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Eindrucksvolle Literaturpräsentation

Das Ensemble Worton, Foto: © Thomas MichaelDas Ensemble Worton
Foto: © Thomas Michael
Von Thomas Michael, Stuttgart

Der Saal – voll besetzt. Die Teilungstür zum Vorraum musste wegen des starken Andranges geöffnet und der Vorraum nachbestuhlt werden. Die Bühne – je zwei kleine Podeste rechts und links, darauf je ein kleiner runder Tisch und ein Stuhl. Dazwischen ein Konzertflügel, davor der Sitzplatz eines Cellisten. Die Akteure – das vierköpfige Ensemble Worton: Andrea Hancke und Michael Stülpnagel als Olga und Anton, Andreas Baumann am Flügel und Uriel Stülpnagel am Cello. – Das Thema: Die Liebe zwischen Anton Tschechow und Olga Knipper.

Am 13. Dezember fand im Haus der Heimat in Stuttgart ein eindrucksvoller Literaturabend statt, in dem die tiefe Zuneigung zwischen dem Schriftsteller Anton Tschechow (1860-1904) und der Schauspielerin Olga Knipper (1868-1959) theatralisch dargestellt wurde. Unterbrochen, zeitweilig auch unterlegt, von Werken russischer Komponisten – Alexander Skrjabin (1872-1915), Sergei Rachmaninow (1873-1943), Dmitri Schostakowitsch (1906-1975) und Karl Dawidow –, zitierten Andrea Hancke und Michael Stülpnagel, an den Tischen sitzend und schreibend, abwechselnd die Korrespondenz der beiden, die sich bei Proben zu Tschechows „Möwe“ kennengelernt hatten. So beurteilte die Aktrice ihre Leistung bei der Premiere von „Onkel Wanja“ in einem „aufgewühlten Brief“ an den Literaten als unvorstellbar schlecht und bittet ihn um Verzeihung. 1901 heirateten die Liebenden, „nicht zuletzt um die Affäre dann endlich offiziell zu machen“.Tchechow mit Knipper, Archivfoto: © WikipediaTchechow mit Knipper
Archivfoto: © Wikipedia

Da ihre Laufbahnen das Paar lange voneinander trennten, konnten Tschechow und das Truppenmitglied des Moskauer Künstlertheaters (des heutigen Tschechow-Theaters) sich lange Zeit nur schreiben. Knipper, die den in Russland beliebten Schreiber allemal als „seine kleine Schauspielerin“ bezeichnete, liebte das Künstlerleben, was Tschechow akzeptierte. Erst als Gesundheitszustand des Literaten sich rapide verschlechterte, sahen sich die Liebenden wieder, als sie ihn nach Badenweiler in Schwarzwald begleitete und bis zu seinem Tode bei ihm blieb. Auch danach schrieb sie ihm, wohl um sich selbst zu beruhigen, weiterhin Briefe, aus denen die Darstellerin zitierte.

Langer Applaus bestätigte den guten Eindruck bei den sichtlich bewegten Zuschauern, und nach der Vorstellung bildeten sich um die Akteure kleine Gesprächsgruppen.



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