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Russland: Oligarch Jewtuschenkow im Hausarrest

Wladimir JewtuschenkowWladimir JewtuschenkowDer russische Milliardär Wladimir Jewtuschenkow (65) wurde in seinem noblen Moskauer Villa unter Hausarrest gestellt, berichten die Medien. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Geldwäsche und Veruntreuung vor. Der Oligarch trägt eine elektronische Fußfessel, er darf sein Haus nicht verlassen, es sind auch keine Telefonate oder das Schreiben von E-Mails erlaubt.

Das Vermögen des Festgesetzten wird auf rund 6,3 Milliarden US-Dollar geschätzt. Er ist mit der Schwester von Jelena Baturina verheiratet, die von dem US-Magazin Forbes als reichste Frau Russlands geführt wurde. Baturina ist mit dem langjährigen Moskauer Bürgermeister Juri Luschkow verheiratet. Seinen Aufstieg hat Jewtuschenkow gerade Luschkow zu verdanken.

Während des Bestehens der Sowjetunion arbeitete der Russe als Fabrikdirektor. Ende der 1980er Jahre ging der jetzige Milliardär in die Politik. Er leitete das Moskauer Städtische Komitee für Wissenschaft und Technik. Später wandelte er die kommunale Behörde in ein Privatunternehmen um. 1993 gründete Jewtuschenkow seine Firma AFK Sistema, die sich hauptsächlich mit Telekommunikation, Mikroelektronik und IT-Services beschäftigt. Zu dem Multiunternehmen des Jewtuschenkow gehört auch die Ölfirma Baschneft.


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Die Nachricht von der Verhaftung des Oligarchen ließ den Kurs seines Mischkonzerns an der Moskauer Börse um 18 Prozent einbrechen. Es wird vermutet, dass hinter der Affäre der staatliche Ölkonzern Rosneft steht, der eine feindliche Übernahme seiner Firma anstrebt. Der Chef des Betriebs, Igor Setschin, ist ein enger Vertrauter von Russlands Präsidenten Wladimir Putin. Vor einigen Monaten versuchte Setschin die Übernahme von Baschneft, doch dies erwies sich zu hochpreisig. Nach absehbarer Zeit begannen dann die Ermittlungen gegen den AFK Sistema-Chef. Es ist durchaus auch möglich, dass das Kaltstellen von Jewtuschenkow eine allgemeine Vorwarnung an Wirtschaftsmanager ist, nicht gegen die anti-westliche Politik des Kremlchefs zu opponieren.

Tatsächlich erwog Rosneft, der größte staatliche Ölkonzern, in diesem Sommer die Übernahme von Bashneft, aber dies erwies sich wohl als zu teuer. Bald darauf begannen die ersten Ermittlungen im Zusammenhang mit der Firma Bashneft, die jetzt mit dem Hausarrest von Jewtuschenkow und dem darauffolgenden Absturz der Bashneft-Aktien ihren vorläufigen Höhepunkt erreichten.

Mit dem Hausarrest von Jewtuschenkow kommen die Erinnerungen an den Fall Michail Chodorkowski hoch. Der Oligarch hatte sich mit Russlands Präsidenten Wladimir Putin angelegt und saß deswegen rund zehn Jahren aufgrund einer Verurteilung wegen Steuerhinterziehung und planmäßigen Betrugs in Haft. Sein Energiekonzern Jukos wurde danach zerschlagen und teils von Rosneft übernommen.

In Deutschland wurde Jewtuschenkows Name im Jahr 2005 bekannt. Damals wollte der reiche Russe sich beim Telekom einkaufen. Doch der deutsche Nachrichtendienst BND warnte und das Geschäft platzte.

Fotoquelle: Dyor / Wikipedia


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