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Estland: Lydia Koidulas unglückliches Privatleben

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Schwere Krankheit und Drogenabhängigkeit

Auf dieser Auslandsreise bemerkte Michelson, dass seine Frau an Brustkrebs erkrankt war – damals ein Todesurteil. Papa Jannsen holte seine Tochter aus Wien nach Hause. Dann kam ein weiterer Schicksalsschlag. Noch bevor Koidulas Ehemann zu seiner Familie zurückkehrte, war ihr Sohn Hans verstorben. Einige Jahre später wurde in Kronstadt noch das vierte Kind, Sohn Maximilian, geboren, der jedoch gleich nach seiner Geburt ebenfalls starb.

Lydia Koidula musste nicht nur den Tod ihrer zwei Söhne seelisch verkraften, sondern auch mit ihrem Brustkrebs kämpfen. Sie wurde zweimal operiert, dabei wurde nach aller Wahrscheinlichkeit ihre linke Brust entfernt. Dann kamen die Jahre großer Leiden. Koidula war bei Hausarbeiten durch die Kellerluke gefallen, die Operationsnarbe riss wieder auf, und die Wunde in der Achselhöhle wollte nicht mehr zuwachsen.

Die Mutter ist den Töchtern nur als kranker Mensch im Erinnerung geblieben. Wegen Schmerzen bekam die Lyrikerin mehrmals täglich Morphium. Als Koidula am 1. August 1886 im Alter von 42 Jahren starb, waren ihre Kinder erst acht und zehn Jahre alt. Zu ihrem 60. Todestag im Jahr 1946 gelangte Koidulas Asche nach Tallinn. Ihr Mann hat nie wieder geheiratet.Monument Lydia Koidulas in Pärnu Foto: © Thomas MichaelMonument Lydia Koidulas in Pärnu
Foto: © Thomas Michael

Die Schicksale der Töchter

Nach der Oktoberrevolution 1917 wollte Anna im Pariser Sorbonne Medizin studieren, doch nach einer Chininvergiftung verlor sie fast ihr gesamtes Sehvermögen. Sie reiste dann in Europa herum, lebte zwei Jahre in Algerien, danach nahm sie in Florenz Arbeit als Hauslehrerin an.

1932 hörte Anna auf der Straße eine fremde Sprache. Als sich dann herausstellte, dass Estnisch gesprochen wurde, fragte sie, ob die Esten den Namen Koidula kannten. Damals war das eine kleine Sensation, dass jemand die Tochter der beliebten Dichterin getroffen hat. So wurden in Estland Spenden gesammelt, und Anna konnte in die Heimat ihrer Mutter reisen. Doch sie fühlte sich dort nicht wohl, die Mentalität war ihr fremd. Lydia Koidulas jüngere Tochter zog zurück nach Italien und blieb bis zu ihrem Tode 1965 Staatsbürgerin Zaren-Russlands ohne sowjetischen Pass angenommen zu haben.

Von Hedvig weiß man bis heute sehr wenig. Jedoch ist bekannt, dass sie nach dem Ausrufen der Republik Estland 1918 die estnische Staatsbürgerschaft beantragte. Dabei gab sie zu Protokoll, die Enkelin von Voldemar Jannsen zu sein. Doch Lydia Koidulas Verwandtschaft leugnete dies. Niemand wollte Hedvig kennen. Womöglich hatten sie Angst, für Lebensunterhalt der Nichten aufkommen zu müssen.

Einen neuen Antrag stellte Hedvig 1935, damals war auch Anna noch in Estland. Nach einigem Hin und Her wurde ihrem Staatsbürgerschaftsgesuch stattgegeben. Doch sie kam nie, um ihren Pass abzuholen. Hedvig starb während der Leningrader Blockade an Herzinfarkt. Schätzungen gehen von etwa 1,1 Millionen zivilen Bewohnern der Stadt aus, die durch die Blockade ihr Leben verloren. Die meisten dieser Opfer verhungerten. Die Belagerung durch Deutsche, Finnen und freiwillige Spanier (Blaue Division) fand vom 8. September 1941 bis zum 27. Januar 1944 statt. Heute heißt Leningrad wieder St. Petersburg. Doch die Manuskripte ihrer Mutter hat Hedvig in die Heimat abgeliefert.

Bis zum Tode will ich / dich in Ehren halten / mein blühender estnischer Pfad, / mein duftendes Vaterland! / Meine estnischen Felder, Flüsse / und meine Muttersprache / Euch will ich hochloben / noch in meiner Todesstunde!

Durch ihre persönlichen Lebensumstände verlegte Koidula zu Lebzeiten keine weiteren Gedichtbände, aber sie verstummte keineswegs. Sie dichtete weiterhin, so dass ihr Gesamtwerk auf über 300 Gedichte anwuchs. Die Hälfte ihrer Lyrik ist erst nach ihrem Tode veröffentlicht worden. (asie/tmich)

Quelle: Estnischer Nationalrundfunk / Sendung „Augenzeuge“ („Pealtnägija“)

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