Das Baltikum-Blatt

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Deutsche Boulevardzeitungen gegen zwei sowjetische Panzer in Berlin

Veröffentlicht: 21. April 2014

Russischer T34 vor dem sowjetischen Ehrenmal in Berlin-TiergartenRussischer T34 vor dem sowjetischen Ehrenmal in Berlin-TiergartenSeit Ende des Zweiten Weltkrieg 1945 stehen zwei Panzer vor dem sowjetischen Ehrenmal im Tiergarten an der Straße des 17. Juni in Berlin-Mitte. Die schwere Kettenfahrzeuge des Typs T-34 sind in der Nähe des Brandenburger Tors positioniert. Die Bundesrepublik Deutschland hat sich nach der Wiedervereinigung in dem sogenannten „Zwei-plus-vier-Vertrag“ verpflichtet, solche sowjetische Mahnmale zu erhalten und pflegen.

Jetzt sind sie jedoch ein Dorn im Auge für die Boulevardmedien Bild-Zeitung und Berliner Zeitung. Beide fordern wegen des russischen Vorgehens auf der Halbinsel Krim und in der Ost-Ukraine die Entfernung der Kriegsgeräte.

„Wir wollen keine Panzer, keine martialischen Symbole mehr am russischen Ehrenmal direkt am Brandenburger Tor in Berlin“, heißt es in einem Bericht der beiden Blätter mit einer großen Leserschaft.

Die Zeitungen haben deswegen eine Petition im Bundestag eingereicht. Dieser solle bestimmen: „Die russischen Panzer am Ehrenmal im Berliner Tiergarten sollen entfernt werden.“ In einer Zeit, in der russische Panzer das freie, demokratische Europa bedrohten, wolle man keine Russen-Panzer am Brandenburger Tor. „Wir, die Unterzeichner dieser Petition, wollen nicht akzeptieren, dass militärische Gewalt im 21. Jahrhundert wieder zum Mittel der Politik in Europa wird.“

Die Initiatoren der Petition betonen auch, dem „unermeßlichen Leid und den Opfern des russischen Volkes im Zweiten Weltkrieg“ das ehrende Gedenken oder den Respekt nicht zu verweigern, heißt es in der Begründung weiter. „Wir glauben aber, dass das Andenken der im Ehrenmal beigesetzten Soldaten der Roten Armee genauso würdig gewahrt wird, wenn es nicht missverständlich mit der hegemonialen Militärpolitik der heutigen Kreml-Führung und Putins Panzern in Verbindung gebracht wird.“

Da wegen der abgeschlossenen staatlichen Verträge kein Erfolg zu erwarten ist, kann man davon ausgehen, dass die beide Blätter mit einem polemischen Aufruf nur die Zahl ihren Leserschaft vergrößern möchten.Kanone des T34 mit Gedenkbändern  Kanone des T34 mit Gedenkbändern

Info:
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurden von der Sowjetunion im Stadtgebiet von Berlin drei sowjetische Ehrenmale angelegt: Im Treptower Park, in der Schönholzer Heide (Pankow) und im Großen Tiergarten. Sie sollten an die getöteten Rotarmisten erinnern, insbesondere an die etwa 80.000 Soldaten, die bei der Schlacht um Berlin gefallen waren. Diese Denkmale sind gleichzeitig auch Soldatenfriedhöfe.

Das Ehrenmal wurde auf Grund eines Beschlusses des Kriegsrats der 1. Weißrussischen Front von den Bildhauern Lew Kerbel und Wladimir Zigal gemeinsam mit dem Architekten Nikolai Sergijewski entworfen und an der damaligen Charlottenburger Chaussee (heute: Straße des 17. Juni) errichtet. Am 11. November 1945 wurde das Ehrenmal mit einer Parade der alliierten Truppen eingeweiht.

Die Anlage liegt auf dem früheren Territorium des britischen Sektors von Berlin. Der Viermächtestatus Berlins erlaubte jedoch die Bewachung durch sowjetische Soldaten. Bis zum Truppenabzug im Jahr 1994 standen dort Ehrenwachen der Sowjetarmee bzw. Russischen Armee. Danach wurde das Ehrenmal an die Stadt Berlin übergeben. Es existieren bilaterale Vereinbarungen zwischen Deutschland und der Russischen Föderation, gemäß denen sich Deutschland verpflichtet hat, diese und andere Kriegsgräberstätten zu erhalten.

Fotos: © Das Baltikum-Blatt / AWSiebert