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Tipp - FAZ: Als Stalin Hitlers Verbündeter war

 

Auf der Karikatur aus dem Jahr 1939 ist das „Ehepaar“ Adolf Hitler und Jossif Stalin abgebildetAuf der Karikatur aus dem Jahr 1939 ist das „Ehepaar“ Adolf Hitler und Jossif Stalin abgebildetWie Russlands Präsident Wladimir Putin die Tradition der Angriffskriege in Europa wiederbelebt, schreibt Timothy Snyder am 14. Dezember in einem Gastbeitrag der Frankfurter Allgemeine Zeitung. Das Geschichtsbild des Riesenreiches wird dieser Entwicklung angepasst - und das Bündnis zwischen Hitler und Stalin vom 23. August 1939 rehabilitiert. In diesem Sinne wird auch der Holocaust den Juden selbst zugeschrieben, wie Putin im Staatsfernsehen verkündete.

Der Autor des Beitrages, TimothySnyder ist Housum Professor of History an der Yale University. Von seinen Büchern sind in deutscher Übersetzung erschienen: „Bloodlands. Europa zwischen Hitler und Stalin“ (München 2011), und „Nachdenken über das 20. Jahrhundert“ (München 2013).

Snyder analysiert, wie Kremlchef Klischees mit einer guten Portion bewusster Böswilligkeit mischt und eine neue, eigentümliche Geschichte präsentiert, doch sich dabei in krasse Widersprüche versteigt. Putin macht dem „dekadenten“ Westen klar, „dass es keine ukrainische Nation gebe, dass aber alle Ukrainer Nationalisten seien; dass es keinen ukrainischen Staat gebe, aber seine Organe Unterdrückung betrieben; dass es keine ukrainische Sprache gebe, aber Russen gezwungen würden, sie zu sprechen“.

Einen großen Teil seines Beitrages widmet Snyder der Entstehungsgeschichte des Bündnisses zwischen dem Kommunistenführer Jossif Stalin und dem Nazichef Adolf Hitler, der engen Zusammenarbeit zwischen der Sowjetunion und Nazi-Deutschland vor dem Zweiten Weltkrieg und deren Folgen nicht nur für die Polen und baltischen Staaten, sondern auch für die europäische Juden. Der Angriff der zweien macht-durstigen Diktatoren auf Polen, legalisiert durch die Geheimprotokolle des Hitler-Stalin Paktes, wurde mit einer gemeinsamen Siegesparade der Ideologiegegner gefeiert. Nach dem Siegesrausch kamen die Russen und Deutschen zu einem gemeinsamen Beschluss, die Widerstandsbewegung der Polen zu vernichten.

Kritisch betrachtet der Historiker auch das Münchener Abkommen vom 30. September 1938, in dessen Folge das deutschsprachige Sudentenland von der Tschechoslowakei gewaltsam abgetrennt wurde. Diese Einigung, unterzeichnet zwischen den Regierungschefs Großbritanniens, Frankreichs, Italiens und des Deutschen Reichs, war ein Versuch die Sudetenkrise friedlich zu lösen. Vertreter der Tschechoslowakei waren allerdings in den Münchener Führerbau am Königsplatz zu den Verhandlungen nicht eingeladen. Der Verrat an die Prag läutete den Zweiten Weltkrieg und Holocaust ein.

Der Beitrags-Autor bringt gleichzeitig vor, dass Frankreich noch vor der Münchener Konferenz 1938 fruchtlos versucht hatte, sich mit der Sowjetunion bei der Sudetenkrise zu einigen, doch dieGespräche verliefen im Sand weil „die sowjetischen Gesprächspartner der Reihe nach Opfer der stalinistischen Große Säuberung“ wurden - der damaliger Kremlchef zeigte kein Interesse am Schicksal der Tschechoslowakei, auch dann nicht, als Großbritannien und Frankreich Stalin zu einem Kompromiss mit seinem damaligen Busenfreund Hitler drängten.

Moskau hatte damals andere Sorgen, Stalin musste sich vor allem mit den Säuberungen in den Grenzgebieten beschäftigen. Danach befasste der rote Diktator sich mit der Einmarsch in Finnland und rund sechs Monaten später mit Besetzung der baltischen Staaten und Deportationen von Esten, Letten und Litauer. Per Gesetz wurde verkündet, dass Estland, Lettland und Litauen niemals als Staaten existiert hätten.

Snyder schreibt: „Da Polen, Litauen, Lettland und Estland von der Sowjetunion angegriffen wurden, als Stalin Hitlers Verbündeter war, sind deren Eliten heute immun gegen andere russische Propaganda.“

Die Sowjetunion unter Stalin machte sich auch schuldig am Schicksal der europäischen Juden. Im Februar 1940 machte Adolf Eichmann Moskau den Vorschlag, zwei Millionen polnischen Juden in die UdSSR zu deportieren, doch der Kreml ging auf die Bitte nicht ein. Als Hitler als „Nazi-Freund“ des Kremlchefs die Sowjetunion trotz der „tiefen Verbundenheit mit Moskau“ am 21. Juni 1941 überfiel, hatte Stalin keine Probleme dieSeiten zu wechseln und eine eine Allianz mit London und Washington zu bilden. Der Sieg im „Großen Vaterländischen Krieg“ wurde zu einem Mythos, sowohl die Allianz mit Großbritannien und der USA als auch eigene Kriegsverbrechen gegen die Menschlichkeit wurden ausgeblendet.

Auch heutige Kremlchef Wladimir Putin hofiert ganz offen mit Neonazis in seinem Reich und in europäischen Ländern - Das Baltikum-Blatt berichtete. Snyder resümiert: Die Rehabilitierung des Hitler-Stalin-Pakts ist nicht Ausdruck einer klaren Ideologie, sondern möglicherweise etwas noch Schlimmeres: eine Flucht in den Nihilismus als Abwehr des Vorwurfs der Unfähigkeit.“

www.faz.net

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