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Stalins Tod – ab 29. März in Deutschland zu sehen

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The Death of Stalin, Filmszene"The Death of Stalin", FilmszeneMärz 1953. Ein Mann liegt nach einem Schlaganfall im Sterben. Bald wird er das Zeitliche segnen – und wer es jetzt richtig anstellt, kann seine Macht übernehmen. Der sterbende Mann heißt Jossif Stalin (gespielt von Adrian McLoughlin): Generalsekretär der Kommunistischen Partei der Sowjetunion, Diktator, Tyrann, Massenmörder. "The Death of Stalin" ist eine Satire über die Tage von seinem Ableben bis zu seiner Beerdigung: Tage, in denen die Männer aus seinem Umfeld erbittert darum kämpfen, die Macht zu übernehmen. Tage, in denen der Wahnsinn, die Verkommenheit und die Unmenschlichkeit des Totalitarismus in grellem Licht erscheinen.

The Death of Stalin“ oder „La Mort de Staline“ („Stalins Tod“) ist eine britisch-französische schwarze Komödie über die Zeit nach dem Tod des roten Diktators aus dem Jahr 2017. Das Leinwandwerk ist nun auch in Estland zu sehen. Es handelt von den Intrigen um Stalins Nachfolge nach dem Ableben des Kreml-Herrschers, der millionenfach Menschen hatte verhaften, töten oder deportieren lassen, darunter auch tausende Esten, Letten und Litauer.

In Russland und auf dem Gebiet der zerfallenen Sowjetunion wirkt die über Jahrzehnte andauernde Vergötterung des Absolutisten durch einen in der sowjetischen Geschichte einzigartigen Personenkult bis heute nach. Von verschiedenen Seiten wird ein Verbot des Filmes gefordert.

Ein Massenmörder wird beweint

Den Toten hatten Sowjetbürger an seinem Grab beweint. Auf der Leinwand sind absurde Szenen zu sehen, wie Menschen, die jede Nacht Angst hatten, verhaftet zu werden, nun ihrem blutdürstigen Führer tränenreich nachtrauern. Während seiner Regierungszeit errichtete der Oberkommunist, der durch Hinterlist nach Wladimir Lenin auf die Macht gekommen war, eine totalitäre Diktatur, ließ im Rahmen politischer „Säuberungen“ mehrere Millionen vermeintlicher und tatsächlicher Feinde aufgreifen, in Schau- oder Geheimprozessen zu Zwangsarbeit verurteilen oder hinrichten sowie Millionen weiterer Sowjetbürger, sogar ganze Volksgruppen besetzter Gebiete, im Viehwaggons ins Strafarbeitslager GULAG verschleppen. Viele wurden dort ermordet oder starben an den unmenschlichen Bedingungen.

Nach der Beerdigung des Generalsekretärs des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (ZK der KPdSU) begannen hitzige Machtkämpfe um das Erbe des Verstorbenen. Nikita Chruschtschow (gespielt von Steve Buscemi), der durchaus von den Massenmorden und Verbrechen gegen die Menschlichkeit wusste, wollte den Generalissimus beerben. Er hatte den Machtkampf letztendlich gewonnen und sogar mit der Entstalinisierung eine öffentliche Abrechnung, die sogenannte Tauwetterperiode, eingeleitet, die von späteren Parteiführern nicht mehr fortgeführt und teilweise sogar zurückgenommen wurde.

In Wirklichkeit keine Witzfigur

Ein williger Scherge des Verstorbenen und Chef der stalinistischen politischen Geheimpolizei, Lawrenti Beria (gespielt von Simon Russell-Beale), träumte ebenso von dem Posten im Kreml. Er wird als „hinterhältige kleine Scheiße“ in einer Szene im Trailer als Vertreter des Witzes dargestellt. Doch Beria war alles andere als eine komische Figur. Seine Position machte ihn zu einer Schlüsselperson des stalinistischen Terrors gegen die Bevölkerung, obwohl er sein Amt erst in der Spätphase der Schreckensherrschaft von Nikolai Jeschow übernommen hatte.

Neben zahlreichen weiteren Verbrechen und Massenmorden wie dem Massaker an polnischen Offizieren in Katyn, war Beria maßgeblich für die Zwangsumsiedlung mehrerer sowjetischer Volksgruppen in den 1940er Jahren verantwortlich, in deren Folge mindestens eine halbe Million Menschen starben.

Chruschtschow und seine Mitstreiter wollten offensichtlich ihre Rollen bei der Terrorära verschleiern, als sie den mächtigen Polizeichef verhaften ließen. Beria wusste viel, keine Frage, und konnte gefährlich werden. Chruschtschow konnte bestimmt besser schlafen, nachdem Stalins Henkersknecht am 23. Dezember 1953 erschossen wurde.

Im Juni 2010 bestätigte der Stabschef der russischen Luftstreitkräfte, Generalleutnant Wadim Wolkowizki, dass der Geheimpolizist in der Tat hingerichtet worden sei und dass Generaloberst Pawel Batizki, seit 1968 Marschall der Sowjetunion, persönlich das Urteil vollstreckt habe.

Berias Sohn hatte behauptet, sein Vater sei bereits im Juni 1953 in seiner Dienstwohnung erschossen worden. Die US-Tageszeitung „New York Times“ berichtete am 14. Juli, dass Marschall Georgi Schukow, der Oberkommandeur der sowjetischen Streitkräfte, die Schlüsselfigur beim Sturz Berias war. In der „London Evening News“ vom 29. Juli ist zu lesen, dass die Macht in Moskau sich in den Händen eines Militär-Triumvirates befinde, an dessen Spitze Schukow stehe. Es war sogar die Rede davon, dass Schukow Beria selbst erschossen habe. Dies ist jedoch historisch nicht belegt.

Der Marschall und spätere Verteidigungsminister wird in dem Film von Jason Isaacs verkörpert. Er wurde durch die erfolgreiche militärische Verteidigung Moskaus in den Jahren 1941/42 sowie als Sieger der Schlacht von Stalingrad (1942/43) und der Schlacht um Berlin (1945) international bekannt. Am 9. Mai 1945 nahm er in Berlin-Karlshorst, im Gebäude des heutigen Deutsch-Russischen Museums, als Vertreter der Sowjetunion die bedingungslose Kapitulation der deutschen Wehrmacht entgegen. Später kam es zu einem Bruch zwischen dem Marschall und seinem Beförderer. Als sich Chruschtschow in seiner Autorität bedroht sah, nutzte er eine Jugoslawien-Reise Schukows und entfernte ihn 1957 sowohl aus dessen Ministeramt als auch dem Präsidium des ZK der KPdSU und schickte ihn ein Jahr später in den Ruhestand.

Im Film ist noch Wjatscheslaw Molotow (gespielt von Michael Palin) zu sehen, einer der engsten Vertrauten Stalins. Der sowjetische Regierungschef und spätere Außenminister blieb dem Diktator auch nach der Verhaftung seiner jüdischen Ehefrau Polina Schemtschuschina (eigentlich Perl Karpowskaja) treu. Wegen ihrer Kontakte zu jüdischen Nationalisten war sie Ende 1949 angeklagt und zu fünf Jahren Verbannung verurteilt worden. Molotow selber wurde als Außenminister abgelöst und verlor einen Großteil seines Einflusses. Im Januar 1953 wurde Schemtschuschina an ihrem Verbannungsort Kustanai (Kasachstan) verhaftet und nach Moskau gebracht – offenbar mit dem Ziel, einen weiteren Prozess vorzubereiten. Doch nach Stalins Tod wurde die einstige Freundin von Stalins Ehefrau Nadeschda Allilujewa freigelassen und rehabilitiert. Bis zu ihrem Tod 1970 lebte sie in Moskau.

Für Russland „unfreundlicher Akt“ der Briten

Die Sowjetunion unter Stalin war während des Zweiten Weltkrieges ein Verbündeter Großbritanniens gegen Nazideutschland. Vor diesem Hintergrund erklärt der Publizist Nikolai Starikow, dass der Film ein „unfreundlicher Akt der britischen intellektuellen Klasse“ sei und ihm klar ist, dass der Film Teil eines „antirussischen Informationskrieges“ sei, der darauf abziele, die Gestalt Stalins abzuwerten. Starikow hat 2012 das Buch „Stalin. Erinnern wir uns gemeinsam“ geschrieben, das gegensätzliche Reaktionen hervorrief. Der Autor ist Gründer der nationalen Partei „Großes Vaterland“ und Mitglied des Isborsk-Klubs, dem mehrere bekannte nationalistische Intellektuelle Russlands angehören.

Die kremltreue Zeitung „Wzgljad“ („Blick“) brachte vor, dass das Leinwandwerk nicht in Russland gezeigt werden sollte, und er nannte es „eine böse Absicht von Außenseitern, die nichts von unserer Geschichte verstehen“. Pawel Poschdigailo, ein Berater des russischen Kulturministeriums, sagte, der Film sei eine „geplante Provokation“, dessen Ziel es sei, „Hass zu schüren“.

Russlands Präsident Wladimir Putin hat seine gelegentliche Aussagen über den Massenmörder Jossif Stalin bis jetzt vorsichtig formuliert und darauf geachtet, den sowjetischen Diktator nicht zu rühmen, aber auch nicht zu kritisieren. Unter dem heutigen Kreml-Herrscher ist der Sieg im Zweiten Weltkrieg zu einem heiligen Ereignis geworden, das als Fundament des heutigen siegreichen russischen Staates dargestellt wird. Dementsprechend wird Stalin auch als erfolgreicher Kriegsherr idealisiert.

Kein Wort darüber, dass durch stalinistische Säuberungen viele begabte Offiziere ums Leben kamen. Zu den ersten Militäropfern gehörte 1937 Marschall Michail Tuchatschewski zusammen mit sieben anderen Generälen, die alle zum Tode verurteilt wurden. Der Vorwurf lautete auf Hochverrat und Spionage. Zwischen 1937 und 1938 wurden von den rund 178.000 militärischen Führungskräften weitere Militärangehörige, bis zu 35.000 Personen, festgenommen. Zu diesen zählen bis zu fünf Marschälle, rund 15 Armeegeneräle, neun Admiräle, bis zu 57 kommandierende Generäle und 186 Divisionsgeneräle.

Die Sowjetunion war schon vor dem Überfall der Wehrmacht am 22. Juni 1941 durch den einstigen Freund Adolf Hitler militärisch praktisch führungslos. Stalin musste unter anderem eine bittere Niederlage während des Überfalles auf Finnland und die Belagerung Leningrads (heute St. Petersburg) durch die deutsche Heeresgruppe sowie finnische und spanische Truppen während des Zweiten Weltkrieges verkraften. Letztere dauerte vom 8. September 1941 bis zum 27. Januar 1944, vor allem, weil Stalin keine militärischen Kräfte mehr zur Verfügung standen und er demzufolge keinen Plan für die Befreiung der Bevölkerung der stolzen Newa-Stadt hatte.

Erst mit der Hilfe der Verbündeten USA und Großbritannien konnte Stalin spätere Erfolge vorweisen. Darüber redet heute in Russland niemand. Viele wissen nicht einmal, dass der Mann, die sie heute noch anbeten, mit Hilfe der Amerikaner und Briten triumphieren konnte. Das Putin-Land will weiterhin suggerieren, dass die Russen ein Volk von Helden und Patrioten ist. Gewalt sei damals erforderlich gewesen um das Land von Feinden zu schützen.

Das Magazin „Der Spiegel“ berichtet, dass "The Death of Stalin" darf nicht in russischen Kinos gezeigt werden. Das Kultusministerium zog nach empörten Forderungen eines "Beratungskomitees" eine zuvor erteilte Erlaubnis zurück. In Deutschland startet der Film am 29. März. (asie / tmich)

Quellen: The Guardian, Wikipedia, Maaleht, Der Spiegel

Foto: Filmszene

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