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Estland: Früheres Sowjetbergbaugelände als Touristenattraktion

YouTube-Film von Alari Teede und Meelis Võsu, Foto: ScreenshotYouTube-Film von Alari Teede und Meelis Võsu
Foto: Screenshot
Rummu ist ein Dorf unweit der estnischen Hauptstadt Tallinn in der Gemeinde Vasalemma (Landkreis Harjumaa). Während der Sowjetära befand sich hier das berüchtigte Gefängnis von Murru. In ihm saßen rund 1600 Menschen ein, darunter einige zu lebenslanger Haft Verurteilte. Der Ort ist auch bekannt für den Abbau von Kalkstein – auch „Marmor von Vasalemma“ genannt – und durch ein Schotterwerk.

Der Tagebau wurde in Rummu im Jahr 1938 hinter der Haftanstalt eingerichtet, als hier die Kalk- und Marmorfabrik von Vasalemma gegründet wurde. Als Bergarbeiter dienten die Insassen des Gefängnisses Murru. Sie mussten von Hand große Kalksteinbrocken abbrechen und danach aus den gewonnenen Stücken unter anderem Treppenstufen schleifen. Nachdem die sowjetischen Kommunisten Estland okkupiert hatten, wurde aus dem Kalkstein Schotter hergestellt.

Insassen des Gefängnisses von Murru 1938 im Bergwerk Foto: Nationalarchiv EstlandsInsassen des Gefängnisses von Murru 1938 im Bergwerk
Foto: Nationalarchiv Estlands
Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1991 und der Wiederherstellung der Unabhängigkeit Estlands wurde das Bergwerk stillgelegt, denn für den Kies fand man keinen Abnehmer mehr. Ohne Pumpen füllte sich der damalige Steinbruch mit Wasser, und so ist ein Bergbausee entstanden. Dabei wurden auch die Fabrikgebäude teils überflutet. Neben dem gesunkenen Werk ist zudem ein Kiesberg zu sehen, der aus den Resten des ehemaligen Bergwerkes entstanden war.

Sowohl Einheimische als auch Touristen haben das historische Gelände schnell für sich entdeckt. Menschen lieben nun einmal dramatische Orte. Im Winter, wenn das Wasser gefriert, entsteht aus dem versunkenen Tagebau eine Wintersportarena. Sehen Sie hier ein Video von Alari Teede und Meelis Võsu. Im Sommer diente der ehemalige Tagebau Rummu als Freibad und war ein beliebter Ort für Sporttaucher.

Doch das ehemalige Bergbaugelände war nicht für den Massentourismus gedacht. Dem neuen Besitzer, Rummu Invest, der das Gelände nach der Schließung der Haftanstalt dem Staat abgekauft hatte, bereitete die Situation lange Kopfschmerzen. Viele Besucher sprangen nämlich von den Ruinen ins Wasser, die Wasserqualität war zudem nicht gut, und der Eigentümer war nicht bereit, Verantwortung für mögliche Unfälle oder Gesundheitsschäden zu übernehmen. Deshalb ist das Gelände offiziell für Fremde gesperrt und wird auch überwacht.

Hier noch faszinierende Fotos von Ringa Kedelauk

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