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Putins neuer Krieg

Propagandist von Wladimir Putin, Musil MaranPropagandist von Wladimir Putin, Musil MaranDie ARD-Korrespondentin in Moskau, Golineh Atai berichtete am 11. Oktober im Weltspiegel über Putins Nervenkrieg.

Überall sieht Russlands Präsident Wladimir Putin Feinde, die sein Land angreifen und vernichten wollen. Wer nicht die Meinung von Moskau teilt, ist automatisch ein Antagonist Russlands. Diese Haltung hat einen lange Tradition im Riesenreich: Schon die Gründer des Sowjetreichs, Wladimir Lenin und sein Oberhenker Felix Dserschinski wussten, wie ein Feinbild propagandistisch aufzubauen ist und wie die vermeidliche Feinde zu bekämpfen sind. Das Ziel der führenden Staatsführung war, die eigene politische Unfähigkeit mit Feinbilder zu kaschieren und damit die Machtposition zu erhalten.

Vor allem waren die USA immer ein Dorn in der Augen der Kreml-Funktionäre. Der ehemalige Geheimpolizist und Chef des russischen Inlandsgeheimdienstes Putin (1998-1999), der in dem Kollektiv des Voramtes vom FSB, dem sowjetischen Staatssicherheitskomitees KGB, sozialisiert wurde, hat in dieser langjährigen Feindbildatmosphäre sein heutiges Weltbild erworben. Nach dem politischen Scheitern seiner Amtsvorgänger Michail Gorbatschow und Boris Jelzin, installierte Putin in Russland die Macht der Geheimdienste.

Demnach ist es nicht merkwürdig, dass noch heute im Kopf von Putin postsowjetische Gefahren von Außen lauern. Die russische Bevölkerung wird zudem seit dem Großen Vaterländischen Krieg (1941-1945) mit Kriegsbildern konfrontiert, die Menschen identifizieren sich fast nur über den Sieg über Nazi-Deutschland und andere Faschisten, u.a. in den baltischen Staaten. Andere große Erfolge, wie zum Beispiel in Kultur, Wirtschaft oder Wissenschaft, hat Russland schon seit Jahren nicht zu vermelden.

Postsowjetische Feindrhetorik

Das Wort „Faschist“ bedeutet bis heute in russischen „Feind“. Russland will mit dieser postsowjetischen Feindrhetorik die Aufmerksamkeit von massiven wirtschaftlichen Problemen im seinem Land weg lenken und der eigenen Bevölkerung das Gefühl vermitteln, dass es mit seiner Kriegsführung auf der Schwarzmeer-Halbinsel Krim oder in der Ostukraine, wo angeblich die russische Bevölkerung aus Moskau Hilfe erwartete, und aktuell in Syrien, wo Russlands langjähriger Verbündeter Baschar al-Assad durch seine Gegner und Terrormiliz IS bedroht wird, Russland ein Weltmacht ist.

Russland muss und ist stark genug, sich gegen seine Feinde wehren, lautet seit Jahren die aus dem Kreml gesendete Botschaft. Wenn dies über staatlich kontrollierten Medien tagtäglich, sogar stündlich wiederholt wird, glauben die Menschen dies. Nur wenige Russen haben finanzielle Mittel um unabhängige Zeitungen zu kaufen, sie sind auf Putins Medien angewiesen. Im Allgemeinen sprechen die Russen keine Fremdsprachen und nur wenige haben andere Länder bereist. Sie wissen nichts vom realen Leben jenseits Russlands Grenzen. Dadurch sind sie leicht zu in die Irre führen.

Wie die frische Literatur-Nobelpreisträgerin Swetlana Alexijewitsch in ihrem Buch „Secondhand-Zeit“ berichtet, ist in den Augen vieler Russen Putin ein starker Mann, weil er ihnen nach der Zerfall der Sowjetimperium und chaotischen Zeiten unter seinen Amtsvorgängern Gorbatschow und Jelzin ihre Würde und ihren Stolz wiedergegeben hat und jetzt für einen bescheidenen Wohlstand sorgt. Die Russen kompensieren den Verlust der Demokratie mit der von Putin etablierten diktatorischen Ordnung.

Starke geopolitische Interessen

Doch Russland führt nun den Krieg in Syrien auch wegen der seit einiger Zeit fallenden Ölpreisen, denn das Putin-Land ist extrem abhängig von den Rohstoffpreisen. Ressourcen sind der Grundstein des Riesenreichs, seiner Wirtschaft, seiner Staatsgewalt und seiner politischen Struktur. Das neue Preisverfall für Erdöl ist für den Kremlchef lebensgefährlich. Wenn Putin nun al-Assad militärisch unterstützt, unterstützt er gleichseitig sich selbst. Nach dem Beginn der militärischen Einmischung Russlands, in Syrien mit dem auch geopolitische Ziele verbunden sind, ist der Ölpreis wieder gestiegen. Lesen Sie dazu noch in Deutsche Wirtschaftsnachrichten: „Putins Master-Plan“

Wer Gewalt sät, muss mit Rache rechnen

Putin spielt jedoch ein gefährliches Spiel. Nach den militärischen Aktionen in Syrien hat die islamistische, mit der Terrororganisation al-Qaida verbundene Al-Nusra-Front Dschihadisten im Kaukasus zu Racheaktionen gegen russische Bevölkerung und Soldaten aufgerufen. "Wenn die russische Armee die Menschen in Syrien tötet, dann tötet ihre Bevölkerung. Und wenn sie unsere Kämpfer umbringen, dann tötet ihre Soldaten. Auge um Auge", sagte der Chef der Organisation, Abu Mohamed al-Dscholani und drohte Russland gestern per Videobotschaft mit blutigen Konsequenzen.

Auf dem Territorium des russischen Botschaft in Damaskus sind heute zwei Granaten eingeschlagen. Wie die russische staatliche Nachrichtenagentur TASS verkündete, ist dabei niemand verletzt worden. Vor der diplomatischen Vertretung Russlands in der syrischen Hauptstadt hatten sich prorussische Demonstranten versammelt. Sie wollten ihren Unterstützung für den russischen Militäreinsatz in Syrien zum Ausdruck bringen. Die russische Militärjets bombardieren seit etwa zwei Wochen Stellungen von Gegner des amtierenden Präsidenten al-Assad. Es ist noch unklar, wer für die Anschlag verantwortlich ist. Es ist bekannt, dass die Gegner des Diktators die Gebiete östlich von Damaskus kontrollieren. Die Medien berichten, dass Putin trotz bisheriger Verneinung al-Assad doch notfalls mit Bodentruppen helfen will. Wenn die ersten junge russische Soldaten in Syrien sterben werden, kann die Unterstützung für Kremlchef schnell verschwinden. Der verlorene Afghanistan Krieg mit tausenden Toten ist noch deutlich im kollektiven Erinnerung der Russen vorhanden.

Foto: ARD-Weltspiegel / Screenshoot

 

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