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Eine literarische Tagung

 

August von KotzebueAugust von KotzebueVon Ülo Salm, Berlin

Am 7. Oktober fand im Schleiermacherhaus in der Mitte Berlins das „Kotzebue-Gespräch V“ statt. Wie der Name zeigt, handelte es sich um die 5. Veranstaltung einer Reihe, die vor etlichen Jahren ins Leben gerufen wurde und alljährlich einmal abwechselnd in Tallinn und Berlin stattfindet.

Teilnehmer sind ein kleiner Kreis von Literaturwissenschaftlern, Kulturschaffenden und an der Persönlichkeit des Schriftstellers und Dramatikers August Kotzebues Interessierte, die sich gerne als „Kotzebueaner“ bezeichnen. Man ist bemüht, ein differenziertes Bild von Kotzebue zu zeichnen, der zu seinen Lebzeiten und überwiegend auch noch heute als Reaktionär und Vertreter der Interessen des Adels und des konservativen Bürgertums angesehen wurde und wird. Seine Werke zeigen, dass er durchaus Sinn für soziale Gerechtigkeit hatte und dem Adel kritisch begegnete.

Er lebte von 1761-1819 und wurde von einem Studenten namens Sand, einem Burschenschaftler, ermordet. Diese Tat wird von manchen als erstes politisches Attentat der Neuzeit angesehen. Das gewaltsame Ende Kotzebues hat sicherlich mit dazu beigetragen, dass er - wie so oft in solchen Fällen - zu zusätzlicher Berühmtheit gelangte.

In Estland wird das deutsche kulturelle Erbe intensiv gepflegt. Zum Bewusstsein eines gemeinsamen Erbes hat auf estnischer Seite auch die dunkle Zeit der sowjetischen Repression beigetragen. Kotzebue war ein Literat, dessen Wirken nicht nur in Deutschland Spuren hinterlassen hat. Er war auch in Estland und Russland aktiv und ein Kulturträger, der über sein literarisches und dramaturgisches Schaffen hinaus mit großem Engagement politisch wirkte, wie seine zahlreichen kämpferischen Pamphlete beweisen. Tragischer Weise waren sie auch die Ursache für seinen frühen Tod.

Die Veranstaltung wurde vom früheren Kulturattaché der estnischen Botschaft in Berlin, Harry Liivrand, eröffnet, der in der ihm eigenen humorigen Weise die Persönlichkeit Kotzebues, die Veranstaltung und ihre politisch-kulturelle Bedeutung für die deutsch- estnischen Beziehungen würdigte. Der neue estnische Botschafter Dr. Mart Laanemäe hielt anschließend einen kurzen und sehr fundierten Vortrag über Kotzebue, bevor die Literaturexperten zu Wort kamen.

Es würde hier den Rahmen sprengen, im einzelnen auf die hervorragenden Beiträge der Tagung einzugehen. Wer seine Kenntnisse über Kotzebue und sein Wirken in Deutschland, Estland und Russland erweitern will, dem seien die Vortragssammlungen der Kotzebue-Gespräche empfohlen. In Berlin greifbar ist die Sammlung der Vorträge aus den ersten beiden Kotzebue-Gesprächen, erschienen in der Reihe „Berliner Klassik“ der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften.

Zu danken ist den Veranstaltern, nämlich der Estnischen Botschaft, der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und der Estnischen Musik- und Theaterakademie sowie den weiteren Unterstützern, nämlich der Estnischen Wissenschafts- Stiftung, dem Außenministerium und dem Kulturministerium Estlands.

Fotoquelle: Wikimedia

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