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„Kotzebue-Gespräch VII“

August von KotzebueAugust von KotzebueVon Ülo Salm, Berlin

Die Reihe der Kotzebue-Gespräche, die in aller Regel in jährlichem Turnus abwechselnd in Berlin und Tallinn für literatur- und theaterwissenschaftlich Interessierte stattfinden, erlebte am 12. Oktober insofern eine Ausnahme, als die letzte Veranstaltung dieser Art erst am 31. Mai dieses Jahres stattgefunden hatte, und zwar in Berlin und nun, schon viereinhalb Monate später, wiederum in Berlin. Ort der nächsten Veranstaltung wird wieder Tallinn sein, und zwar im kommenden Jahr. Die „Eile“ kam dadurch zustande, dass die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften sich wiederum bereit erklärt hatte, in großzügiger Weise Gastgeber zu sein. Hier soll nicht unerwähnt bleiben, dass August von Kotzebue vor 215 Jahren, nämlich 1803, Mitglied der Akademie geworden war.

Der Gesprächskreis scheint in der Akademie der Wissenschaften eine neue Heimat gefunden zu haben, worüber große Dankbarkeit herrscht. Dass es so weit kommen konnte, ist dem amtierenden Akademiepräsidenten, Professor Martin Grötschel, dem Akademiemitglied Professor Conrad Wiedemann zu verdanken und nicht zuletzt auch der Aktivität und Initiative des früheren Kulturattachés der Botschaft Estlands, Harry Liivrand, der seit seinem Ausscheiden aus dem diplomatischen Dienst in der Akademischen Bibliothek der Universität Tallinn eine maßgebliche Position bekleidet.

Man hofft, dass die intensive Beschäftigung der Literatur- und Theaterwelt mit Kotzebue in absehbarer Zukunft Früchte trägt und der fraglos bedeutendste und erfolgreichste Autor von Theaterstücken seiner Zeit endlich der Vergessenheit entrissen wird - eine Vergessenheit, die dem bis heute noch vorhandenen Klassikwahn der deutschen Kulturwelt und ihren dominierenden und bestimmenden Vertretern, allen voran Kotzebues Lehrmeister Goethe, geschuldet ist.

In der ganztägigen Veranstaltung wurde von neun Vortragenden aus der akademischen Szene eine breite Palette des Kotzbueschen Wirkens abgedeckt. Die allenthalben und in allen Kreisen stattfindende Auseinandersetzung mit Napoleon, Differenzen mit der Kirche, aufblühender Patriotismus in der Endzeit der napoleonischen Herrschaft, Publikationen in politischen und literarischen Blättern und Wochenschriften, Versuche, Kotzbues religiöse Ansichten zu erfassen, Kooperation und Konkurrenz zwischen Kotzebue und Iffland und nicht zuletzt Aufsätze und Erzählungen, die sich mit der Märchenwelt vor dem Wirken der Gebrüder Grimm befassen, waren neben etlichen anderen Themen Gegenstand der insgesamt zehn Vorträge, angefangen vom Einführungsvortrag Harry Liivrands (der auch neue Aspekte des damaligen geschichtlichen Umfelds einbrachte) über das Referat Alexander Koseninas bis zu den anschließenden Diskussionen. Hervorgehoben seien hier die Wortbeiträge Professor Wiedemanns, der nicht nur ein fundierter Kenner Kotzebues, sondern auch wesentlicher Initiator und Förderer der Kotzebue-Gespräche ist.

Es ist hier nicht der Raum, im Einzelnen auf die überwiegend hochinteressanten Inhalte der Vorträge einzugehen. Die übrigen Protagonisten seien dennoch verdienter Weise an dieser Stelle genannt: Nicola Kaminski (Universität Bochum), Nora Ramtke (Universität Bochum), Tiina- Erika Friedenthal (Universität Tartu), Aira Vösa (Universitätsbibliothek Tallinn), Nicolas Potysch (Universität Bochum), Bettina Bartz (Universität Berlin), Mari Tarvas (Estnische Musik- und Theaterakademie) und Kairit Kaur (Universitätsbibliothek Tallinn.

Wem es nicht vergönnt sein sollte, zum Kotzebue-Gespräch VIII im kommenden Jahr nach Tallinn zu reisen, wird umso gespannter auf das Kotzebue-Gespräch IX in Berlin sein.

Wer sein Wissen über Kotzebue vertiefen will, sei verwiesen auf die „Reihe Berliner Klassik“ der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, Bd. 22: „Eine Großstadtkultur um 1800 – August von Kotzebue im estnisch-deutschen Dialog“, herausgegeben von Klaus Gerlach, Harry Liivrand und Kristel Pappel, ISBN 978-3-86525-402-4, sowie Bd. 25: „August von Kotzebue – ein streitbarer und umstrittener Autor“, herausgegeben von Alexander Kosenina, Harry Liivrand und Kristel Pappel, ISBN 978-3-86525-595-8.

Foto: © Wikipedia

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