aus der viele Spitzenfechter stammen.

Doch die große Öffentlichkeit kennt den Namen Endel Nelis nicht. Märt Avandi, der im Film den berühmten estnischen Fechter spielt, sagte in einer Nachrichtensendung des öffentlich-rechtlichen Rundfunkes, dass auch er Nelis früher nicht kannte: „Heute weiß ich natürlich, dass er in Sportkreisen sehr bekannt und geschätzt war.“

Um einen Fechter zu spielen, musste Hauptdarsteller Avandi viel trainieren. Er ist überzeugt, dass er im Film eine gute Figur macht. „Die Kinder des Fechters“ ist vor allem ein Spielfilm, in dem Nelis’ Leben nur als Vorlage diente. Wie der Produzent Ivo Felt erzählt, ist Endel Nelis´ Leben etwas anders gelaufen, als im Film erzählt wird. Seine Tochter Helen Nelis-Naukas bringt vor, dass sie nach der Lektüre des Drehbuches erst schockiert war, denn dies war nicht die Biographie ihres Vaters. Doch nach der „Verdauung“ der Geschichte hatte sie begriffen, dass nicht alles ausgedacht war. Nelis-Naukas ist in die Fußstapfen ihres Vaters getreten. Die Fechttrainerin hat jedoch mehr Spitzenfechter in die Weltwettkämpfe geschickt als Endel Nelis.

Endel Nelis

Endel Nelis wurde am 28. September 1925 im Landkreis Pärnu in der damals souveränen Republik Estland geboren. Seine Eltern waren Landwirte. Nach dem Gymnasium arbeitete der junge Mann 1944-45 in Lihula (Kreis Läänemaa im Westen Estlands) als Sportlehrer. Danach studierte der Este bis Januar 1946 am damaligen Leningrader Institut für Körpererziehung. Im Hertbst 1950 bekam Nelis die Möglichkeit, sein Studium an der Fakultät für Körperkultur der Tartuer Universität zu beenden. In seiner Jugend war der Este sportlich sehr aktiv, er machte Leichtathletik, Gymnastik und spielte Fußball. Nach die Beendigung des Studiums wurde er nach Haapsalu geschickt, um eine neue Fechtergeneration auszubilden, denn schon während seines Studiums hatte Nelis seine Liebe zum Fechten entdeckt. Dies ist in erster Linie eine Sportart, deren historische Ursprünge auf die Bewegungsabläufe von Schwert- und Säbelkämpfen zurückgehen. Vor seiner Durchsetzung als Sportart war das Fechten als Duell gängig.

1951 konnte Nelis seinen ersten Erfolg verbuchen, als seine Schülerin Ivi Pupus in Riga zur Juniorenmeisterin der UdSSR gekrönt wurde. 1968 wurde in Haapsalu die Sportschule für Kinder und Jugendliche gegründet, deren Direktor Endel Nelis wurde. Der Chef selbst brachte seinen Schülern Grundkenntnisse der Waffengattungen Florett, Degen und Säbel bei.

Nelis war zudem in der Sportwissenschaft aktiv, er verfasste mehrere Artikel und wissenschaftliche Studien.

„Die Kinder des Fechters“

Finnland/Estland/Deutschland 2015, 90 Minuten, von finnischen Regisseur Klaus Härö, mit Märt Avandi (als Endel Nelis), Ursula Ratasepp, Hendrik Toompere jr., Jaak Prints, Kirill Käro, Lembit Ulfsak, Joonas Koff, Liisa Koppel, Ann-Lisett Rebane, Egert Kadastu, Elbe Reiter, Maria Klenskaja, Andres Lepik, Leida Rammo, Tõnu Oja.

Szenario:

Anna Heinämaa, Kamera: Tuomo Hutri, Künstler: Jaagup Roomet, Kostüme: Tiina Kaukanen, Maske: Tiina Leesik, Produzenten: Kaarle Aho, Kai Nordberg, Jörg Bundschuh und Ivo Felt, Filmbudjet: 1,9 Millionen Euro, Produktion: Making Movies, KickFilm und Allfilm 2015.

Foto: © KickFilm

 

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