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Ein schwuler Junge aus Riga in Praunheim

FilmplakatMit seiner neuesten Dokumentation "Praunheim Memoires" setzt Regisseur Rosa von Praunheim seiner Herkunft ein filmisches Denkmal, berichtet Queer.de.

Wir kennen ihn als Rosa von Praunheim, doch geboren wurde der berühmte schwule Filmemacher 1942 als Holger Radtke in Riga. Er wurde von Gertrud Mischwitzky adoptiert, wuchs in der DDR auf, zog 1953 jedoch in den Westen, wo er über Umwege in Frankfurt am Main landete – im Stadtteil Praunheim.

Mitte der 1960er Jahre nahm Holger seinen Künstlernamen an. Er ist eine Reminiszenz an den Rosa Winkel, den homosexuelle Männer in der Zeit des Nationalsozialismus in Konzentrationslagern tragen mussten, sowie an jenen Stadtteil im Nordwesten der Bankenmetropole mit nur knapp 16.000 Einwohnern, der ihn jedoch maßgeblich prägte. Inwiefern, das erklärt Rosa von Praunheim in seinem neuesten Film: Die Dokumentation "Praunheim Memoires", die am 8. Januar in einigen deutschen Programmkinos anläuft, ist eine Reise in die eigene Vergangenheit des Regisseurs.

Zu Besuch beim früheren Deutschlehrer
Holger kam mit seinen Eltern im Alter von zwölf Jahren nach Frankfurt-Praunheim. Er ging auf das Wöhler Gymnasium, wo er seine erste Regiearbeit, die Metamorphosen von Ovid "Phyrramus et Thisbe", inszenierte. Er war ein schlechter Schüler, nur sein Deutschlehrer Heinz Nickel mochte ihn. Im Film besucht Rosa den heute 86-jährigen Pädagogen und bedankt sich bei ihm.

Holger schrieb schon früh Gedichte und malte beeinflusst vom deutschen Expressionismus und den "absurden" französischen Schriftstellern. Rosa besucht die Witwe seines besten Malerfreundes Marek aus der Jugendzeit. Im Jahre 2013 wurde Rosa von der Hochschule für Gestaltung in Offenbach eingeladen, um als ehemaliger Student einen Vortrag zu halten. Hier hatte Holger seinen ersten Sex mit einem Mann und hier lernte er fantasievolle Frauen kennen. Die Mitglieder der Offenbacher Kultband "Baby of Control" tauchen in Rosas Vergangenheit ein und stellen Szenen nach.

Der Höhepunkt von "Praunheim Memoires" ist die Liebesgeschichte von Holger zu Nora Gräfin Stolberg zu Stolberg, seiner mütterlichen Freundin, die er mit 17 Jahren in Praunheim kennenlernte und mit der er ein Leben lang verbunden blieb. Nora gab ihm den Mut, zu "Rosa" zu werden, zu dem zu stehen, was er ist und wen er liebt. Der Hessische Rundfunk war es, der 1968 den ersten Kurzfilm "Von Rosa von Praunheim" kaufte und somit den Grundstein für seine Filmkarriere legte. Mitte der 1970er Jahre produzierte der hr einen dreistündigen Film von Rosa "Der 24. Stock" über das Leben in einer Frankfurter Stadtrandsiedlung. Rosa besucht die hr-Redakteurin Esther Schapira, die weitere Filme von Rosa mitproduziert hat und auch für "Praunheim Memoires" verantwortlich ist.

Auch der Männerchor Praunheim ist dabei
Bei einem Besuch im Stadtmuseum erfährt Rosa durch Zufall, dass das Adelsgeschlecht von Praunheim gar keine Erfindung von Rosa ist, sondern aus dem 12. Jahrhundert stammt. Die Ritter von Praunheim besaßen in Praunheim eine Burg. Wolfram I. von Praunheim wurde später der erste Reichsschultheiss von Frankfurt am Main. Besonders dankbar ist Rosa, dass der Männerchor Praunheim eine von ihm geschriebene Hymne für den Film eingesungen hat.

Mit den "Praunheim Memoires" hat der schwule Regisseur mit lettischen Wurzeln seiner Herkunft ein unterhaltsames filmisches Denkmal gesetzt. Die Doku ist zugleich Einführung in die Lebensgeschichte und das künstlerische Universum des Filmemachers, ein Stück Gesellschaftsgeschichte der Stadt und ein spannender Blick auf ihre Gegenwart. Der 72-jährige Rosa hat dafür gesorgt, dass nicht nur er selbst, sondern auch sein Praunheim niemals vergessen wird. (cw)

Quelle: www.queer.de - Mit freundlicher Genehmigung

Info:
Rosa von Praunheim (Holger Bernhard Bruno Mischwitzky, als Holger Radtke, am 25. November 1942 in Riga geboren, ist ein deutscher Filmregisseur. Er gilt als wichtiger Vertreter des postmodernen deutschen Film. Von Praunheim hat vor allem mit seinem Dokumentarfilm von 1971 “Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt“ weltweit für Aufsehen gesorgt. Sein Werk führte zudem zur Gründung zahlreichen Initiativen. 2009 erhielt der Regisseur den Deutschen Biographiepreis für "Meine Mütter - Spurensuche in Riga."

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