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Estnisch-georgischer Film „Tangerines“ auf Oscar nominiert

 

Der estnische Schauspieler Lembit Ulfsak als IvoDer estnische Schauspieler Lembit Ulfsak als IvoVon Aino Siebert

Der Kinofilm „Tangerines“ (im Estnischen „Mandariinid”) wurde 2013 im Zusammenarbeit von Georgien und Estland gedreht.

Der georgischer Regisseur und Drehbuchautor Zaza Urašidze hat mit diesem humanistischen Streifen einen deutlichen Signal gegen den Krieg gesetzt. In den Hauptrollen spielen die estnischen Schauspielstars Lembit Ulfsak (Ivo) und Elmo Nüganen (Margus). In der Rolle des Arztes Juhan ist Raivo Trass zu sehen. Der Film der beste fremdsprachiger Film auf dem Goldenen Globus 2015 (Golden Globe Awards) und ist auf den Oscar 2015 nominiert. Die Oscar-Verleihung findet voraussichtlich am 22. Februar 2015 im Dolby Theatre in Los Angeles statt.

Estnische Dörfer in Abchasien
Urašidzes Leinwandwerk widmet sich im Jahr 1992 geführten Krieg zwischen Apchasetis (Abchasen) und Georgiern in der Region, in der auch die estnische Minderheit lebte. Die Esten waren im 19. Jahrhundert in den Kaukasus ausgewandert. Ein estnisches Dorf, Esto-Sadok (Gärtchen der Esten) befindet sich nur einige Kilometern von Winterolympiastadt Adler in Sotschi entfernt. Wenn man aber von Adler über die abchasische Grenze und den Fluss Psou nach Osten in die Berge geht, erreicht man die weiteren Dörfer der Esten, Salme und Sulevi.

Die Esten lebten auch einen Katzensprung entfernt von Hauptstadt Sochumi, in Estonka, ebenso in Ober- und Nieder-Linda. Als im August 1992 der bewaffnete Konflikt begonnen hatte und immer brutaler wurde, sind rund 50 estnisch-stämmige Familien in ihre alte Heimat zurück gekehrt. Estland hat ein Jahr vorher seine Unabhängigkeit wiederherstellen können. Unter Führung von Andres Kollist hat die estnische Regierung weitere 170 Esten mit ihren Familien geholfen aus dem Bürgerkrieg zu fliehen. Für den Abtransport stellte das offizielle Tallinn drei Flugzeuge zur Verfügung. Im Jahr 2000 konnten weitere 400 estnische Flüchtlinge in eigener Regie aus den umkämpften Gebieten in das Land der Vorfahren flüchten.

Ein Kinofilm gegen den Krieg
Der Film von Zaza Urašidze beginnt in einem leer gewordenen abchasischen Dorf. Die meiste Bewohner sind aus der umkämpften Gebieten geflüchtet, geblieben sind nur drei estnisch-stämmige Männer. Einer davon ist Ivo (Lembit Ulfsak). Er wollte mit seiner Familie nicht nach Estland gehen, sondern in der Nähe des Grabes von seinem gefallen Sohn bleiben. Margus (Elmo Nüganen), ein Freund und Vertrauter von Ivo, ist verzweifelt, er muss ohne Erntehelfer zurecht kommen. Er will seine Mandarinen abernten und gleich nach dem Verkauf der Früchten das Land eilends verlassen. Doch wie soll man 200 Kisten Mandarinen gewinnbringend im mitten der Kämpfe von den Bäumen holen und absetzen?

Noch bevor das Mandarine-Problem gelöst wird, holt der Krieg die Esten ein. Direkt vor Margus´ Haustür treffen die verfeindeten Truppen aufeinander. Es wird ein erbitterter Kampf mit mehreren Toten. Nur zwei überleben, ein Tschetschene und ein Georgier. Der Alte denkt nicht lange nach, er hilft den beiden verfeindeten Männern. Kurz wird ihm noch Arzt Juhan (Raivo Trass) zur Seite stehen, bevor er seine Reise nach Estland antritt. Während des Genesungsprozesses in der Haus von Ivo nähern sich die entgegensetzten Charaktere der verfeindeten Soldaten an. Der Hass verschwindet, die Krieger werden sogar fast Freunde.

Der Film ist in Angesichts der blutigen Kämpfen in der Ost-Ukraine hoch aktuell. Urašidze erzählt uns ruhig und feinfühlig, wie unsinnig der Krieg ist. Trotzdem wirkt das Leinwandwerk wie ein Hollywood-Märchen, denn bei bewaffnete Konflikten gibt es in der Wirklichkeit (leider) keine Verständigung zwischen den Feinden. Wir erleben dies jeden Tag in der Nachrichten aus der Ukraine, aber auch aus Syrien, Irak und woanders. Auch bleibt Ivo mit seiner auffälligen Nächstenliebe und übergroßem Verständnis für die beiden zerstrittenen Parteien – er rettet nicht nur ihre Körper, sondern auch ihre Seelen - für die Zuschauer unzugänglich, trotz hervorragenden Schauspielleistung von Ulfsak.

Obwohl der Streifen einige größere und kleinere Schwächen hat, und oft unglaubwürdig wirkt, ist der Film durchaus sehenswert und zurecht auf einen Oscar nominiert.

Produktionsland: Estland und Georgien
Produktionsjahr: 2013
Regie und Drehbuch: Zaza Urašidze
Kamera: Rein Kotow

Info: Abchasien ist eine autonome Republik an das Schwarze Meer grenzende Region im Süden des Kaukasus. Die Hauptstadt ist Sochumi. Fast alle Staaten der Welt betrachten das Land als von Russland okkupiertes Gebiet Georgiens. Im Abchasien lebte eine estnische Minderheit.

Foto: © Allfilms

 

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