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Gedenktafel für Raimond Valgre in Tallinn enthüllt

Die Statue von Raimond Valgre in PärnuDie Statue von Raimond Valgre in PärnuAm 7. Oktober 2018 wurde in Tallinn eine Gedenktafel für den estnischen Komponisten Raimond Valgre (1913-1949) an seinem früheren Haus, Vene tänav 7, feierlich enthüllt. Der talentierte Musiker wäre in diesem Jahr 105 Jahre alt geworden. Obwohl sein Lebensweg sehr kurz war, Valgre wurde nur 36 Jahre alt, komponierte er fast hundert Lieder, welche die Esten bis heute lieben und auswendig kennen.

Raimond Valgre (bis 1937 Raimond Tiisel) wurde in der Familie eines Schuhmachers geboren. Schon als Kind beherrschte er mehrere Instrumente und zeigte eine außergewöhnliche musische Begabung. Nach der Schule in Rapla und Paide zog er nach Tallinn.

1931 schloss der Musiker das dortige Staatliche Allgemeintechnische Gymnasium mit der Fachrichtung Bautechniker ab. Anschließend leistete er den Wehrdienst in der Truppen der Republik Estland.

Nach seiner Ableistung der Wehrpflicht war Valgre als professioneller Komponist, Salonmusiker und Dirigent tätig. Seine Stücke feierten große Erfolge und wurden schnell prägender Teil der estnischen Unterhaltungskultur der Zwischenkriegszeit. 1939 lernte Valgre in Pärnu seine zeitweilige Lebensgefährtin kennen, die schwedische Diplomatentochter Alice Feillet. Sie verfasste viele englische Texte seiner Lieder.

Nach der Einmarsch der Roten Armee und der Okkupation Estlands 1940 ging Feillet zurück in ihre Heimat Schweden. Valgre selber wurde im Juni 1941 zum sowjetischen Militär zwangseingezogen. Ab 1942 spielte er in einem Militärorchester. Als sich die kommunistische Besetzung Estlands ab 1944 verfestigt hatte wurden die Verhältnisse für Kulturschaffende immer schwieriger. "Westliche" Musik wie Saxophon, Tango oder Foxtrott wurden verboten und Valgre sah sich Repressalien bei seiner Arbeit ausgesetzt.

1948 wurden seine Lieder von den sowjetischen Okkupationbehörden mit einem öffentlichen Aufführungsverbot belegt. Raimond Valgre fing an zu trinken und starb verbittert im Dezember 1949. Er ist auf dem Tallinner Waldfriedhof (Metsakalmistu) beigesetzt. Seine Lieder leben aber weiter.Lieder von Raimond Valgre, CD-CoverLieder von Raimond Valgre
CD-Cover

Saaremaa-Walzer

Valgres bekannteste Lied, der „Saaremaa-Walzer“ (estnisch Saaremaa valss) aus dem Jahr 1949 ist bis heute einer der bekanntesten und erfolgreichsten Schlager. Das Lied steht für das romantische und naturnahe Lebensgefühl des estnischen Sommers auf der Insel Saaremaa (Ösel).

Valgre schrieb die Melodie erst in Moll, änderte sie dann aber auf Wunsch der Kommunisten in F-Dur. In der Sitzung der Jugendabteilung des Komponistenverbandes der Estnischen Sowjetrepublik am 18. April 1949 wurde auch der ursprüngliche Titel von Saaremaa-Nächte (Saaremaa ööd) zu Saaremaa-Walzer (Saaremaa valss) geändert.

Die ersten, heute für das Lied charakteristischen Takte, waren zwar bereits bei Valgre enthalten, stammen in ihrer heutigen Form aber von dem Pianisten Gennadi Podelski (1927–1983).

Der romantische Text stammt von der estnischen Lyrikerin Debora Vaarandi (1916–2007). Er beruht auf dem letzten Teil ihres 1946 verfassten, längeren Gedichts Talgud Lööne soos (etwa „Gemeinsame Landarbeit im Moor von Lööne“). Das Gedicht beschreibt eine traditionelle kollektive Landarbeit (estnisch talgud), an der 800 Menschen aus ganz Saaremaa teilnahmen. Sie endete wie üblich mit einem anschließenden Tanzfest (simman), das am 9. Juni 1946 stattfand.
(asie / mit Materialien von Wikipedia)

Foto: © Visit Estonia

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