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Venezuela übergibt Costa Rica von Esten konfiszierte Kunstgegenstände

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Harry Männil, BuchumschlagHarry Männil, BuchumschlagVenezuela hat dem Nationalmuseum von Costa Rica fast 200 Kunstgegenstände aus der Zeit vor Columbus übergeben übergeben, die das südamerikanische Land von dem estnischen Geschäftsmann und Kunstsammler Harry Männil konfisziert hatte. Die Beschlagnahmung im Jahr 2009 fand statt, als Männil versuchte, die Indianerkunst in die Vereinigten Staaten zu bringen. Weitere, ursprünglich aus Costa Rica stammende Gegenstände wurden von seiner Familie nach dem Tod des Esten konfisziert. Die juristische Grundlage für die Beschlagnahmung der antiken Kunst ist unklar, weil Venezuela, wo Männil seit dem Kriegsende wohnte, keine Anklage erhoben hatte.

Harry Männil wurde 17. Mai 1920 in Tallinn in die Familie eines Eisenhändlers geboren. Nach dem Abitur 1938 am Gustav Adolf Gymnasium studierte er Wirtschaft an den Universitäten in Tallinn und Tartu. Als die Rote Armee Estland okkupierte und estnische Männer rekrutieren wollte, flüchtete Männil 1941 in den Wald. Nachdem die Wehrmacht am 22. Juni die Sowjetunion überfallen hatte und die russischen Sreitkräfte sich zurückzogen, kam der Este zur Sicherheitspolizei. Warum er schon ein Jahr später wieder gehen musste, ist nicht bekannt. Nachgewiesen ist, dass Männil in der Registratur arbeitete und seine Aufgabe darin bestand, Informationen zu sammeln und zu bearbeiten. Er hatte nachweislich nie an Verhören oder Ermittlungen teilgenommen. 1943 ging Männil nach Finnland und von dort aus weiter nach Schweden.

1955 heiratete Männil Mazula D´Empaire und bekam mit ihr vier Kinder. Der Geschäftsmann – viele Jahre leitete er eines der größten Unternehmen Venezuelas, die ACO-Group – war auch als Sammler der Indianerkunst vor der Columbus-Zeit und als Kunstmäzene bekannt.

Schuld nicht bewiesen

Das Simon Wiesenthal - Zentrum beschuldigte Männil viele Jahre, ein Kriegsverbrecher gewesen zu sein. Er stand auch auf der Liste der meistgesuchten Nazi-Kriegsverbrecher. Nazijäger warfen ihm vor, während seiner Arbeit für die estnische Sicherheitspolizei im Verlauf der Deutschen Besatzung in Estland 1941 und 42 mehrere Menschen, vor allem Juden, ermordet zu haben. Die Staatsanwaltschaft in Estland hat die Ermittlungen gegen Männil im Jahr 2005 eingestellt, denn die Behörde konnte keine Hinweise auf seine Verbrechen gegen die Menschlichkeit finden.

Als Männil 2001 Estland besuchte, versicherte er in einem Interview für die Tageszeitung „Postimees“ und der Baltischen Nachrichtenagentur BNS, niemals mit Nazis gegen Juden zusammengearbeitet zu haben. „Ich habe in unseren Diensträumen nie einen Deutschen gesehen,“ sagte Männil. Er brachte vor, dass die Sicherheitspolizei damals junge Männer mit Sprachkenntnissen gesucht hatte und dass er dem estnischen Staat dienen wollte. 1943 hatte er laut Eigenaussage Estland verlassen, weil die deutsche Geheimpolizei, die Gestapo ihn verhaften wollte.

Wurde Männil denunziert?

Die Wochenzeitung „Eesti Ekspress“ berichtet, dass ein Deutscher Namens Wolfgang Sonnenfeld Männil beschuldigte, Nazi zu sein. Der Este wollte in Helsinki sein abgebrochenes Studium wieder aufnehmen und brauchte dafür eine Aufenthaltserlaubnis und ein Stipendium, was er in Stockholm beantragen musste. Sonnenfeld, Sekretär der Komitees für Studentenhilfe, lud Männil zum Abendessen ein. Dort bemerkte der Student, dass Sekretär schwul war und mit ihm eine intime Beziehung eingehen wollte. Weil der Este damit nicht einverstanden war, hatte Sonnenfeld ihn angezeigt. Die schwedische Polizei ist den Beschuldigungen nachgegangen.

Roland Lannes gab zu Protokoll, dass Männil, so habe er gehört, an der Erschießung von Juden, Kommunisten und estnischen Patrioten teilgenommen und deren Vermögen an sich genommen habe. Seine Vorhaltungen konnte der Zeuge indes nicht beweisen.

Ilmar Roots erklärte, dass Männil im Dezember 1941 aus dem Dienst entlassen wurde, weil er Vermögen estnischer Staatsbürger an sich genommen hatte. Roots fügte jedoch bei, er wisse nicht, ob die Gerüchte stimmen oder nicht. Bewiesen ist, dass Männil erst am 10. Juni 1942 entlassen wurde.

Ein Arbeitskollege des Beschuldigten, Uno Andrusson, bezeugte, dass in der Regel die jungen Assistenten, also auch Männil, die Verdächtigen festnahmen hatten. Doch Männil hatte sich immer korrekt verhalten. Nicht strittig ist, dass Männil als Sicherheitspolizeibeamter in der Tat die Juden verhörte, doch das gehörte zu seinen Tätigkeitsbereich – er war eingestellt, um Informationen zu sammeln.

Ein weiterer Kollege, Valfrid Jaarma, brachte vor, dass Männil nach seiner Entlassung Geschäfte mit Gold und Wertgegenständen machte, die estnische Flüchtlinge in Finnland bei sich hatten. Jaarma sagte: „Männil war begabt, doch kalt.“ Der Beschuldigte selber dementierte die Aussagen.

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