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Käse aus Estland trotz Sanktionen auf dem russischen Markt

Käselaibe - SymbolbildDie Europäische Union (EU) hatte am 6. März 2014 im Zusammenhang mit dem Ukraine-Konflikt und mit Blick auf das von Moskau angekündigte Referendum über den Status der von Russland annektierten Schwarzmeer-Halbinsel Krim eine Liste von 18 Personen aus der ehemaligen Regierung der Ukraine und deren Umfeld veröffentlicht, die in den Mitgliedsstaaten der Union persona non grata sind. Das Geld- und Sachvermögen der Betroffenen innerhalb der EU wurde dadurch eingefroren.

Später wurde diese Personenliste erweitert. Zudem wurde beschlossen, die Ausfuhr bestimmter Güter und Technologien mit doppeltem Verwendungszweck nach Russland sowie der Erbringung dort damit verbundener Hilfs- und Finanzleistungen zu verbieten. Das betraf vorwiegend Rüstungsgüter, militärische Ausrüstung oder bestimmte Technologien für die Ölindustrie in Russland.

Präsident Wladimir Putin antwortete auf die verhängten Zwangsmaßnahmen mit einem Einfuhrverbot für westliche Lebensmittel. Das Embargo wurde vor kurzem bis Ende 2017 verlängert. Es gilt für landwirtschaftliche Erzeugnisse wie Milchprodukte, Fleisch und fast alle anderen Lebensmittel, wie aus einem von der russischen Regierung veröffentlichten Dekret hervorgeht.

Dennoch haben die Russen im Raum St. Petersburg keine Probleme, estnische Lebensmittel, vor allem Käse, zu kaufen. Wie ist das möglich? Die estnische Tageszeitung Eesti Päevaleht lüftet nun das Geheimnis.

Es sind die einfachen, in der Grenzstadt Narva lebenden Bürger, die estnischen Käse nach Russland bringen. Im Zoll geben sie an, die Lebensmittel seien für ihre dort lebenden Verwandten bestimmt. Erlaubt sei, bis zu fünf Kilo Käse für den Eigenverbrauch über die Grenze mitzunehmen.

Doch in Wahrheit verkaufen die Estlandrussen das bei den Nachbarn beliebte Milcherzeugnis an die Geschäfte der Newa-Metropole. Das Einzelhandelsgeschäft verkauft die Ware dann mit einem hohen Gewinn weiter. Das in Estland hergestellte Molkereiprodukt kostet in der zweitgrößten russischen Stadt doppelt so viel wie im Herkunftsland. Neben Käse kann man in St. Petersburg noch in Estland hergestellte geräucherte Wurstprodukte, Wienerwürstchen, Speiseöl oder Schmand kaufen.

Die Einwohner von Narva bringen die gewünschten Lebensmittel durch den Zoll, und jenseits der Grenze in Iwangorod warten schon die Lieferwagen, um die Ware in die Läden zu bringen.

Einige Zulieferer bringen sogar dreimal pro Tag die von den russischen Geschäften bestellten Lebensmittel über die Grenze – mehr erlauben die russischen Zollbeamten nicht – und verdienen dabei rund 200 Euro pro Monat.

Den Lebensmittelgeschäften geht es jedoch auch in Narva sehr gut. Dort kaufen die russischen Touristen ein, zumeist solche, die von einem Besuch in Tallinn in die Heimat zurückkehren. Im vergangenen Jahr betrugen die tax-free-Geschäfte rund fünf Millionen Euro.

Die estnischen Gesetze verbieten die Ausfuhr der Lebensmittel oder Kleidung nicht. Doch der Verkaufsgewinn sollte versteuert werden. (asie/tmich)

Quelle: Eesti Päevaleht

Symbolfoto: © Das Baltikum-Blatt / AWSiebert

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