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ZDFzoom am 18. Februar: Deutschland und der gekaufte Sex

Käuflicher Sex ohne Kondom soll bundesweit verboten und statt einer Zwangs-Gesundheitsuntersuchung soll es medizinische Beratung geben. Die "ZDFzoom"-Doku "Deutschland und der gekaufte Sex" beleuchtet die Situation der Prostituierten hierzulande und blickt zudem auf das schwedische Modell

Polizeikontrolle an einem LovemobilPolizeikontrolle an einem LovemobilKäuflicher Sex ohne Kondom soll bundesweit verboten, das Mindestalter für Prostituierte aber nicht auf 21 Jahre heraufgesetzt werden und statt einer Zwangsgesundheitsuntersuchung soll es medizinische Beratung geben. Auf diese Punkte für die Reform des Prostitutionsgesetzes hat sich die Koalition Anfang Februar in Berlin geeinigt. Die "ZDFzoom"-Doku "Deutschland und der gekaufte Sex" beleuchtet die Situation der Prostituierten hierzulande und blickt zudem auf das viel diskutierte schwedische Modell.

Puff Europas
Deutschland ist immer noch der Puff Europas, der Markt für Billigsex blüht. Bordellbetreiber und Zuhälter machen Milliardengewinne. Doch nun soll - so die Bundesregierung - alles besser werden. Das erklärte Ziel des neuen "Prostitutionsschutzgesetzes" ist es, Zwangsprostitution zu unterbinden.

Ist das neue Gesetz eine wirksame Handhabe gegen Menschenhandel und Ausbeutung? Polizisten und Sozialarbeiter sprechen nur von ersten Schritten in die richtige Richtung. Sie fordern, das Einstiegsalter für Prostituierte auf 21 Jahre zu erhöhen. Zurzeit liegt es aber bei 18 Jahren und wird laut Familienministerium auch nicht geändert.

Darüber hinaus fehle es auch an grenzübergreifender Zusammenarbeit, klagen deutsche Polizeikommissare. Nur um eine Telefonnummer in Bulgarien oder Rumänien herauszufinden, müssten sie ein Rechtshilfeabkommen stellen. Das dauere Monate und der Täter sei bis dahin über alle Berge. Mehr unbürokratische Zusammenarbeit mit ausländischen Kollegen, mehr persönliche Kontakte seien unabdingbar. Die Europäische Union (EU) reguliere so Vieles, aber Zusammenarbeit über Ländergrenzen hinweg sei bisher nur in Einzelfällen effektiv.

"ZDFzoom"-Autorin Rita Knobel-Ulrich hat sich umgesehen: auf dem Straßenstrich, in Edelpuffs und sogenannten Lovemobilen, sie hat mit Frauen gesprochen, die freimütig ihren Beruf als "Hure" angeben und mit solchen, die von Menschenhändlern gnadenlos ausgebeutet wurden. Sie traf Polizisten und Bordellbetreiber, in Bulgarien, wo der Nachwuchs rekrutiert wird, und in Schweden, wo das Problem der Zwangsprostitution angeblich durch das "Sexkaufverbot" bestens gelöst ist. Doch stimmt das?Die Autorin Rita Knobel-Ulrich befragt Frauen auf dem StraßenstrichDie Autorin Rita Knobel-Ulrich befragt Frauen auf dem Straßenstrich

"ZDFzoom" stellt fest: Sex in Schweden spielt sich im Untergrund ab, macht Frauen rechtloser und Ausbeuter mächtiger. Denn inzwischen, räumt Leiff Fransson von der schwedischen Polizei ein, kann sich der Mann in Schweden eine Frau im Internet "bestellen". Diesen "Vertriebswegen" auf die Spur zu kommen, ist fast unmöglich, denn im Großraum der Millionenstadt Stockholm sind gerade mal sechs Polizisten fürs Rotlichtmilieu zuständig. In Malmö gibt es gar keine spezielle Polizeieinheit. Auf die Frage, was sie ausstiegswilligen Frauen anzubieten habe, antwortet Sozialministerin Lisa Green resigniert: das Rückflugticket!"

Was dem Schutz der Frauen dient, ist sinnvoll" - Interview mit Filmautorin Rita Knobel-Ulrich:
Wie schätzen Sie die geplante Neufassung des neues Prostitutionsschutzgesetzes ein?
Es ist ein kleiner Schritt in die richtige Richtung. Dass es nun Auflagen für Bordellbetreiber gibt, war zum Beispiel längst überfällig. Es kann nicht sein, dass jemand ein Haus mit 20 Zimmern führt, in denen junge Frauen anschaffen gehen, und er das als Zimmervermietung deklarieren kann. Auch den Leumund des potenziellen Bordellbetreibers in den Blick zu nehmen, halte ich für sinnvoll – also insgesamt die Erlaubnispflicht für die Eröffnung eines Bordells. Auch die Auflagen hinsichtlich der Hygiene sind sehr nachvollziehbar. Und richtig finde ich auch, dass sich die Prostituierten anmelden müssen, damit man überhaupt einen Überblick bekommt, wer wo anschaffen geht. Das dient dem Schutz der Frauen. Sehr schade ist allerdings, dass das Schutzalter nicht auf 21 Jahre heraufgesetzt wurde. Jüngere Frauen sind sehr viel anfälliger für Loverboys und deren Masche als gestandene Frauen. Insofern hätte ich es begrüßt, wenn man das Alter zwischen 18 und 21 Jahren in dieser Hinsicht als schutzbedürftig definiert hätte.

Hat denn die Masche der Loverboys derzeit noch Konjunktur? Ist der Weg in die Prostitution aus Liebe zum Zuhälter nicht eher ein Seitenpfad?
Nach meiner Beobachtung funktioniert die Loverboy-Masche immer noch. Eher ist die Variante, körperliche Gewalt anzudrohen, etwas zurückgegangen. Wir zeigen in unserem Film ein Beispiel, in dem es genauso gelaufen ist: Er war ihre große Liebe, versprach ihr das bessere Leben in Deutschland und bat sie dann eindringlich darum, für die gemeinsame Zukunft Geld anzuschaffen. Als sie merkte, dass er mit dieser Masche noch andere Mädchen für sich laufen ließ, stieg sie aus. Den Loverboys könnte man leicht das Wasser abgraben, wenn man das Mindestalter für Prostituierte auf 21 Jahre gesetzlich festlegen würde. Eine Staatssekretärin im Bundesfamilienministerium begründete mir gegenüber den Verzicht auf das Schutzalter damit, dass ansonsten befürchtet werden müsse, dass die jungen Frauen dann in den Untergrund abdriften würden.

Legale Prostitution in Deutschland soll mit dem neuen Gesetz klarer geregelt werden. Haben Sie bei Ihren jüngsten Recherchen und Drehs im Straßenstrich-Milieu und in Edelpuffs feststellen können, dass solche Regeln helfen könnten?
Ich gehöre nicht zu denen, die Prostitution für ein moralisches Problem halten. Wenn mir in einem Edelpuff in Berlin eine Frau ganz cool vorrechnet, dass es für sie lukrativer sei, drei bis vier Mal in der Woche anschaffen zu gehen als in schlechter bezahlten Jobs zu arbeiten, ist das ihre Sache – wenn sie ihre Rechte kennt, wenn die Arbeitsbedingungen stimmen und wenn sie niemandem unfreiwillig das erarbeitete Geld wieder abdrücken muss. Wenn wir in der Lage sind, im Bauarbeitergewerbe oder in der Gebäudereinigung vernünftige Bedingungen herzustellen, muss es auch im Bordellbetrieb möglich sein. Das Bundesfamilienministerium betont deshalb auch: Bei dem Gesetz geht es nur um die Verbesserung der legalen Prostitution – Menschenhandel und Zuhälterei sind schon immer Straftatbestand gewesen. Und bei letzteren ist auch eher das Bundesjustizministerium gefordert: Bis jetzt gilt immer noch: Es muss eine Prostituierte vor Gericht aussagen, sonst bekommt man den Zuhälter nicht dran. Manche Juristen plädieren dafür, dass fern solcher Aussagen auch genügend Indizien zusammenkommen könnten, nach denen sich ein Urteil gegen Menschenhandel und Zuhälterei fällen lässt.

Ist das dann der nächste Schritt, um die Zwangsprostitution in den Griff zu bekommen?
Solange es das Wohlstandsgefälle in der Europäischen Union gibt, so lange bleibt es für Menschen aus Rumänien, Bulgarien oder Ungarn verlockend, über Prostitution in Deutschland, Italien oder Schweden schnell zu Geld zu kommen. Und so lange das lukrativ ist, wird Zwangsprostitution ein Thema sein.

Dennoch plädieren Sie in Ihrem Film nun nicht für das schwedische Modell, demgemäß Prostitution verboten oder genauer: für den Freier strafbar ist. Warum das? 
Damit drängt man die Prostitution nur in den Untergrund. Das Modell mag dem- oder derjenigen gefallen, die oder der endlich mal will, dass auch die Freier belangt werden können. Aber wenn ich sehe, dass nur noch sechs Polizisten im Großraum Stockholm das Rotlichtmilieu im Blick haben, ahnt man, dass dort das Thema einfach verdrängt werden soll: aus den Augen, aus dem Sinn! Dabei braucht man nur mal im Internet entsprechend zu suchen und schon bekommt man in Schweden ganz schnell Kontakt zu Prostituierten – das dann ganz ohne Schutz. Wir haben für den Film die Probe aufs Exempel gemacht.

Mit Rita Knobel-Ulrich sprach Thomas Hagedorn/ZDF

Rita Knobel-Ulrich, Jahrgang 1950 und in Frankfurt am Main geboren, hat für "ZDFzoom" zuletzt im Sommer 2014 die Dokumentation „Vom Irrsinn der Bürokratie – Deutschland kontrolliert und wacht“ realisiert. Seit rund 20 Jahren arbeitet die frühere NDR-Redakteurin als freie Filmemacherin und produzierte bereits eine Vielzahl von Dokumentationen für ARD, ZDF und Deutsche Welle. Die studierte Slawistin und Politikwissenschaftlerin hatte für "ZDFzoom" 2013 den Film "Single-Dinner und Powerdating – Das Geschäft mit der Einsamkeit" und 2012 die Dokumentation "Menschenhandel für Europa – Billignachschub für deutsche Puffs" gedreht.

Der Film wird am 18. Mittwoch um 23:15 Uhr in ZDF gezeigt

www.zdf.de

Fotoquellen: ZDF / Michael Donnerhak

 

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