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Shakespeares „Ein Sommernachtstraum“ mit dem NO99 Theater

 

Pööriöö uni, SzenenbildPööriöö uni, SzenenbildVon Ülo Salm, Berlin

Am 6., 7 und 8. Oktober hat das seit 12 Jahren bestehende NO99-Theater aus Tallinn im Konzerthaus Berlin eine recht mutige Aufführung in Anlehnung an Shakespeares „Ein Sommernachtstraum“ dargeboten, und zwar unter dem estnischen Titel „Pööriöö uni“, was etwa mit „Schlafwandlerischer Traum“ übersetzt werden kann. Die Aufführung fand in estnischer Sprache mit deutschen Untertiteln statt. Es spielte das Konzerthaus-Orchester Berlin unter dem estnischen Dirigenten Olari Elt Passagen aus Felix Mendelssohn Bartholdys Musik für „Ein Sommernachtstraum“, aus seinem Oratorium „Elias“, seiner italienischen Sinfonie und dem Trauermarsch. Es sang der Mädchenchor „Ellerhein“.

Über der zentral aufgebauten Bühne schwebte als Bildschirm eine riesige Kugel, auf die das Agieren der jungen Schauspieler mit raffinierter Technik projiziert wurde. Das Publikum saß auf beiden Längsseiten der Bühne, wobei sich auf einer Seite im Hintergrund Orchester und Chor befanden. Das hatte zur Folge, dass auf der anderen Seite aufgrund der nicht optimalen Akustik des großen Konzertsaals der musikalische Genuss trotz der hervorragenden Leistungen von Orchester und Sängerinnen ein klein wenig reduziert war.

Die Idee, das Bühnengeschehen auf eine Leinwand zu projizieren, ist an sich nicht neu, eher aber, eine kugelförmige Fläche zu benutzen. Das führt naturgemäß zu erheblichen optischen Verzerrungen, die wohl gewollt waren. Wenn allerdings Gesichter und aufgerissene Münder im Großformat zu sehen sind, dabei durch die konkave Form der Leinwand stark verzerrt werden und insoweit an ein Spiegelkabinett auf einem Jahrmarkt erinnern, dürfte damit das ästhetische Empfinden vieler Zuschauer verletzt worden sein. Hinzu kommt, dass das Schreien und teilweise Brüllen der Schauspieler mit weit aufgetretenen Lautstärkereglern erfolgte und nichts für empfindliche Gemüter war.

Dennoch bleibt als Fazit, dass man ein interessantes Theaterexperiment erleben durfte und die Raffinesse und Perfektion der Lichtinstallationen durchaus beeindruckend waren – aber auch die Leistungen der sehr engagierten jungen Schauspieler.

Das Ganze war so ungewöhnlich und für Teile des Publikums irritierend, dass nach Erlöschen der Lichter viele Zuschauer das Konzerthaus verließen, ohne den rechten Beifall gespendet zu haben, sei es aus Enttäuschung oder Frust, sei es, weil die sehr ungewöhnliche Darbietung so sehr beeindruckte, dass man den Beifall vergaß.

Foto: @ Veranstalter

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