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Die Welt ist bunt auf Putin´s Olympia

 

Von Aino Siebert

In dem Fischt-Stadion der Schwarzmeermetropole bot Russland bei der Eröffnungsfeier den Besuchern ein buntes und vielfältiges Programm unter dem Motto „Dreams of Russia“ (Russlands Träume) an. Wie die ZDF-Russland-Korrespondentin Anne Gellinek berichtete, war ihrer Meinung nach das Stadion nicht ganz ausverkauft, leer gebliebene Plätze wurden mit freiwilligen Helfern besetzt. Auch im Ticker des Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) war zu lesen: „Noch acht Minuten bis zum Beginn der Feier, viele Sitze sind noch leer.“ Das Fischt-Stadion bietet Platz für 40.000 Zuschauer.

Kremlsprecher Dmitri Peskow zufolge wurden etwa 40 Staats- und Regierungschefs erwartet. Präsidenten wie Barack Obama (USA), Joachim Gauck (Deutschland), François Hollande (Frankreich), Toomas Hendrik Ilves (Estland) oder Dalia Grybauskaitė (Litauen) waren nicht nach Sotschi gekommen. Estland war in der Olympiastadt durch Premierminister Andrus Ansip vertreten. Er sagte zu den estnischen Medien, dass es besser sei, das Geld für Olympia als für die Waffen auszugeben. Aus Lettland war Präsident Andris Bērziņš eingereist.

Zu den Ehrengästen gehörte auch Altbundeskanzler Gerhard Schröder. Der Sozialdemokrat hatte Putin schon vor Jahren „als lupenreinen Demokraten“ bezeichnet. So gehört „ Gas-Gerd“, so wird er wegen seinem Aufsichtsratsplatz bei dem russischen Energieriesen Gazprom in Deutschland genannt, zu dem näheren Freundeskreis des Kremlchefs. Der Fischt, nach dem das Stadion benannt ist, ist ein 2000 Meter hoher Berg im Kaukasus.IOC-Präsident Thomas BachIOC-Präsident Thomas Bach

Soldatenchor machte Stimmung
Das Programm begann, wie in Russland letztlich üblich, mit dem Auftritt eines Soldatenchors - diesmal desjenigen vom Innenministerium. Stolz uniformierte Männer interpretierten »Get Lucky« von Grammy-Preisträger Daft Punk. Das Ton blieb trotzdem militärisch.

Der russische Chef des Organisationskomitees Dmitri Tschernyschenko versprach in seiner Eröffnungsrede: „Unsere Spiele werden heiß mit der Wärme in unseren Herzen." Die Funktionäre wollten sowohl den eigenen Landsleuten als auch der ganzen Welt ihre Macht, besiegelt mit Wärme, präsentieren. Warum der Premierminister Dmitri Medwedjew dabei eingeschlafen ist, ist nicht überliefert.

„Heute Abend schreiben wir ein neues Kapitel in der olympischen Geschichte. Dies sind die ersten Olympischen Spiele im neuen Russland", betonte Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) Thomas Bach. Den Teilnehmern sagte der Deutsche: „Respektiert die Regeln, kämpft fair, seid sauber und habt Respekt vor euren Gegnern." Kein Wort zu Menschenrechtsverletzungen. Kein Wort zu der Vergewaltigung der Umwelt bei der Erstellung der Sportstätten. Kein Wort zu den Gastarbeitern, welche die Olympiagebäude unter schwierigen Bedingungen und oft ohne Lohn erschaffen hatten. Wie in den Medien zu lesen ist, waren zum Zeitpunkt der Eröffnung noch nicht alle Baumaßnahmen beendet.Der EispalastDer Eispalast

UN-Generalsekretär Ban Ki-moon wurde lauwarm begrüßt. Denn er hatte den Mut zu betonen, dass die Achtung der Menschenrechte zu den olympischen Werten gehört. Putin selbst hatte vorher dazu aufgerufen, beides voneinander zu trennen.

Zeitreise ohne rote Flecken
Rund 9000 künstlerische Darsteller zeigten eine historische Zeitreise durch die russische Geschichte, die bei den Zuschauern viele Emotionen auslöste. Doch die Vergangenheit war glattgebügelt: Die Stalin-Ära mit ihren grausamen Schauprozessen und GULAG-Opfern, der Zweite Weltkrieg mit Millionen Toten und auch die Nach-Kriegszeit mit Verfolgung von Regimekritikern wurde dabei übersprungen. Die vom künstlerischen Leiter Alexander Ernst mit großem Aufwand inszenierte Show zeigte eine Darbietung, die Russlands negatives Image in der Welt aufzupolieren versuchte. Da passten keine roten Flecken hin. Das imperiale Programm wurde von klassischer Musik und Balletteinlagen des berühmten Moskauer Bolschoi Theaters begleitet. Viele, darunter auch ZDF-Korrespondentin Gellinek dachten dabei an den schwerverletzten künstlerischen Leiter des Theaters, Sergei Filin, dessen Gesicht als lebendiger Beweis für die blutigen Intrigen hinter der Kulissen steht.

Belohnung für Freunde Putin´s
Glanzstücke von Präsident Wladimir Putin´s patriotischer Show waren die offizielle Eröffnung der ersten Winterspiele in Russland durch den Kremlchef persönlich, die Entzündung der olympischen Flamme und der Einmarsch der Mannschaften. Für die Bundesrepublik trug Ski-Doppelolympiasiegerin Maria Höfl-Riesch die Fahne, für Estland der Skiläufer Indrek Tobreluts, für Lettland der Eishockeyspieler Sandis Ozoliņš und für Litauen der Eiskunstläufer David Stagniūnas. Für das Gastgeberland Russland trug der Bobpilot Alexander Subkow die Fahne.

Prominente Putin-Freunde und Politiker seiner Partei „Einiges Russland“ gestalteten die Höhepunkte der Feier: Die Eiskunstlauf-Legende Irina Rodnina (Olympiasiegerin von 1972, 1976 und 1980) und Eishockey-Star Wladislaw Tretjak (Olympia-Sieger von 1972, 1976 und 1984) entzündeten würdig das Olympische Feuer. Die sowjetische Sportlegenden hatten ihre aktive Karriere schon vor etwa 30 Jahren beendet. Vorher wurde die olympische Fahne, unter anderem von dem Dirigenten Valery Gergiew und der ersten weiblichen Kosmonautin Walentina Tereschkowa hereingetragen und gehisst. Gergiew stand vor kurzem in München wegen seine homophobe Äußerungen in der Kritik. Weltstar und Putin-Freundin, Sopranistin Anna Netrebko, sang dazu die Olympische Hymne.

Die erfolgreiche russische Tennisspielerin Maria Scharapowa brachte die Fackel als erste ins Stadion, ihr folgte unter anderem Alina Kabajewa. Das Pikante: Der 30-Jährigen Olympiasiegerin von 2004 in der Sportgymnastik wird eine Liebelei mit Putin nachgesagt. Seit 2007 sitzt Kabajewa auch in der Duma, dem russischen Parlament – für die Putin-Partei. In Russland ist die Beziehung längst ein offenes Geheimnis. Nachdem die Zeitung „Moskowski Korrespondent“ 2008 darüber berichtete, wurde sie eingestellt – offiziell wegen finanzieller Probleme.

Lange und pannenreiche Reise des Olympischen Feuers

Das Olympische Feuer wurde in Griechenland vor den Ruinen des Hera-Tempels mit Hilfe eines Parbolspiegels entzündet und an 123 Tagen von 14.000 Fackelträgern insgesamt 65.000 Kilometern durch ganz Russland getragen. Bei dem längsten nationalen Fackellauf in der Geschichte der Olympischen Winterspiele war das Olympische Feuer unter anderem im Weltraum gewesen. Unterwegs verlöschte das Feuer jedoch an die hundert Mal.

Die olympische Winterspiele dauern bis zum 23. Februar an. In Sotschi sind rund 2900 Athleten aus 88 Ländern angereist um ihre sportliche Kräfte zu messen. Der Eröffnungsfeier folgten nicht nur Zuschauer und geladene Staatsgäste im Fischt-Stadion, sondern auch drei Milliarden Menschen vor der Fernsehern. In Deutschland folgten der Veranstaltung laut ZDF Angaben etwa neun Millionen Sportbegeisterte. Die Wettkämpfe finden in der nahegelegenen Bergregion Krasnaja Poljana statt.

1300 Medaillen sind zu vergeben - ein Rekord. Auch bei der Zahl der politischen VIP-Gäste stellt Sotschi mit rund 60 Staats- und Regierungschefs einen neuen Rekord auf. Im Anschluss an die 22. Olympischen Winterspiele werden in dem Schwarzmeer-Badeort vom 7. bis 16. März die 11. Winter-Paralympics ausgetragen. Mit fast 50 Milliarden Euro gilt das internationale Sportevent als teuerste in der Geschichte der olympischen Spielen.

Beim Berichterstattung ist nicht nur Sport im Fokus
Für ZDF-Chefredakteur Dr. Peter Frey steht auch nach der Eröffnungsfeier nicht nur der Sport im Fokus: "Das deutsche Publikum interessiert sich für beides: Sport und Politik. In einer gelungenen Kombination hat Russland-Korrespondentin Anne Gellinek bei der Eröffnungsfeier den Zuschauern Putins Reich erklärt und Sportkommentator Wolf-Dieter Poschmann Vorfreude auf die sportlichen Höhepunkte gemacht. So werden wir es auch in den nächsten Tagen halten: Wir werden faszinierende Wettkämpfe von einem Ort präsentieren, der bisher auf der Landkarte des Wintersports nicht verzeichnet war, aber auch weiter kritisch über die Hintergründe aufklären und zeigen, was diese Olympischen Spiele für die russische Gesellschaft bedeuten."

ZDF-Sportchef Dieter Gruschwitz ist davon überzeugt, dass das Interesse am Wintersport bei den Zuschauern nach wie vor groß ist: "Dies war ein gelungener Einstieg in die Berichterstattung von den Olympischen Spielen. Dass die Eröffnungsfeier noch besser eingeschaltet war, als die vor zwei Jahren in London, ist ein Beleg für das große Interesse an den Olympischen Spielen in Sotschi."

 

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