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Leserbrief: Baltikum-Blatt vom 19.11.2015:Ex-Priester Krzysztof Charamsa vergleicht den Vatikan mit dem Islamischen Staat

von Thomas Michael, Detmold

Ein hier veröffentlichter Artikel berichtet über den Hinauswurf eines schwulen Geistlichen aus der katholischen Kirche. Der gefeuerte polnische Geistliche Krzysztof Charamsa habe die katholische Kirche in einem Interview scharf angegriffen und sie mit dem IS verglichen, nur dass sie nicht physisch töte sondern "psychologisch, mit ihrer rückwärtsgewandten Haltung." Solange der Vatikan nicht offen die Erlaubnis zur Bestrafung Homosexueller verurteile, mache er sich zum Komplizen des homophoben Terrors. Das Interview hatte vor den Pariser Angriffen stattgefunden, darf also nicht mit diesen in Verbindung gebracht werden.

Religionen müssen zeitgemäß interpretiert werden. Ob nun Katholiken, Anthroposophen oder Moslems den Segen eines Rückfalles ins Mittelalter predigen, geht letztendlich auf das Gleiche hinaus - Propaganda zugunsten eines Verbleibens in veralteten Sachzwängen oder einer Rückkehr dorthin. So sehr ich mir der Risiken und Nebenwirkungen des öffentlichen Zurschaustellens neumodischer Freiheiten bewusst bin (zB unliebsame sexuelle Erregung von Passanten durch wilde FKK), so sehr bin ich gegen ihre prinzipielle Ächtung. So wie das biblische Gebot der Untertänigkeit der Frau nicht mehr zeitgemäß ist und das biblische Vermehrungsgebot längst zum Schaden Aller übererfüllt ist, gibt es in der islamischen Religionsausübung Alltagslebensregeln, die aus dem arabischen Mittelalter stammen und, anders als die eben erwähnten biblischen, dem Vernehmen nach nicht einmal im Koran stehen. Die monotonen, als Handlungen bezeichneten anthroposophischen Gottesdienste sind meines Wissens nie an die allgemeine Entwicklung angepasst worden; es soll in der Christengemeinschft sogar ein Amt geben, das darin besteht, darüber zu wachen, dass jede Veränderung der Liturgie unterbleibt. Versteinert - im doppelten Sinn des Wortes. Ob die Diskriminierung unverheiratet Liebender, wie ich sie bis in die neunziger Jahre bei Anthroposophen noch beobachtet hatte, heute noch so krass gehandhabt wird, entzieht sich indes meiner Kenntnis. Eine passende Lektüre: Charlotte Rudolph, Waldorf-Erziehung, Wege zur Versteinerung. August 1987, Luchterhand-Sammlung 727, ISBN 3-630-61727-1

Die Weltfremde mancher Dogmen würde in den nordischen Ländern ernste Probleme verursachen, beispielsweise solcher, die sich am Sonnenstand orientieren wie die Zubereitung von Demeter-Düngepräparaten oder der islamische Ramadan. Durch die Ignoranz gegenüber natürlichen Gegebenheiten wird die Weltfremde der Dogmen bewiesen.

 

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