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Meeresmüll

Möve im StrandgutVon Ülo Salm, Berlin

Am 1. Juni fand unter dem Titelthema in der estnischen Botschaft in Berlin ein Themenabend statt. Es ging um die Vermüllung der Weltmeere, insbesondere der Ostsee.

Inzwischen ist einer weiten Öffentlichkeit bekannt, dass Plastik und anderer Müll nach wie vor in erschreckend großem Umfang in den Ozeanen landet, die größte Menge in Asien. Insgesamt geraten jährlich rund zehn Millionen Tonnen Müll in die Meere, vorwiegend aus Plastik. Dazu gehören Verpackungen, Folien, Flaschen, Beutel, Netze, Taue, Hygieneartikel über Wattestäbchen bis zu Kondomen, Einwegfeuerzeuge u.a.

Man kennt aus Fernsehbildern das Elend von Meerestieren, die sich in verlorenen oder einfach durch Kappung der Taue entsorgten Fischnetzen, sogenannten Geisternetzen, verfangen und dort grausamen zu Grunde gehen. Darunter sind nicht nur Fische, sondern auch Robben, Delphine, Meeresschildkröten und andere große Lebewesen. Man schätzt, dass pro Jahr rund 640.000 Tonnen dieser Fangmittel zu Meeresmüll werden.

All der Plastikmüll zersetzt sich durch Wasser und Wind in kleinere Teile bis zu mikroskopischen Partikeln, die kleinsten nur noch in Mikrons (ein Millionstel Meter) messbar. Sie schaden nicht nur den Tieren, sondern sind auch für uns Menschen gefährlich. Mehr und mehr findet man in Speisefischen Plastikrückstände, womit diese letztlich auf unseren Tellern landen. Noch sind keine Fälle bekannt, in denen der Kunststoff beim Menschen zu gravierenden gesundheitlichen Schäden geführt hat, wohl aber bei Vögeln, die wegen des unverdaulichen Plastik im Magen nicht mehr fressen können und verhungern.

Verstärkt werden diese schlimmen Effekte vor allem in der Ostsee auch noch dadurch, dass bis zur politischen Wende und dem Zusammenbruch der „sozialistischen“ Systeme ohne jede Rücksicht auf die Umwelt seitens der Ostblockländer eine massenhafte Einleitung von Giftstoffen und sogar nuklearen Abfallmaterial in die Ostsee stattfand, was letztendlich noch die Entsorgung von ungeheuren Mengen Kriegsmaterials, vor allem Munition, aus dem letzten Weltkrieg getoppt hat. Über dieses Problem wird bisher geredet und geplant, aber konkrete Maßnahmen gibt es noch nicht.

Ohne erhebliche Reduzierung und letztlich Eliminierung des Anfalls von Plastikmüll droht mittelfristig eine Umweltkatastrophe, die nicht nur negative Folgen für die Gesundheit der Menschen, sondern auch wirtschaftliche Schäden verursachen würde. Leider werden die bitter notwendigen Entscheidungen erfahrungsgemäß erst dann getroffen, wenn massive wirtschaftliche Schäden drohen oder bereits eingetreten sind.

Aber es gibt auch andere erfreuliche Kräfte. Eine estnische Initiative, nämlich die „Clean up“-Kampagne „Teeme Ära“ (die beste Übersetzung ist das englische „Let’s do it“) hat es geschafft, innerhalb von zehn Jahren überall auf unserem Planeten Säuberungsaktionen durchzuführen.

Inzwischen hat ihre globale Aktivität 380 Millionen Menschen in 150 Ländern erfasst. Noch in diesem Jahr findet am 15. September unter der Leitung von „Teeme Ära“ der „World Cleanup Day“ statt. Unabhängig von solchen Aktionen bleibt zu hoffen, dass weiterhin in größerem Umfang Veröffentlichungen stattfinden, die auf die Missstände hinweisen und hoffentlich dazu führen können, dass auch die breite Masse der Bevölkerung ihr Verbrauchsverhalten und ihre Entsorgungsgewohnheiten ändert.

Am Themenabend beteiligten sich auch das Umweltministerium Estlands, das Auswärtige Amt, das Leibniz-Institut für Ostseeforschung und die estnische Botschaft. Man kann nur wünschen, dass noch mehr solcher Veranstaltungen stattfinden und in der Öffentlichkeit die nötige Aufmerksamkeit erregen.

Symbolfoto: © Das Baltikum-Blatt

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