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Fazil Say und Kristjan Järvi musizieren am 6. Oktober in Stuttgart

Fazil Say und Kristjan Järvi nach einem gemeinsamen Konzert im Festspielhaus Baden-BadenFazil Say und Kristjan Järvi nach einem gemeinsamen Konzert im Festspielhaus Baden-BadenFazil Say, charismatischer, durchaus streitbarer und höchst interessanter Klavier-Virtuose mit untrüglichem Gespür für besondere musikalische Impulse, trifft am 6. Oktober um 20 Uhr in der Stuttgarter Liederhalle (Beethoven-Saal) auf das 2010 gegründete Festivalorchester aus Gstaad unter dessen Chefdirigenten Kristjan Järvi.

Fazil Say – international geschätzte Pianist und Komponist
Der aus der Türkei stammende Fazil Say wurde 1970 in Ankara geboren. Als Pianist und Tonsetzer wird er international hoch geschätzt, seine Konzerte sind stets ausverkauft. Der Musiker ist zudem ein bekannter Bürgerrechtler.

Mit fünf Jahren bekam er Klavierunterricht bei einem Schüler Alfred Cortots. 1985 leiteten David Levine und Aribert Reimann einen Workshop in Ankara, wo sie auf den talentierten Jugendlichen aufmerksam wurden, der damals Klavier und Komposition am staatlichen Konservatorium studierte. Sie holten ihn 1987 an die Robert-Schumann-Hochschule Düsseldorf, wo er bei David Levine das Fach Klavier studierte. Er wechselte 1992 zur Universität der Künste in Berlin und studierte dort bis 1995. Während dieser Zeit nahm er an drei Wettbewerben teil, von denen er 1994 die Young Concert Artists International Auditions in New York gewann. Damit begann Says internationale Karriere: Er spielte mit allen Orchestern und unter allen Dirigenten mit Weltrang. Bei Konzerten tritt er fast immer, so wie aktuell auch in Stuttgart, mit seinen eigenen Tonwerken auf.

Im Dezember 2007 entbrannte eine heftige öffentliche Diskussion als Say in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung die politische Situation und die Lage der Menschenrechte in seinem Heimat beklagte und eine Auswanderung in Erwägung zog. Ebenfalls für heftige Diskussionen sorgte seine Ablehnung des in der Türkei bei bestimmten Gesellschaftsschichten populären Arabesk-Pops. Arabesk-Musik sei „eine Last für Intellektualität, Modernität, Führungskraft und Kunst“ und weiter: „ich schäme, schäme, schäme mich für das Arabesk-Proletentum beim türkischen Volk“

Am 20. September wurde in der Welt gelobte Musiker von einem Istanbuler Gericht wegen angeblich blasphemischer Äußerungen zu zehn Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Die Bewährungszeit dauert zwei Jahre. Im Urteil heißt es, der Musiker habe „die religiösen Gefühle eines Teiles der Bevölkerung gedemütigt“. Schon das erste Urteil hatte in der Weltöffentlichkeit für Empörung gesorgt, denn der Spruch des Gerichtes bedeutet, dass die Türkei durch die AKP-Eliten von Recep Tayyip Erdoğan zu einem islamistischen Frontstaat geworden ist. Das Land, das von einer Mitgliedschaft in der Europäische Union träumt, opfert hartherzig seine talentvollsten Bürger. Der Nobel-Literaturpreisträger Orhan Pamuk hat schon seine Heimat verlassen und lebt jetzt in der USA. Nun hat sich der lange Arm von Erdoğan auch bei Fazil Say durchgesetzt. Der Musiker selbst schreibt via Twitter, dass er in die Berufung gehen wird. Erst im April hatte ein Gericht ein strittiges Urteil aufgehoben, weil die Bedingungen der Bewährung zu abstrus waren. Jetzt bleibt Say noch die Möglichkeit, vor den Kassationshof zu treten. Der talentvolle Pianist und Tonsetzer wurde vor Gericht gezerrt, weil er twitterte: „Du sagst, durch die Bäche wird Wein fließen, ist das Paradies etwa eine Schänke? Ich werde jedem Gläubigen zwei Jungfrauen geben, sagst du, ist das Paradies etwa ein Freudenhaus?”.

Visionär Kristjan Järvi
Kristjan Järvi und Fazil Say haben schon oft gemeinsam erfolgreich musiziert. Beide Musiker verstehen sich blendend. Järvi, Dirigent mit estnischer Herkunft, hatte soeben große Erfolge mit dem Baltic Youth Philharmonic (BYP) auf der Usedomer Musikfestival gefeiert , rund tausend Besucher waren nach dem Konzert aus dem Häuschen und jubelten den jungen Dirigenten und seinen Orchester zu.

Kristjan Järvi wurde 1972 als jüngster Sohn des Dirigenten Neeme Järvi in Tallinn geboren. Sein Bruder Paavo Järvi ist ebenfalls Dirigent. 1980 zog die Familie nach New Jersey in die USA. Järvi studierte Klavier bei Nina Svetlanowa an der Manhattan School of Music in New York und Dirigieren bei Kenneth Kiesler an der University of Michigan in Ann Arbor.

Der junge Orchesterleiter erlangte das Interesse der Weltöffentlichkeit mit seinem Absolute Ensemble, den er gemeinsam mit Charles Coleman 1993 gründete. Das Orchester kombiniert die Klassik mit Jazz, Rock und Hip-Hop. 2007 wurde das Ensemble mit dem Bremer Musikfest-Preis der Commerzbank-Stiftung ausgezeichnet. Kristjan Järvi ist auch der Gründer das BYP, ein Orchester mit Musikstudenten aus den Anrainerstaaten der Ostsee. Durch die Jahre hat sich der Klangkörper viel Ansehen erspielt, unter anderem stand die Dirigentenlegende Kurt Masur vor diesen ausgezeichneten Orchester.

Das Gstaad Festival Orchestra
Das Gstaad Festival Orchestra (GFO) entstand aus der Vision, den inspirierenden und innovativen Geist des Menuhin Festivals in die Welt hinauszutragen und das alljährlich zelebrierte Musikfest auch international erklingen zu lassen. Seit seiner Gründung im Jahr 2010 schwingt sich das GFO zu immer neuen musikalischen Höhenflügen auf. Seine erste umjubelte Gastspielreise unternahm das Orchester unter der Leitung des Violinisten und Dirigenten Maxim Vengerov. Mit einem sinfonischen Programm und Werken von Tschaikowski und Rimski-Korsakov gastierte es unter anderem beim Rheingau-Musikfestival, bei den Festspielen in Mecklenburg-Vorpommern, im Festspielhaus Bregenz, in der Dresdner Frauenkirche sowie in der Philharmonie am Gasteig in München und etablierte sich sogleich als brillanter und charismatischer Klangkörper der Extraklasse. Für die Saison 2013/2014 wurde der kosmopolitische Ausnahmedirigent Kristjan Järvi zum Chefdirigenten des Orchesters berufen. Mit musikalischer Ideenvielfalt, ausgefeilter technischer Meisterschaft und nicht versiegender Neugierde ist er die Inkarnation des modernen Menuhin Festivals und ein Glücksfall für die weitere Entwicklung des Klangkörpers.

Das Programm in Stuttgart
Auf dem Programm stehen: Böhmischer Komponist der Romantik Bedřich Smetana (1824-1884) mit "Die Moldau" aus dem Zyklus "Mein Vaterland", das Tonwerk von Fazil Say (geboren 1970) "Water" für Klavier und Orchester op. 45, Sergei W. Rachmaninow (1873-1943) Variationen op. 42 über ein Thema von Corelli (La Folia) und Claude Debussy (1862-1918) „La Mer - Trois esquisses symphoniques„ (dt. Das Meer, drei symphonische Skizzen für Orchester). Das Stück ist ein Musterbeispiel des frühen musikalischen Impressionismus. (asie)

Fazil Say und Kristjan Järvi am 6. Oktober um 20 Uhr in Stuttgart:
Liederhalle 70174 Stuttgart Berliner Platz 1-3 Deutschland Tickets: www.sks-russ.de/kartenverkauf-67

Foto: © Das Baltikum-Blatt / AWSiebert

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