Google+
Werbung


Russlands Volksheldin korrigiert ihre Aussage

Russlands Weltmeisterin im Stabhochsprung, Jelena Issinbajewa ist bei ihrer umstrittenen Aussage in Moskau zum Homo-Antipropagandagesetz zurück gerudert - wohl den Rat ihrer PR-Berater folgend. „Englisch ist nicht meine Muttersprache und ich glaube, ich bin gestern falsch verstanden worden“, sagte sie am Freitag (16. August) laut einer vom Leichtathletik-Weltverband IAAF ausgegebene Mitteilung. Nach ihren weltabgewandten Anmerkungen stand Issinbajewa prompt negativ in der internationalen Schlagzeilen. Es ist nicht auszuschließen, dass sie mit der Korrektur ihrer Äußerungen ihre millionenschweren Werbeverträge retten wollte.

Die dreifache Weltmeisterin erklärte am Tag danach, sie habe sagen wollen, „dass die Menschen Gesetze in anderen Ländern respektieren sollten, vor allem wenn sie Gäste sind“. Sie wiederum respektiere die Ansichten anderer Athleten. „Mit größtem Nachdruck“ sprach sich Issinbajewa nun gegen die Diskriminierung von Homosexuellen aus.

Ein Tag vorher hat die Leichtathletin die westliche Protestaktionen gegen das russische Gesetz, in dem sexuelle Minderheiten diskriminiert werden, scharf kritisiert: „Es ist nicht respektvoll gegenüber unserem Land und unseren Menschen“, brachte 31-Jährige Athletin vor. „Wenn wir erlauben all dieses Zeug auf den Straßen zu tun, müssen wir Angst um unsere Nation haben, weil wir selbst Normalbürger sind. Wir hatten diese Probleme in der Geschichte nicht und wir wollen sie in der Zukunft nicht haben. Bei uns leben Männer mit Frauen, Frauen mit Männern,“ wurde die Doppel-Olympiasiegerin in der Medien zitiert.

Ob nach Issanbajewas halbherziger Korrektur-Aussage die Weltöffentlichkeit ihr Glauben schenkt, ist allerdings fraglich. Vielmehr dürfte Sportlerin ihrer Worte wegen ihren Posten als Botschafterin für die Organisation Peace and Sport, relativiert zu haben. Dort ist sie für Toleranz unter Jugendlichen zuständig.

Amtliche Abmahnung an Emma Green Tregaro
In der Hochsprung-Qualifikation hatte Emma Green Tregaro mit ihrem Protest gegen das sexuelle Minderheiten diskriminierende Gesetz für viel Rummel gesorgt. Vor allem bezeichnete die russische Vorzeigeathletin Issinbajewa die Aktion der Schwedin, ihre Fingernägel in Regenbogenfarben, als respektwidrig.

Gemäß dem russischen Anti-Werbungs-Gesetz sollte Green Tregaro eigentlich gemeinsam mit ihrer Teamkamaradin, Moa Hjelmer und den US-Amerikaner Nick Symmonds im Gefängnis sitzen, weil davon auszugehen ist, dass nicht alle Zuschauer im Luschnike-Station über 18 Jahre waren. Symmonds mit seiner Aussage und die Schweden-Damen mit ihren bunt lackierten Fingernägel haben laut Auffassung von Russen an der „Popularisierung der Attraktivität der Homosexualität“ teilgenommen. Somit dürfen sie laut neuen Paragraphen für 15 Tage festgenommen und danach aus der Russland verwiesen werden. Als Bonbon können die Behörden dazu noch eine saftige Geldstrafe, bis zu etwa 2500 Euro als Abschiedsgeschenk in die Heimat mitgeben.

Auch im WM-Finale beabsichtigte die skandinavische Hochspringerin mit Regenbogen-Fingern im Luschniki-Arena zu demonstrieren. Doch zuvor wurde sie vom IAAF abgemahnt. Laut dessen Charta ist es Sportlern untersagt, während eines Wettkampfes politische Aussagen zu machen. Bei einem Verstoß droht die Disqualifikation. Im Schlusskampf am Samstag (17. August) trat die 28-Jährige Schwedin mit rotlackierten Nägel an und belegte den fünften Platz. Die WM-Spiele gehen heute in Moskau zu Ende. Jetzt kann 31-Jährige Issinbajewa endlich ihr Freund heiraten und lang ersehnte Baby bekommen. Langsam wird wieder Ruhe in das Putin-Land einkehren.

Aber es wird wohl nur Ruhe vor dem neuen Sturm sein. Schon im sechs Monaten beginnen in Sotschi die olympische Winterspiele. Am Schwarzmeer-Metropole regiert dann Jelena Issinbajewa als Bürgermeisterin des Olympiadorfes. In Sotschi geht es nicht alleine um innenpolitische Unterdrückung der Bürger, wie bei der Olympia 2008 in Peking. In der chinesischen Hauptstadt haben zu jener Zeit blutige Unruhen in Tibet die Sportveranstaltung nur mittelbar beeinflusst. In Russland dagegen sind die Olympiateilnehmer selbst von einem Erlass betroffen, das auf ihr persönliches Privatleben, besonderes den Intimbereich, abzielt. (asie)

 

Folgen Sie uns auch auf Facebook und Twitter ,um immer auf dem Laufenden über Nachrichten aus aller Welt zu bleiben.



Werbung
Werbung
y