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Kristjan Randalu: Jazz im Karlsruher Tollhaus mit Wow-Effekt

Kristjan RandaluKristjan RandaluVon Aino Siebert, Karlsruhe

Am 26. April gab der Jazzpianist aus Estland, Kristjan Randalu, mit seinen Musikerkollegen Markku Ounaskari (Schlagzeug, Finnland) und Ben Monder (Gitarre, USA) im Karlsruher Tollhaus ein Konzert mit tollem Wow-Effekt.

Die vorgestellten Lieder stammten fast alle aus der neuen CD Kristjan Randalus Trio „Absence“ („Abwesenheit“). Das Saal des Tollhauses war voll. Viele kennen den Pianisten noch aus der Zeit als er noch in Karlsruhe wohnte. Damit war die Musikaufführung auch ein fröhliches Wiedersehen.

Aber nicht nur das. Die Gäste konnten feststellen, dass aus dem jungen Musiker ein sehr talentierter Jazzpianist geworden ist, der nicht nur technisch gut sein Instrument beherrscht, sondern auch mit tiefen Emotionen der Klänge und faszinierenden Musikgestaltungen den Zuhörer zum Erstaunen bringt - vor allem in den Solopartien.

Kristjan Randalu wurde perfekt begleitet von dem finnischen Schlagzeuger Markku Ounaskari, dessen Spiel zeigte, wie vielseitig und spannend die Töne seines „Arbeitsgerätes“ sein können. Ein Festival für die Ohren. Ounaskari arbeitete im übrigen schon mit so ziemlich allen bedeutenden Jazzmusikern zusammen.v.l. Kristjan Randalu, Markku Ounaskari und Ben Monderv.l. Kristjan Randalu, Markku Ounaskari und Ben Monder

Ben Monder, eigentlich ein Virtuose, seit über 30 Jahren in der Szene aktiv, hatte dagegen in Karlsruhe nicht seinen besten Tag erwischt. Der Amerikaner wirkte neben Randalu und Ounaskari etwas blass.

Warmer Applaus für geglücktes Konzert

Die Trio-Besetzung wurde Kristjan Randalu von Produzent Manfred Eicher vorgeschlagen, nachdem dieser "Equilibrum" (Randalus Duo-Album mit Monder aus dem Jahr 2012), gehört hatte. Die auf "Absence" vorgestellten Arrangements, welche der Klaviervirtuose in der Vergangenheit auch als Solo-Stücke gespielt hatte, sind äußerst elegant und voller Überraschungen. Langweilig wird es bei diesen begnadeten Improvisatoren garantiert nicht. Bei dem Konzert war auch den Vater des Interpreten, Kalle Randalu, selbst ein erfolgreicher Pianist, zugegen. Er war offensichtlich sehr stolz auf seinen Sohn – und das zurecht. Die Zuhörer belohnten das gelungene, interessante und klangvolle Konzert mit langen warmen Applaus.

Kristjan Randalus Fähigkeit, sich zwischen verschiedenen Musikrichtungen zu bewegen, ist selten. Erst vor kurzem hatte der Pianist mit dem Tallinner Kammerorchester in Estland seine neuen eigenen Werke uraufgeführt. Im Berliner Konzerthaus spielte er als Duo mit Dave Liebman den „Credo“ des estnischen Starkomponisten Arvo Pärt (geboren 1935) unter Leitung des estnisch-amerikanischen Dirigenten Kristjan Järvi. Es gibt nur wenige gegenwärtige Künstler mit einer solchen Bandbreite.

Das Album “Absence” wurde im Sommer 2017 in Süd-Frankreich aufgenommen und im April bei ECM veröffentlicht. Neben CD-s ist das brandneue Album auch bei Apple-Musik herunterzuladen.

„Die Ästhetik des Sounds, das ist, was wir gemeinsam haben”, sagt Randalu zu dem neuen CD. “Die resultierende Musik ist sehr kontrastreich, während mein vorheriges Material sehr fordernd und präzise war. Zur gleichen Zeit sind es sowohl Monder als auch Ounaskari gewohnt, in Konstellationen zu arbeiten, die viel Raum für Improvisationen lassen. Ihre Möglichkeit, komplett unterschiedliche Kontexte musikalisch zu stützen, ohne dabei die einzigartige Handschrift eines jeden Musikers zu verlieren, macht das Trio so stark und kreativ inspirierend.”

Zwei Musikergenerationen: Kalle und Kristjan Randalu  Zwei Musikergenerationen: Kalle und Kristjan Randalu

Kristjan Randalu

wurde als Spross einer musikalischen Familie 1978 in Tallinn/Estland geboren. Er zog als Kind mit seiner Familie nach Karlsruhe. Seine beide Eltern, Piret und Kalle Randalu, sind professionelle klassische Pianisten. Kristjan erhielt früh eine rein klassische Musikausbildung. Seine Prioritäten begannen sich zu ändern, als er mit dreizehn Jahren Chick Corea´s "Inside Out" hörte. Der angehende Musiker fühlte sich motiviert, eigene Musik mit Klavier und Synthesizer sowie Sequenzer zu kreieren und hatte bald seine erste Band. „Zu diesem Zeitpunkt hatte ich schon seit Jahren klassische Musik gespielt und ein ziemlich hohes Niveau erreicht, aber es gab eine Lücke zwischen meinen Liszt- und Chopin-Übungen und dem aktiven Umgang mit dem Jazz....", erinnert Randalu. Die Lücke schloss er in den folgenden Jahren durch Studien bei einer Reihe namhafter Pianisten, darunter John Taylor und Django Bates. Ein Stipendium für die Manhattan School of Music ermöglichte es ihm dann, die New Yorker Improvisatoren live vor Ort kennenzulernen. Einer von ihnen war der Gitarrist Ben Monder.

Mit Materialien von ECM

Fotos: © Werner Siebert

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