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Künstlerinnen aus Estland und Litauen in Karlsruhe herzlich empfangen

Von Aino Siebert

Hannah Harkes, Estland/SchottlandHannah Harkes, Estland/Schottland
In Anwesenheit von rund 50 Vernissagegästen wurden die Künstlerinnen aus dem Baltikum in der Karlsruher Galerie GEDOK von der Chefin Dr. Christa Hartnigk-Kümmel mit herzlichen Worten begrüßt. Die Grafikerinnen aus Estland und Litauen kamen mit ihren auserlesenen Arbeiten im Gepäck in die badische Fächerstadt. Die Kuratorin Eugenia Jäger hatte in großen hellen Räumen für jede Grafik einen richtigen Platz gefunden. Die Kunstwerke der verschiedenen Künstlerinnen – neben Estinnen und Litauerinnen waren noch zwei Deutsche dabei – hatten alle etwas gemeinsam – Experimentierfreude.Dr. Christa Hartnigk-Kümmel, Leiterin der Karlsruher Galerie GEDOKDr. Christa Hartnigk-Kümmel, Leiterin der Karlsruher Galerie GEDOK

Nach Hartnigk-Kümmels Einführung in die Ausstellung nebst Danksagung an die großzügigen Sponsoren folgte ein Vortrag von Hendrik Bündge von der Staatlichen Kunsthalle Baden-Baden. Er sprach über die historische Bedeutung der Grafik, deren Wurzeln schon im 15. Jahrhundert zu finden sind. Damals hatte Johannes Gutenberg in Mainz den modernen Buchdruck mit beweglichen Metall-Lettern und die Druckerpresse erfunden. Das Wort Grafik stammt aus dem Griechischen, bedeutet „die schreibende/beschreibende [Kunst]“ und ist im weitesten Sinne der Sammelbegriff für alle Zeichnungen, die manuell drucktechnisch angefertigt werden. In der engsten Begriffsverwendung bezieht sich Grafik allein auf die künstlerische Druckgrafik, die zur bildenden Kunst gehört. Ein Originalwerk entsteht eigenständig, unabhängig von Vorlagen und in der Absicht, die Techniken der Druckgrafik für den künstlerischen Ausdruck zu nutzen. In Karlsruhe waren Radierungen, Siebdrucke, Aquatinta, Fotopolymerdrucke, Linolschnitte, Lithographien, Direct Print-Arbeiten und Zeichnungen ausgestellt.

Grafikerin Inga HeamägiGrafikerin Inga HeamägiDie Künstlerinnen – tatsächlich nur Frauen –, die zwei Generationen repräsentieren, hatten sich im Rahmen der Baltischen Grafik-Biennale Kaliningrad (ehemals Königsberg) in Russland zusammen gefunden und bereits in Schweden, Russland und Finnland gemeinsam ausgestellt. Die Möglichkeit, sich gemeinschaftlich zu präsentieren, auszutauschen und zu vernetzen, wurde sowohl von der Galerie GEDOK als auch den Grafikerinnen als ausgesprochen bereichernd empfunden.

Grafik, so Inga Rahumägi, liegt in Estland zur Zeit in einem Dornröschenschlaf. Das Interesse an dieser Kunstform habe nachgelassen. Doch diesen Trend beobachtet man auch in Zentraleuropa. Der Kurator der art Karlsruhe Ewald Karl Schrade erzählte, dass er extra für die aktuelle Ausgabe der Kunstmesse eine Grafikschau organisierte, um die Neugier der Sammler wieder zu erwecken. Diesem Gedanken folgte auch das Künstlerinnenforum GEDOK mit Erfolg.Hendrik Bündge, Staatliche Kunsthalle Baden-BadenHendrik Bündge, Staatliche Kunsthalle Baden-Baden

Der Fokus der Ausstellung liegt individuell hergestellter Künstlergrafik im Spannungsverhältnis von aktuellen Positionen und klassischen grafischen Reproduktionstechniken. So unterschiedlich wie Technik und Format sind auch die Themen der Arbeiten: Menschen, „Mond-Landschaften“, Wolken, „Secondary Beauties“, Graphic Novel und Abstraktes.

Für die musikalische Umrahmung der Veranstaltung sorgten zwei begabte Estinnen, Pipilota Neostus (Flöte) und Ingely Laiv (Oboe). Die Studentinnen der Hochschule für Musik in Karlsruhe spielten harmonisch abgestimmt Werke estnischer Tonsetzer. Es war ein Genuss für Ohren und Seele.

Inga Heamägi (Jahrgang 1961) stammt aus Viljandi (Fellin) im westlichen Mittelestland und ist seit einigen Jahren freiberuflich tätig. Sie liebt die Grafik, weil man sich dabei „die Hände schmutzig machen“ kann. Die Künstlerin zählt zu den bedeutendsten Litographietechnikerinnen in Estland. Mit Digiprint hat sie ebenso interessante, auf orthodoxer Religionsthematik basierte Werke angefertigt und ausgestellt.
www.ingaheamagi.tk

Prof. Marija Marcelionytė-Paliukė, Litauische KunstakademieVilniusProf. Marija Marcelionytė-Paliukė, Litauische KunstakademieVilniusIhre Tochter Gudrun Heamägi (Jahrgang 1989) hat ebenfalls Grafik studiert, zunächst an der Kunstakademie Estlands, danach in Helsinki an dem Kunst- und Designinstitut, das nach dem großen finnischen Architekten Alvar Aalto benannt ist. Ihre Arbeiten sind zur Zeit in den Räumen des estnischen Parlamentes (Riigikogu) ausgestellt. Für diese Werke wurde Heamägi letztes Jahr mit dem G-Galerii-Preis ausgezeichnet. Die junge Visualkünstlerin hat 3D-Postkarten aus der Sowjetzeit eingescannt und so die Zeit in ein Viereck eingerahmt: Eine Ecke zeigt die Urzeit, eine andere die Antik-Epoche, dann kommt die Stalin- und schließlich die Gegenwartszeit www.gudrunheamagi.com.

Hannah Harkes (Jahrgang 1989) lebt zwar in Estland, stammt jedoch aus Schottland. In Karlsruhe zeigte die sympathische und weltoffene Künstlerin mit ausgezeichneten Estnischkenntnissen auf Stoff gedruckte Comics. Auch dies ist eine Form von Grafik. Ihr Kunststudium begann Harkes in Fine Art Printmaking an der Gray’s School of Art in der schottischen Ostküstenstadt Aberdeen und bildete sich dann in der Fachhochschule Hannover als Grafikdesignerin weiter. Im vergangenen Jahr besuchte die Schottin die University of Winchester in England. Trotz ihres jungen Alters hat die vielseitige Künstlerin mit den Ausstellungen ihrer Arbeiten schon Erfolge erzielt.
www.hannahharkes.com

Marija Marcelionytė-Paliukė (Jahrgang 1977) ist Professorin in der Litauischen Kunstakademie in Vilnius (Litauischsprachige Homepage).Eugenia JägerEugenia Jäger

Aus Deutschland präsentieren sich auf der Ausstellung Eugenia Jäger www.eugeniajaeger.de und Margot Witte www.margotwitte.de. Die Ausstellung ist noch bis zum bis Sonntag 5. März geöffnet.

EST + LT + DE = Grafik

GEDOK Künstlerinnenforum
Markgrafenstr. 14 (Ecke Fritz-Erler-Str.), 76131 Karlsruhe
Haltestelle: Kronenplatz / Parkhaus direkt neben Galerie

Öffnungszeiten: Mi-Fr 17-19 Uhr, Sa und So 14-16 Uhr

E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Telefon: 0721 / 37 41 37
Fax: 0721 / 6 25 62 54

Fotos: © Das Baltikum-Blatt / AWSiebert

Mit Materialien von GEDOK

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