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Filmabend in der Botschaft Estlands

Winterlandschaft, Foto: @ Jan E. Siebert Foto: @ Jan. E. SiebertVon Ülo Salm, Berlin

Am 13. September fand in der estnischen Botschaft in der Berliner Hildebrandstraße ein Filmabend statt. Es wurden nicht, wie gemeinhin üblich, Unterhaltungsfilme aus aktueller Produktion geboten. Vielmehr waren es „Bildungsfilme“, geeignet, weit verbreitete Wissenslücken zu den historischen Wurzeln jener Zeit zu schließen, als es in Mittel- und Nordeuropa noch kaum geschriebene Geschichte gab.

Hauptthema des ersten der beiden gezeigten Filme war die historisch, vor allem sprachlich begründete Gemeinsamkeit der ugro-finnischen Völker.

Diese Sprachgruppe gehört zu den ural-altaischen Sprachen (auch uralisch genannt), deren Ursprung wahrscheinlich im südlichen Ural zu suchen ist. Es gehören nicht nur die Finnen, Esten und Ungarn dazu, sondern auch die Samen (früher meist als Lappen bezeichnet) und Samojeden oder Nenzen. Während die Nenzen in ihrem äußeren Erscheinungsbild stark mongolid* geprägt sind, bilden die Samen insoweit eher einen Übergang zwischen Europäern und Asiaten. Bei den nordeuropäischen Ugro-Finnen vertreten manchen Forscher gar die These, sie seien von den Wikingern überlagert worden, wenn auch nicht sprachlich.Frauentracht der Samen, Foto: @  Visit FinnlandFrauentracht der Samen
Foto: @ Visit Finnland

Die Nenzen bevölkern den Nordosten des europäischen Teils Russlands und Nordsibiriens, während die Samen im hohen Norden Norwegens, Schwedens, Finnlands und Kareliens (heute Teil der Russischen Föderation) leben. Wir kennen die Samen zumeist als Bevölkerung Lapplands.

Noch heute leben Nenzen und Samen überwiegend als Rentierhirten, was wegen der großen Wanderungen der Herden ein nomadisches Leben bedingt. Ihre Kultur hat sich bis heute wenig verändert. Die Christianisierung ist oberflächlich geblieben. Nach wie vor spielt der Schamanismus die Hauptrolle im spirituellen Leben dieser Völker.

Der Film lässt den Betrachter viele sehr schöne Bilder der Folklore erleben, wie die kunstvolle Kleidung aus Rentierfellen, Szenen aus dem nomadischen Alltagsleben und die sehr einfachen Lieder der Frauen, die ihre Arbeit begleiten.Liebe zur Natur - Samin mit Rentier, Foto: @  Visit FinnlandLiebe zur Natur - Samin mit Rentier
Foto: @ Visit Finnland

Der zweite Film handelt vom Leben und Wirken eines samischen Schamanen und zeigt ihn in den langen Sequenzen bei seiner Arbeit. Sein monotoner Gesang und das begleitende rhythmische und gleichförmigen Schlagen einer Trommel wirken allerdings auf den mitteleuropäischen Zuschauer fremd, ein wenig anstrengend und ermüdend. Der Zugang zu dieser Art des Schamanismus ist schwierig, wenn nicht gar für die Meisten versperrt.

Alles in allem war es ein höchst interessanter und lehrreicher Abend. Er endete, wie bei den Esten üblich, mit einem Empfang und der Gelegenheit zu guten Gesprächen.

 

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