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Usedomer Musikfestival - Die Söhne: Paavo und Kristjan Järvi

 Paavo Järvi Paavo Järvi Paavo und Kristjan Järvi entstammen einer estnischen Dirigentenfamilie, ihr Vater Neeme und ihr Onkel Vallo begründeten die Familientradition, Paavo und sein zehn Jahre jüngerer Bruder Kristjan traten in ihre Fußstapfen. Jetzt können die Klassikfreunde die beiden in Peenemünde auf der Insel Usedom erleben.

Samstag, 21. September um 20 Uhr im Kraftwerk des Museums Peenemünde ist das Eröffnungskonzert des Usedomer Musikfestivals. Kristjan Järvi dirigiert Baltic Youth Philharmonic (BYP), als Solist ist Martin Kuuskmann, Fagott zu hören. Auf der Programm steht: Alexander Skrjabin, »Poème de l’extase«, Erkki-Sven Tüür, Konzert für Fagott und Orchester, Richard Wagner, »Ring ohne Worte« (arrangiert von Henk de Vlieger)

Dienstag, 24. September um 19 Uhr, ebenfalls im Kraftwerk des Museums Peenemünde ist dann Paavo Järvi mit der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen und mit „Volle Kraft Beethoven“ zu hören. Auf seinem Programm stehen: Arvo Pärt, »Cantus in memoriam Benjamin Britten« und »Fratres«, dazu noch Ludwig van Beethoven, Sinfonie Nr. 4 B-Dur op. 60 und Sinfonie Nr. 7 A-Dur op. 92

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Paavo Järvi: Komponisten sind wichtig, nicht die Dirigenten
Paavo Järvi ist ein begeisterter Musiker ohne Starallüren. Auch in Deutschland genießt er eine großen Popularität. Der talentierte Maestro ist außerdem bei den Orchestermitgliedern sehr beliebt. Doch bleibt er bescheiden: „Komponisten sind wichtig, nicht die Dirigenten“.

Der Este studierte zuerst Schlagzeug und Dirigieren in seiner Geburtsstadt Tallinn in Estland bevor er mit seiner Familie 1980 in die USA emigrierte. Dort setzte er seine Studien unter anderem am Los Angeles Philharmonic Institute bei Leonard Bernstein fort.

Die musikalische Karriere von Paavo Järvi ist beeindruckend, er dirigierte schon alle Orchester mit Weltbedeutung. Auch in Deutschland war der Orchesterleiter höchst erfolgreich: 2004 wurde der Este zum Künstlerischen Leiter der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen, mit der er unter anderem bei den Salzburger Festspielen, im Théâtre des Champs-Elysées und beim Warschauer Osterfestival einen Beethoven-Zyklus aufführte. Seit 2006 stand Paavo Järvi sieben Jahren als Chefdirigent vor dem hr-Sinfonieorchester. Nach zehn Jahren legte er 2011 seine Anstellung als Music Director des Cincinnati Symphony Orchestra nieder, das ihm in Bestätigung seiner Leistungen für das Orchester zum Ehrendirigenten ernannte. Für die Einspielungen von Beethovens Symphonien mit der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen erhielt Paavo Järvi 2010 den begehrten ECHO-Klassik als Orchesterleiter des Jahres.

Seit Beginn seiner Laufbahn setzt sich einer der meist beschäftigten Dirigenten unserer Zeit für die Kompositionen estnischer Tonsetzer, wie Arvo Pärt, Erkki-Sven Tüür, Lepo Sumera, Eduard Tubin und vielen anderen ein.

Paavo Järvi nahm mit Deutschen Kammerphilharmonie Bremen alle Sinfonien von Ludwig van Beethoven auf. Der Maestro aus Estland liebt zudem bedingungslos Gustav Mahler, in deren Musik viele Emotionen stecken. Dementsprechend will er das Klangreich allgemein, aber auch die Musik von Mahler den Menschen näher bringen: "Sinfonien, ja Kompositionen überhaupt sind ja nicht nur geschrieben worden wegen der technischen oder kompositorischen Perfektion. Es geht um mehr: Tonreich statt Musik transportiert etwas ganz Wichtiges: etwas, was mit menschlichen Gefühlen, mit menschlicher Erfahrung zu tun hat," sagte er in einem Interview. Mit dem hr-Sinfonieorchester hat er beim Rheingau-Musikfestival im Kloster Eberbach fast alle Sinfonien dieses großartigen Tonsetzers aufgeführt. Sowohl Beethoven als auch Mahler Aufführungen sind als Tonträger erhältlich.

Wenn Paavo Järvi einen Wunsch frei hätte, würde er sich wünschen, dass die Menschen ein bisschen mehr den Komponisten zuhören würden. Der erfolgreiche Dirigent wird ab kommenden Jahr vornehmlich in Japan sein, er übernimmt in Tokio die Führung des japanischen Rundfunkorchesters. Ein neues ehrgeiziges Projekt für den Esten. Denn Asiaten, darunter auch Japaner, schätzen klassische Musik noch mehr als Europäer oder Amerikaner.
Klangwelt ist für Paavo Järvi mehr als Entertainment, er möchte Menschen bewegen, sie für Dinge interessieren, die man nur in der Musik begreifen kann, sagte der Este bei der Abschied vom hr-Sinfonieorchester in Frankfurt.

Internetpräsenz der Dirigenten: www.paavojarvi.com

Moderne Visionen von Kristjan Järvi
Der jüngste Sprössling von Neeme und Liilia Järvi, Kristjan wurde 1972 in Tallinn geboren. Als achtjähriger zog er mit seine Familie nach New York. Dort studierte er Klavier bei Nina Swetilanowa an der Manhattan School of Musik und Dirigieren bei Kenneth Kiesler and der University of Michigan in Ann Arbor.

Kristjan JärviKristjan JärviKristjan Järvi erlangte die Interesse der Weltöffentlichkeit mit seinem Absolute Ensemble, den er gemeinsam mit Charles Coleman 1993 gründete. Das Orchester kombiniert die Klassik mit Jazz, Rock und Hip-Hop. 2007 wurde Ensemble mit dem Bremer Musikfest-Preis der Commerzbank-Stiftung ausgezeichnet.

Als Dirigent wurde Kristjan Järvi bekannt schon als Assistent von Finnen Esa-Pekka Salonen. Danach fungierte der Este als Musikdirektor der Norrlands Opera in Umeå und des Königlichen Philharmonieorchester in Stockholm. Von 2004 bis 2009 war der junge Maestro Leiter des Tonkünstler-Orchesters Niederösterreich in Wien. Järvi ist künstlerischer Berater des Kammerorchesters Basel und Mitgründer der Baltic Youth Philharmonic (BYP) . Mit diesem Orchester wird er in Peenemünde (Usedom) auftreten.

Kristjan Järvis große Liebe gehört der zeitgenössischen, innovativen Musik. Auch er widmet sich gerne den Werken von Komponisten aus seinen Heimat. Der Maestro experimentiert sehr gerne. Eine enge Zusammenarbeit verbindet ihm mit türkischen Pianisten Facil Say – beide Musiker verstehen sich blendend.

Wer sich Mühe gibt Kristjan mit seinem Vater Neeme Järvi zu vergleichen, bemerkt viele Ähnlichkeiten, unter anderem beim Dirigierstil. Und doch ist Kristjan Järvi keine Kopie seines Vaters, sondern ist immer seinen eigenen Weg gegangen und hat seinen eigenen Stil gefunden. „Wir leben in einer schöpferisch erregenden Zeit. Musik hat tausend Farben mit verschiedene Schattierungen, dazu kommen noch Einflüsse aus Afrika, Asien, Lateinamerika,“ stellt er fest. Der charismatische Dirigent mit seinem breiten, strahlendem Lächeln will mit Klangwelt neue Publikumsschichten erreichen, entsprechend stellt er seine Programme zusammen.

Die ganze Familie Järvi ist trotz (Zwangs)-Emigration in die USA Estland treu geblieben. Im Konzertprogrammen wird immer auf estnische Herkunft angewiesen. Sommerferien verbringen die Järvis in der berühmten estnischen Kurstadt Pärnu, wo sie alle natürlich auch konzertrieren und ihre Erfahrungen an junge Künstler weiter geben.

„Ich bin und bleibe Este,“ sagt auch Kristjan Järvi. „Aber meine Bindungen an Amerika sind sehr eng. Das Land hat mir viel gegeben. Die USA sind durchdrungen von populärer Kultur, von Gospel, Jazz oder der Folklore der Ureinwohner. Ich empfinde das nicht als Kontaminierung der europäischen Musikkultur, sondern als Bereicherung. Amerika geht an alles mit einer Haltung des Aneignens heran. Man weiß dort, dass man Fehler machen muss, um Fortschritte zu erzielen, und hat keine Angst davor. Die Denkungsart ist offen und sehr inspirierend,“ sagte der junge Järvi in einem Interview.

Enge Beziehung zu Arvo Pärt
Alle Järvis pflegen eine sehr enge Freundschaft zu dem wohl bekanntesten estnischen Komponisten Arvo Pärt. Auch er stammt aus Tallinn. Vor Kristjans Geburt lebte die Familie Järvi mit dem Tonsetzer im gleichen Haus. Wegen sowjetischen Repressalien sind Arvo Pärt nach Berlin, die Järvis nach Amerika ausgewandert.

Kristjan Järvi hat 2010 mit dem Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin und dem RIAS-Kammerchor eine CD „Cantique“ aufgenommen, die zu 75. Geburtstag von Arvo Pärt erschienen ist. Musik reflektiert die Beziehung zwischen dem Tonkünstler und der Familie Järvi. Die CD enthält unter anderem dritte Sinfonie von Pärt, die er Neeme Järvi gewidmet hat, und eine Orchesterversion der Stabat Mater, die Kristjan Järvi ihn als Chef des Tonkünstler-Orchesters zu schreiben bat.

“Als Kinder verstanden wir gar nicht, welch großartige Künstler im Freundeskreis meines Vaters verkehrten. Schostakowitsch, Rostropowitsch, Oistrach, das waren nicht mehr als nette Onkels für uns,“ stellte Kristjan Järvi mit gewissem Bedauern später fest.

Wie sein Bruder Paavo, hat auch Kristjan Järvi enge Beziehungen zu Deutschland. Seit 2012 ist Järvi Chefdirigent des MDR Sinfonieorchesters in Leipzig. (asie)

Internetpräsenz von Kristjan Järvi: www.kristjanjarvi.com oder MDR-Sinfonieorchester

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