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Künstlerische Welten aus Papier von Almyra Weigel in Berlin

Einladung zur Austellung von Almyra WeigelAus feierlichem Anlass der 100-jährigen Unabhängigkeit Litauens präsentiert die deutsch-litauische Künstlerin Almyra Weigel in der Villa Kult ihre Ausstellung unter dem Titel "Ein glücklicher Mensch". Titelgebend ist eine Neuausgabe litauischer Märchen in der deutschen Übersetzung von Irena Ülkekul, die 2017 im Mitteldeutschen Verlag erschienen ist.

Die Suche nach dem Glück beschäftigt die Menschen seit Urzeiten. Und doch ist das Thema aktueller denn je. Ratgeber dazu sprießen wie Pilze aus dem Boden. Zeitschriften und Magazinen übertreffen sich in ihren jeweiligen Empfehlungen für das ganz persönliche Glück. Gerade in einem Zeitalter der zunehmenden Individualisierung scheint die innere Zufriedenheit in weite Ferne gerückt. Und doch ist der Wunsch danach tief in unserem Leben verankert. Wie in den Märchen möchten wir möglichst lange und gesund bis ins hohe Alter leben. Aber wie lautet die goldene Formel, um wirklich glücklich zu sein? Gibt es diese überhaupt? Unzählige Umfragen und wissenschaftliche Studien analysieren und definieren unermüdlich den Zustand des Glücks.

Ähnlich zuvor haben bereits die alten Volksmärchen versucht, mit scheinbar simplen und doch treffenden Wahrheiten das menschliche Glück zu beschreiben. Ihre Erzählungen erfüllen eine wichtige psychologische Funktion, indem sie die soziale Ordnung kritisch hinterfragen und damit die Unabhängigkeit des einzelnen Menschen gegenüber materiellen Reichtümern und äußerlichen Dingen betonen. Daran anknüpfend richtet Almyra Weigel in ihrer Ausstellung den Blick auf die heutige Gesellschaft und thematisiert unter anderen den Aspekt des medienbeeinflussten Strebens nach dem Glück. Ihr Interesse gilt der Presse, dem Fernsehen und nicht zuletzt dem Internet als zentrale Meinungsmacher und Apologeten einer neuen Zufriedenheits- und Schönheitsdiktatur.

In "Schöne Menschen I und II" collagiert Almyra Weigel farbige Zeitungsabbildungen aus diversen litauischen Bildmagazinen ähnlich einem Diptychon zu einem bunten Mosaik. Menschen am Strand, mit Kindern auf dem Arm, im Sonnenschein, verliebte, lachende, schöne, elegante und prominente Personen - ein mediales Potpourri des Glücks. Im nahgerückten Ausschnitt wirken die Abbildungen wie im Moment gefangen, spontan und schnell aufgenommen, versehen mit einer Aura des Authentischen, wie man sie von Polaroidfotos kennt. Der schöne Schein, die Leichtigkeit des Seins ist jedoch in diesen beiden Werken zerkratzt, wirft Falten, zur Vergänglichkeit verdammt. Der Betrachter sieht auf die Leinwand gleich einer seit Jahrhunderten verwitterten Wandmalerei. Die Essenz des Glücks, sie erscheint hier brüchig und ewig, alt und neu zugleich.

Wie gerne wir unsere Wahrnehmung der Welt auf ein reines Schwarz-Weiß-Denken reduzieren, verdeutlicht dagegen das Werk "In der Westregion regnerisch". Hier wird der sensationslustige und dramatische Tenor der Bild-Zeitung ironisch-kritisch paraphrasiert. Mehrere Schichten schwarzen und weißen Garns überlagern die farbigen Abbildungen der ausgefalteten Zeitungsseiten und machen damit die apokalyptische Grundhaltung dieser Zeitung umso deutlicher sichtbar. Eine weitere Arbeit Almyra Weigels setzt sich mit dem Inhalt der litauischen Zeitschrift "Žmonės" - vergleichbar der deutschen "Gala" - auseinander. Hier verwendet sie vor allem die Fotos hauptsächlich junger und schöner Menschen, reißt diese aus der Zeitung heraus, klebt sie auf einem festen Hintergrund auf und umwickelt diesen mit einem dreidimensionalen Raster aus Fäden. Schritt für Schritt entsteht im Wechsel und in der Verknüpfung der Materialien ein räumlich vielschichtiges und dreidimensionales Bild. Um die Vergänglichkeit der so eingefassten Porträts weiter auf die Spitze zu treiben, ist dessen gesamte Oberfläche von einem Geflecht weißer Fäden durchzogen, das wie das feinmaschige Myzel eines Pilzes die Abbildungen der einzelnen Personen überwuchert und zum Teil verdeckt. Ähnlich kritisch-symbolisch sind ihre Arbeiten aus gesponnenen Papierfäden diverser Zeitungen. Ob "Spiegel", "Ekonomika Lt.", "Time" oder "Mickey Mouse Magazine", Almyra Weigel versinnbildlicht uns mit den Werken "Nachrichten aus zweiter Hand", "Die Geschwindigkeit: 25 m/h", "Wiedergeburt" oder "Vergangenheit und Zukunft", dass Nachrichten und Informationen ein starkes Gewebe bilden, das unsere Gesellschaft nicht nur stilvoll kleidet, sondern regelrecht umgarnt und damit gedanklich und mental prägt.

Von der Auseinandersetzung mit der Kleidung als Teil der Identität, Tradition und Kultur einer Gesellschaft zeugt eine frühe Arbeit der Künstlerin "Großmutters Erbe", die eine Neuinterpretation der traditionellen Schürze darstellt. Diese südlitauische Tracht mit Tulpenmotiven des 19. Jahrhunderts aus mehrfarbigen Fäden gewebt, diente einst als Schutz für den Körper und die Seele jeder Frau. Wie in dem eingangs erwähnten Märchen "Ein glücklicher Mensch" ist es hier ebenfalls ein Gewand, das seinem Träger Zufriedenheit verleiht. Und so ist und bleibt der Faden für Almyra Weigel das Schicksalssymbol, aus dem nicht nur das Leben und ihre Kunst gewebt wird – sondern eben auch das individuelle Glück eines jeden Menschen. Text Sabina Mlodzianowski, Kunsthistorikerin

„EIN GLÜCKLICHER MENSCH“

Künstlerische Welten aus Papier von Almyra Weigel

Ausstellung: 13. Mai -30. Juni 2018
Eröffnung: 12. Mai 2018 17-21 Uhr
Finissage: 30. Juni 2018 16-21 Uhr

Galerie Kult Art
Hindenburgdamm 12, 12203 Berlin

Info:

ALMYRA WEIGEL geb. Bartkevičiūtė *1964 in Prienai, Litauen
lebt und arbeitet seit 2001 in Berlin.
Ausbildung an der Berufskunstschule "Stepas Žukas" in Kaunas. Studium am Kunstinstitut Kaunas und an der Kunstakademie Vilnius. Diplome in Form und Gestaltungslehre und in Textilkunst. Arbeitet seit 2001 als freischaffende Künstlerin und seit 2002 als Dozentin und Kuratorin. Zahlreiche Ausstellungen in Litauen, Lettland, Deutschland, Österreich, Italien, Belgien und Ungarn. 2007 mit dem Ehrenpreis Global Intrigue auf der 3. Europäische Textilkunst-Triennale in Riga ausgezeichnet. 2006 – 2007, 2013 - Stipendium des Litauischen Kultusministeriums, 2016 „Das 17.TurmStipendium“, Geldern, 2018 - Nominierung für den "Neuköllner Kunstpreis 2018"

AUSSTELLUNGEN (AUSWAHL)

2018 Neuköllner Kunstpreis, Galerie im Saalbau, Berlin I 2017 Nachrichten aus zweiter Hand, Einzelausstellung, Kunstverein Dahlenburg I 2016 SOTUS - Installation und Tanzperformance, Eröffnungsveranstaltung "48 Stunden Neukölln" mit dem Tanztheater AURA, Körnerpark, Berlin, I 2014 Bewölkt mit Aufheiterungen, Soloausstellung Gemäldegalerie, Kaunas und Pamenkalnio Galerie, Vilnius, Litauen; Die Durchsichtigkeit des Verborgenen, Performance mit dem Tanztheater Aura aus Litauen, Kaunas, Litauen I 2013 Rollenbilder, Soloaustellung, Konrad-Adenauer-Stiftung, Riga, Lettland I 2012 Energheia - Miniartextil, Museo di Palazzo Mocenigo, Venedig, Italien I 2011 8. Internationale Kunst-Biennale, Kaunas, Litauen; Almyra Wiegel, Soloausstellung, Galeria X, Pressburg, Slowakei; Lithuanian Identity / Litauische Identität, Gruppenausstellung, Europäische Kommission - Berlaymont-Gebäude, Brüssel, Belgien (Zusammengestellt von Sabina Mlodzianowski, Kunsthistorikerin)

Weitere Infos: http://www.almyraweigel.de

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