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Die Redaktion des Baltikum-Blattes wünscht allen Leserinnen und Lesern frohe Osterfeiertage


Helene Fischer und der Chor der Roten Armee

 

Von Aino Siebert

Die ganze demokratische Welt spricht zur Zeit über Menschenrechtsverletzungen in Russland. Staatschefs der freien Republiken, wie aus der USA, Deutschland, Frankreich oder Großbritannien haben ihre Reisen zur Winterolympiade in der russischen Sotschi abgesagt. Mit ihrer Verweigerung, Wladimir Putins Prestigeprojekt zu besuchen, setzen sie ein (stilles) Zeichen gegen die menschenverachtende Politik des Kreml-Herrschers. Mit dem internationalen Sportereignis will ehemaliger Geheimdienstler vor allem für sich selbst ein Denkmal setzen, sein Land als modern und erfolgreich präsentieren. Doch die Realität sieht anderes aus.

Olympische Winterspiele sind für Wladimir Putin eine Chefsache. Das internationale Sportereignis ist sein Prestigeobjekt. Um seinen Schein zu retten, ist Ex-KGB-Mann bereit alles zu tun. Drohen, schmeicheln, tonnenweise Geld ausgeben, Korruption dulden, seine Feinde, politische Gefangene, frei lassen. Als es danach aussah, dass die geplanten Sportstätten nicht bis zum 7. Februar fertig werden, drohte Putin mit harten Strafen und ließ strenge Kontrollen auf der Baustellen einrichten. Russlands Präsident hat auch erfolgreich gegen Umweltaktivisten gekämpft, denn für sein geplantes Superprojekt wurde bis dato unberührte schöne Natur grausam „vergewaltigt“.

Platt wurden auch die Einwohner gemacht. Wie der Bürgermeister von Sotschi, Anatoli Pakchomow bekannt gab, wurde etwa 480 Millionen Euro für die Umsiedlung von Bürgern in neue Wohnungen ausgegeben. Die Menschen mussten, ohne das jemand ihre Meinung dazu erfragte, ihre vertrauten Heime verlassen, berichtete die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch. Nur einige von ihnen wurden entschädigt, denn irgendwann war der Geldtopf leer. Die Einwohner, die bleiben dürften, müssen in ihren Häusern oft im Dunkeln sitzen, berichtete ZDF-Korrespondentin Anne Gellinek in ihren Reportage. Während der fertig gebaute Stadien schon Strom haben, ist die Energieversorgung der Privathäusern gleichzeitig unterbrochen – die Versorgungskapazität der Leitungen reicht halt nicht aus.

Enttäuscht wurden auch die Einheimischen, die auf eine Arbeitsstelle auf dem Olympiaprojekt gehofft hatten. Statt eigene Fachkräfte wurden billige Gastarbeiter aus den Republiken der früheren Sowjetunion engagiert, die im großen Gruppen in kleinen Containern leben. Viele klagen über unmenschliche Lebensbedingungen, lange Arbeitstage und Hungerlöhne.

Im Juni vergangenen Jahres unterschrieb der Kremlchef noch ein sogenanntes Gesetz gegen Homopropaganda, es verbietet positive Aussagen über Gleichgeschlechtlichkeit in Anwesenheit von Minderjährigen. Es sind „rechtsstaatlichen Defizite“, wie Bundespräsident Gauck es formulierte.

Auch Show-Stars haben Vorbildfunktion
Helene Fischer gehört zu den Shootingstars der vergangenen Jahre. Sie ist nicht nur eine der erfolgreichsten und beliebtesten Schlagersängerinnen Deutschlands, sondern sie hat sich auch als Schauspielerin und Moderatorin in Deutschland einen Namen gemacht. Der Fernsehkanal ZDF widmete ihr zu Weihnachten (25. Dezember 2013) eine eigene Show, die etwa drei Stunden dauerte.

Fischers Album „Farbenspiel“ war die beliebteste Musik-CD des letzten Jahres. Man kann davon ausgehen, dass das Multitalent auch im diesem Jahr die Spitze der Charts in Deutschland halten wird.

Somit hat auch Helene Fischer eigentlich einen Vorbildfunktion. Genau so wie führende Politiker. Nur jetzt hat ihr Image einen Kratzer bekommen, denn sie hat in ihre Weihnachts-Show neben vielen bekannten Musikstars auch The Red Army Choir (Chor der Roten Armee) mit dem französischen Tenor Vincent Niclo eingeladen www.youtube.com.

Die Rotarmisten aus Russland traten auf der Bühne mit ihren Prachtuniformen auf – damit wollten sie auf die Macht des heutigen Russland hinweisen. Macht eines Landes, wo nicht nur die Rechte von sexuellen Minderheiten, sondern auch die von Dissidenten tagtäglich verletzt werden. Das haben vor allem die langen Haftstrafen von Michail Chodorkowski und Pussy-Riot-Sängerinnen Nadeschda Tolonnikowa & Maria Aljochina im Straflagern, aber auch das Putin-Schwert am Kopf des Regimekritikers Alexei Navalny deutlich gezeigt.

Doch dies beeindruckte populäre deutsche Sängerin nicht: Zwischen den Rotarmisten schwebte Helene Fischer wie eine Unschuldsgöttin, als hätte sie nie über die menschenverachtenden Zustände im Putin-Reich gehört. Dies scheint aber unwahrscheinlich, denn Fischer ist 1984 in Krasnojarsk (Sibirien), damals noch Sowjetunion, geboren. Ihre Eltern sind Russlanddeutsche, die ebenso unter dem kommunistischen Regime zu leiden hatten. Die Großeltern von Helen Fischer waren nämlich Wolgadeutsche, die 1941 nach Sibirien deportiert wurden. Als die Sängerin vier Jahre alt war, siedelten ihre Eltern 1988 mit ihr und ihrer sechs Jahre älteren Schwester nach Wöllstein in Rheinland-Pfalz aus.

Vor diesem Hintergrund muss man wundern, mit welchen Leichtigkeit Fischer mit den Rotarmisten flirtet.

Dennoch: Fischer scheint nicht die einzige sein, der sich mit den Armee-Jungs schmückt. Auf Einladung von Celine Dion sang der Red Army Choir mit Vincent Niclo im November 2013 acht Konzerte mit der kanadischen Popdiva in Paris.

Der Chor hat in Vatikan auch für Papst Johannes Paul II. gesungen, in Moskau bei den Amtseinführungen von Boris Jelzin und Wladimir Putin sowie bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Moskau. Er wird voraussichtlich auch bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Winterspiele im Februar 2014 in Sotschi auftreten.

Das alles zeigt nur eines – eine diktatorische, menschenverachtende Regime findet immer noch in der Welt prominente Mitläufer und Mitläuferinnen.

 

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