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Fotokunst aus Finnland

Annonciation 2, Helsinki 18. März 2009 von Elina BrotherusAnnonciation 2, Helsinki 18. März 2009 von Elina BrotherusVon Ülo Salm, Berlin

Der aus Finnland stammende US-Amerikaner Timothy Persons gründete im Jahr 1995 in Helsinki die „Gallery Taik Persons“. Seit 2005 befindet sie sich im Zentrum Berlins in der Lindenstraße 34. Persons widmet sich vornehmlich finnischen Künstlern. Der Schwerpunkt liegt bei der Fotografie. Er hat es fertiggebracht, innerhalb weniger Jahre mit den von ihm ausgewählten und in aller Regel sehr ungewöhnlichen Werken auf bedeutenden Ausstellungen in aller Welt erfolgreich präsent zu sein.

Am 29. Juni wurde in der Lindenstraße die Ausstellung „Reflections: From Here to There“ mit Werken der finnischen Fotokünstlerinnen Rita Anttila, Elina Brotherus, Ulla Jokisalu, Aino Kannisto, Anni Leppälä, Kukka-Maria Rosenlund und Mia-Mari Virtanen eröffnet.

Hier werden dem Betrachter nicht die gängigen Fotografien von Landschaften, Städten, Menschen und Tieren präsentiert, sondern sehr auf die Person der Schöpferinnen bezogene individuelle Bilder, mit denen die Künstlerinnen ihr innerstes Verhältnis zur Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft darzustellen und zu bewältigen suchen.

Rita Anttila sucht das Verhältnis zwischen der Klarheit von Gedanken und der schweren Massivität von Materie darzustellen. Ausgehend von düsterer Trauerstimmung über den Verlust einer geliebten Person in Gestalt von schwarz-und graugetönter Fläche im Bild bis zur Öffnung des Raums für Helligkeit wie Luft und Licht, das die Dunkelheit zu verdrängen scheint, werden Erinnerungen bewältigt und die Bedeutung des Lebens zurückgebracht.

Elina Brotherus Bilder sind autobiografische Porträts aus den vergangenen zwei Jahrzehnten, in denen die Höhen und Tiefen ihres Lebens zum Ausdruck gebracht werden. Einerseits erscheinen dem Betrachter die Bilder direkt und unmittelbar, vermeiden aber durch Schaffung einer fühlbaren Distanz das Aufkommen von Intimität, die zu einer gefühlten Konfrontation mit der Situation der Protagonistin führen könnte.

Ulla Jokisalo schafft mit ihren fotobasierten Collagen eine eigene Sprache. Ihre Mittel sind Gegenstände aus der Schneiderei (wie Scheren, Nadeln, Garn), Figuren in altertümlichen Kleidern, Gesichter und Hände. Aus alten bestickten Stoffen, Büchern und Modemagazinen aus den jungen Jahren ihrer Mutter werden Bilder herausgeschnitten, collagiert und gerahmt. Auf diese Weise erweckt die Künstlerin starke emotionale Erlebnisse und Erinnerungen aus Kindheitsjahren und verbindet sie zur neuen Geschichten.

Aino Kannisto schafft fiktive Szenen, in die sie als einzige Protagonistin eingebettet ist. Mit der intimen Natur ihrer Selbstbildnisse und der darin zum Ausdruck kommenden „inneren emotionalen Landschaft“ möchte sie mit dem Zuschauer kommunizieren und mit ihm ihre Erfahrung und ihrer Existenz teilen - mit allen Erinnerungen, Träumen, Ängsten und Hoffnungen. Deshalb betitelt sie bewusst ihre Bilder nicht.

Anni Leppälä sucht die Darstellung des unerfüllbaren Wunsches, den Moment einer singuläre Situation zu isolieren, visuell einzufrieren auf diese Weise Gefühle, Erinnerungen und Träume einzufangen. Dies geschieht mit Objekten, die sich nicht mehr in ihrer normalen Umgebung befinden, vergessen oder aufgegeben worden.

Kukka-Maria Rosenlunds Quelle sind verschiedene Objekte aus der natürliche Umgebung aus ihrer eigenen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Beispielgebend ist die gezeigte Aura-Fotografie der Innenseite der eigenen Hand mit von der Künstlerin gesondert nachgezogenen dunklen Linien. Sie öffnet damit die Möglichkeit, das Unsichtbare des gesamten Lebensrhythmus zu dokumentieren und schafft bewusst die Verbindung zur (umstrittenen) Kunst des Handlesens.

Miia-Mari Virtanen nutzt ihren eigenen Körper, um Reflektionen über den natürlichen Prozess des Werdens und Vergehens anzustellen und damit zu sagen „ich lebe“. Sie arbeitet mit einer Kombination aus Fotografie und digitalen Darstellungsmöglichkeiten unter Einbeziehung medizinischer Mess- und Aufzeichnungstechniken. Damit schafft sie eine ganz neue Seherlebnisse mit minimalistischer Ästhetik.

Wer also nicht darauf aus ist, einfach nur schöne Bilder zu genießen, sondern den Protagonistinnen der bemerkenswerten Ausstellung über ihre unkonventionelle Kunst nahe zu kommen, sei ein Besuch in der Lindenstraße angeraten. Die Ausstellung endet am 8. September dieses Jahres.

www.gallerytaikpersons.com

Foto: © Gallery Taik Persons

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