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12. Domus Revaliensis-Tage in Tallinn erfolgreich beendet

Burg Wesenberg in RakvereBurg Wesenberg in RakvereVon Babette von Sass, Tallinn

Die Akademie der Wissenschaften in Tallinn (deutsch: Reval) ist nach wie vor der richtige Ort für die Domus Revaliensis-Tage 2016, die im diesem Jahr vom 2. bis zum 4. September durchgeführt wurden. In diesem Haus, das ehemals der Familie von Ungern-Sternberg gehörte, befand sich in der Zwischenkriegszeit (1918 -1939) die Deutsche Kulturselbstverwaltung und die letzte Registrierung (1939) aller Deutschen für die Umsiedlung. Der Schreibtisch steht noch heute dort. Im Vorhof des Hauses befindet sich der Gedenkstein für das Baltenregiment, den die Deutschbalten gespendet haben.

Etwa 60 Personen hatten sich im wunderschönen Spiegelsaal zur Eröffnungsveranstaltung eingefunden. Unter ihnen waren rund zwölf angereiste Personen aus Deutschland. Die Festveranstaltung begann mit der Begrüßung der Gäste durch M. Silm und Berichtsverfasserin.

Anschließend hielt Helmut Scheunchen einen packenden Vortrag mit aus neuesten Forschungen erhaltenen Erkenntnissen über die „Deutschbaltische Liedschule“ in Estland. Im folgenden Referat ergänzte Alo Põldmäe diese Ausführungen, in dem er den Ursprung der Estnischen Sängerfeste als Folge des deutschen Liedgutes erklärte. Beim anschließenden Empfang freute man sich, Bekannte wieder zu treffen und sich mit neuen Gästen auszutauschen.

Die Kranzniederlegung am Denkmal des Baltenregimentes fand am Samstag 3. September statt. Die Teilnehmer gedachten der Ereignisse am Ende des Ersten Weltkrieges, als Deutschbalten und Esten freiwillig unter estnischem Kommando gegen die Bolschewiken kämpften. Dr. Olav Liivik berichtete über dieses historische, besondere Ereignis. Die Feier endete mit dem gemeinsam gesungenen, baltischen Lied „Segne und behüte“.

Anschließend begann das Konzert „Ella mit dem Paukenschlag“. Das klingende Erbe der hochmusikalischen Deutschbaltin Ella von Schultz, die ihre Jugend auf einem Gut in Estland verbrachte hatte, berührte Zuhörer. Die Sängerin Martina Doehring berichtete über das Leben der Künstlerin. Sie unterbrach ihre anschaulichen Schilderungen immer wieder, um Kompositionen der Tonsetzerin meisterhaft vorzutragen. Aivars Kalejs begleitete sie feinfühlig am Flügel.

Am Nachmittag besichtigten die Teilnehmer das Dominikaner-Kloster (1229) in der Innenstadt von Tallinn. Das Kloster war der größte und älteste sakrale Bau des Baltikums mit einer dreischiffigen Hallenkirche. Es stellte den größten Handelsumschlagort Estlands im Mittelalter dar. Verschiedene Räumlichkeiten werden noch heute genutzt als Bibliothek, Andachtsräume oder für die Gastronomie.

Zum Gesellschaftsabend fanden sich etwa 40 Personen ein, unter ihnen zehn Jugendliche. Leider musste man viele Lücken in der Teilnahme der älteren Generation feststellen. Dennoch verlief der Abend lebendig. Alle Gäste mischten sich untereinander: Esten, Deutschbalten, Deutsche und Russen. Das Ziel der Begegnung, sich näher kennenzulernen, erfüllte sich voll.

Die Andacht am Sonntag (4. September) musste der estnische Pastor Dr. Jaan Lahe in der Olai-Kirche (estnisch: Oleviste kirik) schon am frühen Morgen halten, damit die Gruppe rechtzeitig zur großen Fahrt nach Rakvere (deutsch: Wesenberg) aufbrechen konnte.

Dort wurde die Dreifaltigkeitskirche der Stadt mit uralten Grabsteinen und das „Haus-Museum des Bürgers“ aus dem 19. Jahrhundert besichtigt. Arvo Pärt, der weltberühmte estnische Pianist und Komponist, hat in diesem Haus gelebt. Auch das ehemalige Gut von Wesenberg, früherer Familiensitz von Tiesenhausen mit einer riesigen, gepflegten Außenanlage nahmen die Teilnehmer der Kulturtage in Augenschein. Dort befindet sich heute ein Theater.

Den Höhepunkt der Reise bildete die Besichtigung der restaurierten Höhenburgruine aus dem 13. Jahrhundert. Sie ist museal hergerichtet und zeigt in verschiedenen Räumen das Leben der Menschen vom 14. bis zum 16. Jahrhundert. Auf dem Hof waren verschiedene Haustiere und Wirtschaftsbereiche zu sehen. Auf dem Burgberg, einem Grundmoränenzug, befand sich in vorgeschichtlicher Zeit eine Festung namens Tarvanpe. 1346 verkaufte Dänemark sein livländisches Herrschaftsgebiet an den Deutschen Orden. Bald danach begann der Orden, die Burg zum Sitz eines Vogtes auszubauen. Im Livländischen Krieg (1558–1581) besetzten die Russen die Burg und errichteten eine weiträumige und unregelmäßige äußere Ringmauer. Nach starken Beschädigungen im 16. und 17. Jahrhundert wurde die Burg aufgegeben. Nach dem Nordischen Krieg (1700–1721) benutzten die Einwohner Rakveres die Festung als Steinbruch, um ihre zerstörte Stadt wieder aufzubauen.

Nach den Kulturtagen verabschiedete man sich wehmütig von Freunden und neuen Bekannten. Ein Gefühl der Gemeinschaft hat sich im Laufe der Jahre stark ausgebildet. Der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien sei herzlich gedankt für ihre tatkräftige Unterstützung!

Foto: © Ivar Leidus / Wikipedia CC BY-SA 3.0 ee

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