Das Baltikum-Blatt

Kultur

Jochmann-Gesellschaft hält Erinnerung an brillanten Schriftsteller wach

Veröffentlicht: 21. Dezember 2013

Autor des Berichts, 1. Vorsitzender des Jochmann-Gesellschaft in Heidelberg, Prof. Dr. Ulrich KronauerAutor des Berichts, 1. Vorsitzender des Jochmann-Gesellschaft in Heidelberg, Prof. Dr. Ulrich KronauerVon Ulrich Kronauer, Heidelberg

Am 5. November fand in der Heidelberger Altstadt in einem romantischen Kellergewölbe die Jahresversammlung der Heidelberger Jochmann-Gesellschaft statt. Die Jochmann-Gesellschaft beschäftigt sich mit Leben und Werk des 1789 in Pernau in Livland, dem heutigen Pärnu in Estland geborenen kulturphilosophischen und zeitkritischen Schriftstellers Carl Gustav Jochmann.

Jochmann, der Rechtskonsulent (Advokat) in Riga gewesen war und das letzte Jahrzehnt seines kurzen Lebens – er starb 1830 – wegen seiner angegriffenen Gesundheit in Deutschland, der Schweiz und Frankreich lebte, hinterließ eine Reihe eindrucksvoller Bücher in deutscher Sprache, die sich mit Sprache und Politik, mit der Geschichte des Protestantismus und des Katholizismus, aber auch mit der Homöopathie und ihren Widersachern beschäftigte. In kleineren Schriften, die zum Teil erst aus dem Nachlass herausgegeben wurden, lieferte er tiefgründige Analysen der Zeitverhältnisse, kritisierte scharf die Ansprüche des Adels und des Priestertums und betonte die Bedeutung und Notwendigkeit von Öffentlichkeit und Meinungsfreiheit. Seine Schriften erschienen anonym, weil er, in der Zeit der Restauration, die Zensur und polizeiliche Verfolgung fürchtete.

Diese Anonymität war aber auch schuld daran, dass Jochmann, ein brillanter Schriftsteller, noch bei weitem nicht so bekannt ist, wie er es verdient. Dem versucht die Jochmann-Gesellschaft abzuhelfen. Die drei Mitglieder des Vorstands, die Professoren König, Kronauer und Schütt, geben die Gesammelten Schriften Jochmanns heraus und zwar in dem Verlag, in dem auch damals die meisten seiner Werke erschienen waren: dem Universitätsverlag Winter in Heidelberg. In der schönen Stadt am Neckar hatte sich Jochmann immer wieder für längere Zeit aufgehalten.

Im April machten einige Mitglieder der Gesellschaft eine Reise ins Baltikum auf den Spuren Jochmanns. In der Domkirche in Riga besuchten sie die dort aufgestellte Urne mit dem Herzen Jochmanns, in Tallinn präsentierten sie ihren Autor im Stadtarchiv, und in Pärnu hatte der Direktor des Pärnuer Museums, Dr. Aldur Vunk, in festlichem Rahmen eine Jochmann-Konferenz vorbereitet, um gemeinsam mit der Gesellschaft den großen Sohn der Stadt zu würdigen.

Den Höhepunkt der Jahresversammlung im November bildete das Zusammentreffen zweier Persönlichkeiten, die von der Gesellschaft eingeladen worden waren, weil sich ihre Namen in besonderer Weise mit Leben und Werk Jochmanns verbinden. Beide, der Verleger Dr. Carl Winter und der Architekt Werner von Sengbusch, sind Nachfahren der engsten Freunde Carl Gustav Jochmanns. In Riga verkehrte Jochmann freundschaftlich im Haus des bedeutenden Kaufmanns Conrad Heinrich von Sengbusch, der unter anderem Ältester der Vereinigung der Schwarzhäupter in Riga war. Der Nachfahre von Sengbuschs, Herr Werner von Sengbusch erforscht die Geschichte seiner Familie und ist in verschiedenen Ehrenämtern aktiv, so als Schatzmeister des Deutschbaltisch-Lettischen Zentrums DOMUS RIGENSIS. In Heidelberg berichtete er von seinen Nachforschungen, die auch die Freundschaft seines Vorfahren mit Carl Gustav Jochmann betreffen.

Dr. Winter gab Einblicke in die Anfänge des Heidelberger Winter-Verlags und in die politischen Konflikte im Hause Winter. Er hob die Freundschaft Carl Gustav Jochmanns mit dem Verlagsgründer Christian Friedrich Winter hervor, einem entschiedenen Liberalen, der unter politischer Verfolgung zu leiden hatte.

So konnte deutlich werden, warum Jochmann die meisten seiner Schriften im Winter-Verlag veröffentlichte, aber auch, warum er darauf bestand, anonym zu bleiben.

Für das Jahr 2014 plant die Jochmann-Gesellschaft eine Tagung in Heidelberg, in der die neuesten Forschungsergebnisse zu Leben und Werk Jochmanns vorgestellt werden.

Foto: © Das Baltikum-Blatt/AWSiebert