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Europäischer Kultursommer in Fellbach: Runenzauber in altem Gemäuer

Maija Kauhanen spielt die KanteleMaija Kauhanen spielt die KanteleVon Thomas Michael, Stuttgart

Im Rahmen des Europäischen Kultursommers in Fellbach kam am Samstag 2. August in einer alten Scheune im Stadtteil Schmiden das finnische Nationalepos „Kalevala“ zu Wort. Das von dem Autor und Regisseur Peter Hauser geleitete Theater im Polygon, eine Jugendtheatergruppe, deren Namen auf die Bauform des Fellbacher Jugendhauses zurückgeht, las Auszüge des Epos in verteilten Rollen vor, wobei Runenversmaß und Prosasprache einander abwechselten. Die fünf Vortragenden standen nicht etwa als Grüppchen nah beieinander, sondern weit auf die Bühne verteilt, was manchen Dialogen einen plastischen Eindruck verlieh.

Unterbrochen, zeitweise auch unterlegt, wurde der Vortrag durch zwei Musikinstrumente - eine zwanzig Saiten umfassende und diatonisch gestimmte Version des finnischen Nationalinstrumentes Kantele (Maija Kauhanen) und ein rundes, mit flachen Händen gespieltes Instrument nach Art einer steel drum (David Hauser), das aber wesentlich sanfter klang und so klanglich zur Kantele passte. Zu Beginn wurde vom Tonträger ein Ausschnitt aus dem zweiten Satz „Ballade“ aus Jean Sibelius' (1865-1957) „Karelia-Suite“ eingespielt, während auf die Rückwand, der ersten Rune des Epos entsprechend, ein Ei projiziert wurde, das aufspringt und das Himmelsgestirn entstehen lässt. Während des Vortrages wurden des öfteren Landschaftsmotive als Videos eingeblendet, deren Erkenntlichkeit leider unter der unebenen, wegen eines Fensters zudem in zwei Hälften geteilten Projektionsfläche litt. Als Stilbruch empfand der Verfasser zwei kurze Einspielungen von Rockmusik.

Insgesamt war es ein stimmungsvoller Abend, der in angemessener Zeit (anderthalb Stunden), stilvoll umrahmt von den alten Mauern und Balken der Scheune und dezent-theatralisch ausgeleuchtet, dem Publikum einen Eindruck des finnischen Nationalepos vermittelte. Die Künstler wurden mit langem Applaus bedacht.

Foto: © Thomas Michael

Fototext: Maija Kauhanen spielt die Kantele

Info:
Musikinstrument Kantele ist eine griffbrettlose Kastenzither, die in Finnland, Karelien und Estland (Estnisch: Kannel) gespielt wird. Im finnischen Nationalepos „Kalevala“ fertigt der alte Zaubersänger Väinämöinen die erste Kantele aus dem Kiefer eines gigantischen Hechts. Aus den Zähnen werden die Wirbel gemacht, für die Saiten werden Rosshaare genommen. Als er sie spielt, kommen alle Tiere des Waldes herbei und lauschen; die Menschen lassen ihre Arbeit ruhen und sind vom Klang ergriffen. Die zweite Kantele fertigt er später aus einer Birke. An der Sibelius-Akademie in Helsinki kann man traditionelles und modernes Kantelespiel studieren. (Quelle: Wikipedia)

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